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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 08.12.2017

„Ich bewerbe mich nicht als Casanova“

Magstadt: Offizielle Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl mit sieben von neun Bewerbern in der proppenvollen Festhalle und in der gut gefüllten Sporthalle

Rund 1000 Magstadter kamen am Mittwochabend zur offiziellen Bürgermeisterkandidaten-Vorstellung. 700 davon fanden in der Festhalle Platz. Weitere 300 waren indirekt dabei: per Video-Übertragung in der Sporthalle. Von den neun Bewerbern für die Wahl am 17. Dezember stellten sich sieben vor.

Die Chance, sich dem großen Publikum zu präsentieren, ergriffen Margit Holzwarth, Andrea Garschke, Anne-Susan Nakonz (alle Magstadt), Florian Glock (Höhr-Grenzhausen), Andreas Kindler (Renningen, Steffen Koch und Christian Badocha (die sich beide als Magstadter fühlen, aber in Weil der Stadt wohnen). Abgesagt hatten Friedhild Miller (Sindelfingen) und Boris Hellmuth (Gärtringen).

Margit Holzwarth betonte, dass sie den Bürgermeisterposten nicht als Sprungbrett für eine berufliche Verbesserung betrachte und sich nur in Magstadt bewerbe. Sie sieht beim Wohnungsbau enormen Handlungsbedarf und will bei der Vergabe von Bauplätzen die Einheimischen bevorzugen. Sie schlug ein interkommunales Gewerbegebiet zusammen mit Maichingen vor, will die Osttangente aus Kostengründen nicht bauen und Hölzertal- sowie die Ihinger Straße offen lassen, Fördermittel für den Breitbandausbau besorgen und will einen Supermarkt und einen Drogeriemarkt lieber gegenüber dem S-Bahn-Haltepunkt ansiedeln als wie geplant im Magstadter Osten. Zur kränkelnden medizinischen Versorgung meinte sie, es sei immer eine Frage, in wie weit die Gemeinde bereit wäre, zu investieren.

Andrea Garschke zeichnete ein idyllisches Dorfbild von Magstadt und erklärte, das sei keine Utopie, denn der Gemeinderat arbeite daran seit 10 Jahren. Für den Wohnungsbau will sie weitere Flächen erschließen: „Das Gebiet Seele-Metzlesbach steht dafür zur Verfügung.“ Weiter forderte sie ein schnelles Internet für Magstadt sowie die rasche Umsetzung der Verkehrs- und Hochwasserschutzkonzepte. Als Bürgermeisterin wolle sie dafür sorgen, dass sich die Bürger verstanden fühlen und ihre Ideen nicht gleich blockiert würden. Darin unterscheide sie sich vom jetzigen Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich Merz.

Anne-Susan Nakonz will, wenn sie gewählt wird, den Vorsitz der Magstadter CDU abgeben. Die vierfache Mutter möchte die Kita-, Schul- und Seniorenbetreuung ausbauen, „mindestens ein Café“ in der Ortsmitte ansiedeln, die Sportstätten erweitern und Wohnraum schaffen. Zur Frage, ob sie die Osttangente bauen oder die Hölzertalstraße offen halten wolle, sagte sie, sie sei persönlich für die Hölzertalstraße, doch habe ein Bürgermeister im Gemeinderat schließlich nur eine Stimme. Die Kandidatin befindet sich momentan in Elternzeit. Dazu sagte sie: „Wenn ich gewählt werde, bleibt mein Mann zu Hause und wird anschließend seine Arbeitszeit reduzieren.“

Florian Glock steht nach eigenen Angaben kurz vor dem Abschluss seiner Doktorarbeit, die sich mit Bürgermeisterwahlen befasst. Er will seine Beziehungen nutzen, um die medizinische Versorgung im Ort zu verbessern. Eine Verbesserung der Verkehrssituation hält er aus inzwischen eigener Erfahrung für dringend geboten: „Letzten Freitag ist mir einer ins Auto reingefahren.“ Bei der Zusatzbemerkung „es war kein Renninger“, hatte er die Lacher auf seiner Seite. Ebenso, als er nach einer Frage dazu aus dem Publikum auf ein Gerücht einging. In Magstadt macht die Runde, er habe ein Verhältnis mit einer der Töchter des Bürgermeisters. Glock: „Da ist nichts dran. Ich kandidiere auch nicht für das Amt des Casanovas, sondern für das des Bürgermeisters.“ Als dieser möchte er die Natur und das Handwerk, die er als Magstadter Stärken identifiziert hat, fördern. Dies soll dann bis zum Wohnungsbau reichen, um mit mehr Einwohnern die Kaufkraft zu erhöhen.

Für Andreas Kindler ist Wirtschaftsförderung Chefsache. Als Wirtschaftsstandort „kann die Gemeinde wesentlich mehr“. Er findet, dass keine Straße in Magstadt geschlossen werden sollte, bevor nicht alle Straßen um den Ort herum gebaut sind. Da kam aus dem Publikum die Frage, wo er gewesen sei, als Renningen den Lückenschluss (B 464/295) verweigert habe, und wie er seinen jetzigen Meinungsumschwung erkläre. Seine Antwort: „Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’.“ Wo die Gehwege breit genug seien, meinte er, könne man fürs Parken die Bordsteine absenken, um den Verkehrsfluss im Ort zu verbessern.

Steffen Koch, der mit 23 Jahren sein Squash-Center in Magstadt eröffnete, später die Band Fool’s Garden managte und deren Song Lemon Tree mit zum Hit machte, sagte, er wolle die Bürger durch Argumente mitnehmen und nicht durch Vorschriften. Jugendhaus, Drogerie, Baugebiete, Internet und Arzt seien auch für ihn Themen. Wenn es jedoch nicht gelänge, den Ort zu verschönern, „wird sich hier kein Arzt niederlassen“. In Sachen Drogeriemarkt sei er bereits tätig geworden. DM wie Rossmann hätten ihm zugesichert, sich in Magstadt anzusiedeln, wenn er ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück anzubieten habe. Da auch Maichingen einen Drogeriemarkt brauche, schlug er einen Standort zwischen den beiden Orten vor. Manchmal seien bei einem Vorhaben guter Wille und Fantasie gefragt.

Christian Badocha, mit 30 Jahren der jüngste unter den neun Bewerbern, versprach, er werde, wenn er gewählt werde, für mindestens zwei Amtsperioden in Magstadt bleiben. Auch wenn er gebürtiger Magstadter und nur wegen der Wohnungsknappheit weggezogen sei, sei er niemandem verpflichtet. Er will neue Baugebiete ausweisen und sieht beim Thema Durchgangsverkehr noch Optimierungspotenzial. An ihn wurden – als einzigen Kandidaten – aus dem Publikum keine Fragen gestellt.

SZ/BZ-Redakteur Karlheinz Reichert beobachtet die Magstadter Kommunalpolitik seit Jahrzehnten und hat dort bisher die Bürgermeister Erich Bohlinger, Hans Benzinger und Dr. Hans-Ulrich Merz erlebt.

1000 der knapp 7000 wahlberechtigten Magstadter kamen am Mittwochabend zur Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl in die Festhalle und in die Sporthalle. Bilder: Reichert

Diese sieben Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 17. Dezember stellten sich am Mittwochabend vor (von links): Steffen Koch, Andreas Kindler, Florian Glock, Anne-Susan Nakonz, Andrea Garschke, Christian Badocha und Margit Holzwarth.

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