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Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Bilaniuk · 10.02.2018

„Ich bin am Ende meiner Kräfte“

Sindelfingen: Im Hinterweil sorgt ein verwilderter Garten beim Nachbarn seit Jahren für Ärger

Wenn Wolfram Noack an den nahenden Frühling denkt, beschleicht ihn ein mulmiges Gefühl. Dann fliegen aus dem im unbewohnten Nachbargrundstück vor sich hin wuchernden Garten wieder die Unkrautsamen über seine Hecke. „Wir haben damit seit Jahren Arbeit. So kann es nicht weitergehen“, sagt der 85-Jährige, der der SZ/BZ über das Lesertelefon von seinem Problem erzählte.

Der Garten von Wolfram Noack in der Batschkaer Straße 10 im Sindelfinger Hinterweil ist gepflegt. Trotz der leichten Schneedecke erkennt man, dass in Rasen, Beet und Bäumchen viele Arbeitsstunden investiert wurden. „Gartenarbeit kostet Zeit, macht aber Spaß. Wenn es dann ordentlich aussieht, freut man sich darüber“, sagt der 85-jährige Rentner.

Nach Ordentlichkeit sucht er im Garten auf dem unbewohnten Grundstück nebenan schon lange vergebens. „Seit der Besitzer vor rund drei Jahren ausgezogen ist, wildert der Garten vor sich hin. Seit damals ist hier überhaupt nichts mehr gemacht worden“, sagt Wolfram Noack und man merkt, wie sehr ihn das beschäftigt.

Vor allem im Frühling, wenn der Wind die Samen vom nebenan wuchernden Unkraut zu ihm in den Garten weht, stößt der Rentner immer wieder an seine körperlichen Grenzen. „Dann kommen wir kaum nach, das Unkraut rauszureißen. Da bin ich immer wieder am Ende meiner Kräfte. Wir haben auch schon versucht, mit bestem Dünger etwas anderes anzupflanzen. Leider ohne Erfolg. Mittlerweile haben wir neben den vielen Arbeitsstunden auch schon ein kleines Vermögen investiert. So kann es nicht weitergehen“, sagt Wolfram Noack, dessen Haus 1974 das erste im gesamten Hinterweil war.

Weil seine Frau nach diversen Operationen im Rollstuhl sitzt und ihn nicht mehr unterstützen kann, bleibt das Unkrautjäten meist an dem 85-Jährigen hängen. Seines Wissens nach gehört das Nebengrundstück nach wie vor dem vor drei Jahren vermutlich nach Leonberg-Warmbronn gezogenen Nachbarn. Mittlerweile war Wolfram Noack mit seinem Problem auch schon bei der Sindelfinger Stadtverwaltung. „Aber weil das ein Privatgrundstück ist, können die nichts machen“, sagt er.

Jetzt hoffen er und seine Frau darauf, dass der ehemalige Nachbar eventuell aus der Zeitung von ihren Sorgen und Nöten erfährt und sich des Garten-Problems annimmt. „Das wäre für uns eine wunderschöne Sache. Man muss hier doch irgendwie zueinanderfinden können“, hofft Wolfram Noack. Eine gerichtliche Auseinandersetzung kommt für ihn nicht infrage. „Da gibt es am Ende des Tages doch nur Verlierer“, sagt er in dem festen Glauben an eine gütliche Einigung.

Im verwilderten Garten an der Batschkaer Straße wachsen die Büsche in alle Richtungen, das Unkraut blüht. Für Wolfram Noack kann es so nicht weitergehen. Bild: Bilaniuk