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Von unserem Mitarbeiter Jochen Stumpf · 16.08.2014

Hundebesitzer haben Angst vor Giftköder

Kreis Böblingen: Polizei lässt Wurststückchen untersuchen / Entsprechende Gerüchte verbreiten sich über soziale Medien / Bei einem Verdacht schnell handeln

Ob mit Brot, Fleischwurst oder einer angeblich schleimigen Paste: Unter Hundebesitzern kursieren derzeit etliche Gerüchte um ausgelegte Giftköder. Doch die Polizei kennt bisher nur zwei angezeigte Fälle, bei denen es allerdings über den Verdacht einer Vergiftung nicht hinausgeht.

Gerüchte von ausliegenden Ködern – sei es in Bondorf oder in Gärtringen, wo inzwischen gar zwei Hunde gestorben sein sollen – hat Polizeisprecher Peter Widenhorn auch gehört. Allein: „Es sind Gerüchte. Wenn zwei Hunde wegen einer Vergiftung umkommen, bekommen wir das in der Regel mit.“

Zwei Frauen haben sich in Gärtringen inzwischen bei der Polizei gemeldet. In einem Fall habe eine Passantin ein kleines Wurststück und einen Knochen auf einer Wiesenfläche unterhalb des Gärtringer Rathauses gefunden. „Die Passantin hat die Stücke eingetütet und zur Polizei gebracht“, sagt Widenhorn. In der Nähe des Wertstoffhofs habe zudem eine Frau Mini-Frikadellen gefunden. „Aus Angst, ihr Hund habe eine davon gefressen, hat sie ihren Australian Shepherd zum Tierarzt gebracht und dort erbrechen lassen“, berichtet Widenhorn. Dem Hund gehe es gut. Auch hier seien Beweismittel gesichert und zur Polizei gebracht worden.

„Die Fundstücke wurden vom Revier nun an die Chemische Landesuntersuchungsanstalt nach Fellbach geschickt“, erklärt Peter Widenhorn. „Am Montag wird nun untersucht, ob sich in den Stücken Giftstoffe befinden.“

Notorischer Hundehass, Verärgerung über tierische Hinterlassenschaften oder Geltungssucht seien immer wieder Motive, die vergiftete Köder hervorbringen würden. „Man ist auf jeden Fall gut beraten, jeden Fund der Polizei zu melden, schon im Interesse der anderen Halter“, sagt Peter Widenhorn. „Wir nehmen jeden Fall ernst.“

Doch dieser Ernst fällt den Polizeibeamten aufgrund der vielen Gerüchte immer schwerer. „Über die sozialen Medien wie Facebook verbreiten sich die Gerüchte heute rasend schnell“, weiß Widenhorn. Doch er weiß auch, dass nur ein Bruchteil der eifrig verteilten Informationen tatsächlich in einer Anzeige mündet (siehe auch Standpunkt auf Seite 11). Zwei Verdachtsfälle kennt die Polizei aus dem Gebiet rund um Herrenberg.

Die Oberjesingerin Jennifer Wittig ist seit Jahren Hundebesitzerin und als Hundetrainerin aktiv. Momentan befindet sie sich in großer Angst um ihre beiden „Australier“: den Rüden Ayron, einen vierjährigen Cattle Dog, und Ace, eine zehn Monate alte Working Kelpie. Vor Kurzem lief sie unweit des Affstätter Hundesportplatzes in Richtung Nufringen mit den beiden Tieren spazieren, als Ace ein Stück Fleischwurst herbeibrachte – und wohl auch schon davon gegessen hatte. „Ich bin sofort mit ihr zum Tierarzt“, berichtet die Hundesportlerin. Ace wurde ein Brechmittel verabreicht.

Den Vorfall hat sie bei der Polizei aktenkundig gemacht. Das Erbrochene ist nun in deren Asservatenkammer sichergestellt, wie Polizeisprecher Peter Widenhorn erklärt. Weitere Schritte wurden indes nicht eingeleitet, da eine Suche zweier Polizisten nach weiteren Ködern ergebnislos blieb.

„Gerade hat jeder Angst und will nicht mehr spazieren gehen“, erzählt Jennifer Wittig von der Stimmung unter Hundefreunden. Angst verspürt auch der Oberjesinger Kevin Schumann. Am Sonntag ging er in Richtung Nufringen mit seiner sechs Monate alten Rottweilerin Zoe auf einem Feldweg. Der Ausflug endete in einer Neubulacher Tierklinik. Zoe hatte Brot gegessen, auch sie wurde zum Erbrechen gebracht. „Da lagen zwei verschiedene Brotsorten aus, teils mit einem schleimigen Zeug drauf“, sagt Schumann.

Die Polizei sicherte mit einer Streife Brotstücke, hat diese aber inzwischen entsorgt, wie Widenhorn berichtet: „Es gibt keine Hinweise auf eine Vergiftung.“ Die sieht die Tierklinik auch nicht, erklärt aber, dass ein Eingreifen bei einem Verdacht binnen zwei Stunden das Leben des Tiers rettet.

Auch wenn Hunde gerne Gassigehen, ihre Besitzer sind wegen möglicher Giftköder verunsichert. Bild: Javier Brosch/Fotolia