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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 13.03.2018

„Ich brauchte das Geld nicht“

Böblingen: Angeklagte veruntreut beim Zweckverband 25 500 Euro

In 15 Fällen, so die Anklage der Staatsanwaltschaft, hat eine Stuttgarterin Geld vom Böblinger Zweckverband Restmüll-Heizkraftwerk veruntreut und auf verschiedene eigene Konten transferiert. Die 35-Jährige saß an der Quelle, sie arbeitete in der Buchhaltung.

Dieser Fall bietet einige Besonderheiten: Es war in der Hauptverhandlung am Böblinger Amtsgericht und auch bei den polizeilichen Ermittlungen nicht herauszufinden, warum die Angeklagte 25 500 Euro veruntreut hat. „Ich kann es mir selbst nicht erklären. Ich hatte keine finanziellen Probleme, es standen keine Anschaffungen an. Ich brauchte das Geld auch nicht für meinen Lebensstil“, sagte die Angeklagte.

Die 35-Jährige arbeitete mehrere Jahre beim Zweckverband in der Buchhaltung. Sie war unter anderem dafür zuständig, dass die Rechnungen etlicher Firmen an den Zweckverband von diesem beglichen wurden. Die Angeklagte gab als Zahlungsempfänger den Namen einer Firma an, mit der der Zweckverband seit Jahren zusammenarbeitet. Sie fügte allerdings nicht dessen Kontonummer, sondern die Nummer eines ihrer Konten ein.

Der Fall kam ins Rollen, nachdem eine Firma monierte, eine Rechnung sei von dem Zweckverband nicht bezahlt worden. Ironie der Geschichte: Es handelte sich um den mit Abstand geringsten Betrag, den die Angeklagte sich selbst überwies, um 127 Euro.

Eine weitere Merkwürdigkeit: Die 35-Jährige hat noch im Laufe der Ermittlungen, kaum dass sie aufgeflogen war, den gesamten Schaden bezahlt. „Das habe ich so in über 30 Jahren auch noch nicht erlebt“, sagte der Kommissar.

Der Umstand, dass der Schaden auf Euro und Cent behoben ist, wirkte sich strafmildernd für die Angeklagte aus. Das Amtsgericht Böblingen hat die Angeklagte wegen Untreue in einem besonders schweren Fall, es ging letztlich von 13 Taten aus, zu der Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt, die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre.

„Es ist nicht klar, was Sie da geritten hat. Sie haben sich viel kaputt gemacht“, sagte Richter Kömpf. Die letztlich wohl härtere Strafe bekommt die Angeklagte im Alltag zu spüren: Sie ist derzeit arbeitssuchend, mit ihrem Arbeitszeugnis wird sie aber kaum eine Stelle bekommen. Etliche Bewerbungen endeten in einer Absage.