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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 03.07.2010

Hundert Mal Kunst im Silberglanz

Sindelfingen: Nach der Eröffnung des Schauwerks ist der erste Katalog zur Sammlung des Ehepaars Schaufler erschienen

"Wir

sind zufrieden mit dem Zuspruch des Publikums", sagt Sarah Wegenast, die Pressesprecherin des Museums für zeitgenössische Kunst auf dem Gelände der Firma Bitzer auf dem Sindelfinger Goldberg: "Es geht in der Startphase nicht um hohe Besucherzahlen, weil wir das Haus nur nach Anmeldung mit Führungen öffnen."

 

Mittlerweile ist der erste Katalog erschienen, der einen kleinen Ausschnitt aus der Sammlung des Stuttgarter Ehepaars Schaufler dokumentiert. Rund 70 Autoren stellen genau Hundert Arbeiten aus dem rund 3000 Werke umfassenden Fundus vor, den Christiane Schaufler-Münch und Bitzer-Chef Peter Schaufler (Bild: Stampe) seit 1979 erworben haben.

 

Die Autoren des Kunstbuches, das im Dumont-Verlag erschienen ist, entsprechen wie ein Spiegelbild der ersten Ausstellung, die Museumsleiterin Barbara Bergmann zur Eröffnung aufgebaut hat: Neben einer Runde überaus illustrer Namen der Kunstwelt haben auch weniger bekannte Sammler, Kunsthistoriker, Unternehmer oder Wissenschaftler über die Arbeiten geschrieben.

 

Sean Rainbird und Götz Adriani

 

Über den erst kürzlich verstorbenen Sigmar Polke schreibt zum Beispiel Sean Rainbird, der Chef der Stuttgarter Staatsgalerie. Götz Adriani, der frühere Chef der Tübinger Kunsthalle, der als einer der größten Kenner des französischen Impressionismus gilt, hat sich für den Schauwerk-Katalog die Frauengestalt "Paete, non dolet" von Anselm Kiefer vorgenommen.

 

In Sindelfingen bekannt geworden ist Renate Wiehager als Kuratorin der Kunstsammlung von Daimler-Chrysler, aus der sie drei Ausstellungen für die Galerie der Stadt Sindelfingen zusammengestellt hatte.

 

Wiehager und Tolnay

 

Die Kunsthistorikerin, die zwischen 1991 und 2000 die Villa Merkel in Esslingen leitete, beschreibt im Kunstbuch die Arbeit "Gold Cage" von Sylvie Fleury, die aber noch gar nicht im Schauwerk ausgestellt ist: Dafür ist die Schweizerin mit einem meterhohen Metall-Pendel auf dem Goldberg in Sindelfingen präsent.

 

Kooperation mit Galerie der Stadt

 

Vorgänger von Renate Wiehager in Esslingen war Alexander Tolnay, der vor allem als Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins von 1995 bis 2007 Stammgast in der Galerie der Stadt Sindelfingen war. Der Kunsthistoriker hatte zusammen mit Hausherr Otto Pannewitz vor allem Fotografie-Ausstellungen mit Künstlern aus Südafrika, Griechenland oder Ungarn kuratiert und Zeichen für die Kooperation der Daimler-Stadt mit Institutionen in ganz Deutschland gesetzt.

 

Alexander Tolnay kümmert sich im Katalog um Günther Uecker, einen der wichtigsten Vertreter der Zero-Gruppe, die mit ihren Arbeiten einen Schwerpunkt in der Sammlung Schaufler bildet. Das Objekt Stuhl aus dem Jahr 1963 ist zwar nicht in der ersten Schauwerk-Ausstellung zu sehen, steht aber für die Übernagelung von Gebrauchsgegenständen, mit denen Günther Uecker in allen großen Museen der Welt vertreten ist.

 

Ebenfalls nur einen kleinen Ausschnitt aus der Sammlung zeigen die Fotografien in der ehemaligen Produktionshalle für Kühlmaschinen in Sindelfingen. Peter Schaufler hat bei der Eröffnung bereits angekündigt, dass wahrscheinlich 2011 ein Erweiterungsbau fertig sein wird für die Bilder von Kamera-Künstlern.

 

Fotografie ist ein Schwerpunkt

 

Einen Vorgeschmack auf die Zukunft geben heute schon die Architekturaufnahmen des Kölners Karl Hugo Schmölz aus den 50er-Jahren, das monumentale "Ground Zero"-Bild des Filmregisseurs Wim Wenders oder aber das Porträt des französischen Models Laetitia Casta, das Bettina Rheims 2005 aufgenommen hatte.

 

Die Pariser Fotografin, Jahrgang 1952, gehört mit ihren inszenierten Bühnenbildern und dem untrüglichen Blick für Frauen zu den Großen ihres Fachs. Für Wirbel, wie ihn früher vielleicht Helmut Newton verursacht hat, sorgen ihre Ausstellungen wie "INRI", die im Sommer 2005 auf Schloss Hartenfels in der Sindelfinger Partnerstadt Torgau zu sehen war.

 

Die Sammlung Schaufler im Schauwerk Sindelfingen an der Eschenbrünnlestraße ist nur nach Voranmeldung mit Führung zu sehen. Termine für Führungen sind Dienstag und Donnerstag um 15 Uhr sowie Samstag und Sonntag um 10, 12, 14 und 16 Uhr. Wegen des WM-Viertelfinalspiels in Südafrika entfällt heute der Termin um 16 Uhr. Anmeldung unter der Telefonnummer 0 70 31 / 932 49 00.

 

Das französische Model Laetitia Casta, 2005 von Bettina Rheims fotografiert: Ein Beispiel für die Sammlung Schaufler im Schauwerk Sindelfingen. Bild: Kleinbach/z