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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 10.03.2016

„Ich hatte plötzlich so eine Wut“

Sindelfingen: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für den Brandstifter vom 24. August

Eine Brandserie in der Nacht des 24. August vergangenen Jahres hat Sindelfingen in Atem gehalten. Ein Imbisswagen und ein Lastwagen wurden angezündet. Der Versuch, einen Holzverschlag am griechischen Kulturverein zu entflammen, scheiterte. Gestern wurde der 22-jährige Täter vom Böblinger Amtsgericht zur Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Der Angeklagte hat seit Jahren große familiäre Probleme. Dem 22-Jährigen gelang es dennoch, den Realschulabschluss zu erreichen. Er arbeitete in verschiedenen Firmen, zuletzt in Böblingen als Produktionshelfer. Dort wurde ihm eine Ausbildungsstelle versprochen, die er dann aber nicht erhielt. „Das hat mich ziemlich frustriert“, sagte der Angeklagte, der Anfang 2015 die Firma verließ und seine Enttäuschung nach eigenen Angaben durch heftigen Alkoholgenuss betäubte.

Am Abend vor dem Tattag war der Angeklagte in einer Kneipe unterwegs und trank. „Ich war alleine, ich habe mich volllaufen lassen“, sagte der Sindelfinger, auf dem Heimweg sei er am Imbisswagen vorbei gekommen. „Ich hatte plötzlich so eine Wut, und für mich war das einzige richtige Gefühl, den Imbiss anzuzünden“, sagte der 22-Jährige, der aus seiner Wohnung eine brennbare Flüssigkeit holte, gegen 0.15 Uhr zu dem Wagen zurückging, die Scheibe der Beifahrerseite einschlug, die Flüssigkeit in das Fahrerhaus spritze und anzündete. Die Fahrerkabine brannte lichterloh, es entstand ein Schaden von 15 000 Euro. Zudem versuchte der Angeklagte, mittels Schnürsenkeln eine Lunte zum Tank zu legen, letztlich erfolglos. Er schraubte den Tankdeckel ab, und er behielt ihn.

Diese Spur war entscheidend für die spätere Festnahme des Angeklagten. Kurz vor ein Uhr entzündete der Angeklagte einen Lastwagen einer Autovermietung, dieser brannte aus, Schaden rund 40 000 Euro. Gegen vier Uhr versuchte der Angeklagte, einen hölzernen Anbau des griechischen Kulturvereins anzuzünden. Dies gelang ihm letztlich nicht, der Schaden belief sich auf etwa 20 Euro.

In der Tatnacht nahm die Polizei einen 49-Jährigen fest, der „sich sehr komisch und auffällig verhalten hat“, so eine Beamtin, die vor Ort war. Diese Person zu vernehmen, war unmöglich. Wie sich herausstelle, leidet dieser Mann an einer psychischen Erkrankung, zum Zeitpunkt der Ermittlungen hatte er seine Medikamente nicht eingenommen. Mit der Tat konnte er nicht in Verbindung gebracht werden.

Am 16. September des vergangenen Jahres gab es eine weitere Brandserie in Sindelfingen. Bei der Polizei ging in diesem Zusammenhang ein Hinweis vom Nachbarn des Angeklagten ein. „Er hat sich sehr komisch verhalten, als wir über die Brände sprachen, er hat gelacht“, so der Zeuge, der zudem beim Angeklagten eine brennbare Flüssigkeit in einer Flasche gesehen hatte. „Diese Flasche war später leer“, sagte der Zeuge in seiner Vernehmung bei der Polizei. Die Beamten entschlossen sich beim 22-Jährigen am 23. September eine Wohnungsdurchsuchung durchzuführen.

Dabei entdeckten die Polizisten jenen Tankdeckel, der zu dem abgebrannten Imbisswagen gehörte. Zudem fanden sich auf dem Mobiltelefon des Angeklagten Bilder von der angekokelten Wand des griechischen Kulturvereins. „Wir haben den Angeklagten vernommen, er hat sich in Widersprüche verwickelt. Wir haben ihn dann vorläufig festgenommen“, sagte der Polizist, der als Sachbearbeiter den Fall betreute. An den Schnürsenkeln gab es eine DNA-Spur, die dem Angeklagten zuzuordnen war. Seit dem 24. September sitzt er in Untersuchungshaft. Mit den Taten des 16. September wird der Angeklagte nicht mehr in Verbindung gebracht, das Verfahren gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft eingestellt.

Der Staatsanwalt beantragte in der Verhandlung vor dem Böblinger Amtsgericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Der Verteidiger plädierte ebenfalls auf eine Bewährungsstrafe. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu der Haftstrafe von zwei Jahren, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Als Bewährungsauflage muss der 22-Jährige 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten, der Haftbefehl wurde aufgehoben.

So sah das Fahrerhaus des Imbisswagens am Sindelfinger Bahnhof nach der Brandstiftung am 24. August aus. Bild: Steiner