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Von unserer Mitarbeiterin Rebekka Schütz · 28.02.2017

Hundertmal „Ja“ zur großen Liebe

Sindelfingen: Beim Heiraten auf dem Standesamt läuft nicht immer alles glatt

Ramona Reichert (links) und Standesbeamtin Susanne Schano.

H

erzklopfen, Nervenflattern und die ganz großen Gefühle: Die Hochzeit ist das Fest der großen Liebe. Egal ob in trauter Zweisamkeit, im engsten Kreise der Familie oder mit allen Freunden und Bekannten – An dieses besondere Ereignis wird man sich lange erinnern. Man gibt sich gegenseitig ein Versprechen für den Rest des Lebens und sagt Ja zu der großen Liebe seines Lebens.

Wer sich entschließt in Sindelfingen zu heiraten, den wird sein Weg früher oder später in das Standesamt im Rathaus führen. Das vierköpfige Team um Lutz Lemke sorgt dafür, dass die Formalitäten reibungslos ablaufen und das Brautpaar und seine Gäste einen schönen Tag erleben.

Rund 150 bis 200 Trauungen im Jahr werden von den Sindelfinger Standesbeamten durchgeführt. Die meisten heiraten während den begehrten Monaten Mai und Juni. Aber auch der Dezember ist auf dem Standesamt der Heiratsmonat schlechthin für Kurzentschlossene – immerhin warten auf das Brautpaar neben dem Bund fürs Leben auch einige Steuervergünstigungen.

Die 28-jährige Ramona Reichert ist auf dem Standesamt für die Anmeldungen der Eheschließungen zuständig. Sie hat den ersten Kontakt zu dem Brautpaar, gibt Hilfestellung bei Fragen und legt mit dem Brautpaar den Hochzeitstermin fest. Nach der Anmeldung wird zunächst geprüft, ob der Hochzeit auch nichts im Wege steht, dann erhalten die Paare die Bestätigung ihres Termins.

Doch nicht immer läuft alles reibungslos und ohne Pannen ab. „Einmal kam ein Brautpaar mit seinen Gästen zu uns aufs Standesamt, um zu heiraten, dabei sollte an dem Tag nur die Anmeldung stattfinden“, erinnert sich Reichert. Damit das Paar trotzdem an diesem Tag heiraten konnte, wurden auf dem Standesamt alle Hebel in Bewegung gesetzt. „Zum Glück hat von den Formalitäten alles gepasst, und das Paar konnte tatsächlich nur eine halbe Stunde nach der Anmeldung bei uns heiraten“, so Reichert.

Geheiratet wird im Trauzimmer im Rathaus, in der Bauernstube im alten Rathaus, im Serenadenhof, in der Florianstube, im Sensapolis oder ganz neu auch in der Galerie in Sindelfingen. Die 54-jährige Standesbeamtin Susanne Schano findet das Ambiente der Bauernstube besonders schön für Trauungen. Seit 15 Jahren traut sie jedes Jahr rund 120 Paare. „Nein“ hat bei ihr noch niemand gesagt. „Das Schönste an meinem Beruf ist für mich die Leute glücklich zu sehen“, sagt Schano. „Einmal war eine Braut nach der Eheschließung so glücklich, dass sie mich umarmt und geküsst hat.“

Da viele Paare mittlerweile nur noch standesamtlich heiraten, seien viele Extrawünsche für die Eheschließung üblich, so Schano. „Manche Paare haben mir schon drei Seiten Text über sich geschickt, den ich in die Traurede einbauen sollte“, sagt Schano. Auch Live Musik oder Skype-Übertragungen ins Ausland seien immer mehr gefragt. „Ich schaue natürlich, dass ich die Wünsche des Brautpaares berücksichtige, nur Kosenamen wie ‚Mein Goldbärchen‘ baue ich nicht in die Traurede ein“, lacht Schano.

Ihre langjährige Erfahrung zeigt aber auch, dass während einer Trauung nicht immer alles glatt läuft und kein Brautpaar wie das andere ist. „Ich habe vom Trainingsanzug bis zum schicken Anzug schon alles gesehen“, so Schano. Auch vergessene Ringe, oder Hunde, die die Ringkissen einfach nicht nach vorne bringen wollen oder Sprachverlust durch Aufregung bei der entscheidenden Frage seien keine Seltenheit.

Da ist es gut, dass sich die Standesbeamtin durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und einen kühlen Kopf bewahrt. Wenn jedoch alle Gäste als Kühe verkleidet im Trauzimmer erscheinen, weil das Brautpaar Mitglied im Faschingsverein ist, und die Gäste schon unten im Rathaus durch das Läuten ihrer Kuhglocken zu hören sind, ist das auch für eine erfahrene Standesbeamtin etwas Neues. Doch so unterschiedlich die Paare und ihre Hochzeiten auch sind, eines haben sie alle gemeinsam: Sie haben ihre große Liebe – ihren Partner fürs Leben gefunden.