Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von Chefredakteur Jürgen Haar · 28.03.2015

Hörmann hatte den richtigen Riecher

Sindelfingen: Vor hundert Jahren baute man im Daimler-Werk Flugzeugmotoren, heute die Autos der Zukunft / Der Ministerpräsident fährt Mercedes-Benz

Die Daimler-Werkshupe ist wie ein Kommando. Sie bläst zum Schichtbeginn und machte auch gestern den über 700 Gästen beim Festakt zum 100-jährigen Jubiläum des Sindelfinger Mercedes-Werks Beine. Das prägnante Signal schickte die Daimler-Gäste in den großen Saal und jeder verstand, was Werkleiter Dr. Willi Reiss über die Hupe sagte: „Als einmal nicht gehupt wurde, sagten alle in Sindelfingen: Was ist los beim Daimler?“

* * *

Es waren nicht nur der Ministerpräsident, die Abgeordneten, die Oberbürgermeister, der Landrat, der Daimler-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Manfred Bischoff und viele andere aus Wirtschaft und Politik eingeladen, sondern vor allem auch Daimler-Mitarbeiter aus allen Bereichen des Standorts Sindelfingen. „Das passt zum Motto dieses Jubiläums: Menschen, die Zukunft schaffen“, sagte Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche. Mit dabei auch viele ehemalige Daimler-Vorstände, Werk- und Centerleiter. Wie Professor Jürgen Hubbert, Heiner Tropitzsch, Dr. Adolf-Heinz Fritz, Wolfgang Jacobi, Hans-Heinrich Weingarten, Dr. Eberhard Haller, Volker Stauch, Rüdiger Fürstenberger oder der ehemalige Chef-Designer Bruno Sacco.

* * *

Lange hat man den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter nicht mehr bei Daimler-Veranstaltungen gesehen, gestern war er dabei. Ebenso wie einer seiner Vorgänger, Prof. Dr. Werner Breitschwerdt.

* * *

Eine schöne Geste des Konzerns auch die Einladung an die Sindelfinger Bürgerstiftung. Mit dem neuen Vorsitzenden Dr. Joachim Schmidt an der Spitze war der Vorstand beim Mercedes-Werksjubiläum komplett vertreten.

* * *

100 Jahre Werk Sindelfingen – mit dem Kauf einer 38 Hektar großen Wiese am 6. Juli 1915 legte die damalige Daimler-Motorengesellschaft den Grundstein für eine beispiellose Entwicklung. Der damalige Sindelfinger Bürgermeister Wilhelm Hörmann hatte schon den richtigen Riecher, was sich da entwickeln könnte. Man habe die Wiese „an ein Unternehmen mit Weltgeltung“ verkauft, sagte Hörmann bei der Vertragsunterzeichnung.

Das Verhältnis zwischen „dem Daimler“ und der Stadt Sindelfingen war nicht immer stressfrei, aber bis heute sind „Stadt und Werk miteinander verbandelt“, so der Werkleiter, der seit einiger Zeit „Standortverantwortlicher“ heißt.

* * *

Was bringt die Zukunft? Darüber diskutierte Harald Kröger, Direktor aus dem Entwicklungsbereich, mit Vorstandsmitglied Professor Dr. Thomas Weber, Produktionsvorstand Markus Schäfer und dem Betriebsratsvorsitzenden Ergun Lümali. Der Tenor: In den kommenden 100 Jahren will man in Sindelfingen genauso erfolgreich sein wie in den letzten.

* * *

Wilhelm, so heißt der Daimler-Mitarbeiter, der 1915 als einer der Ersten mit von der Partie und dann 33 Jahre „beim Daimler“ war. Er erzählte beim Festakt die Geschichte von der Flugmotorenproduktion bis zum Design von heute. Den Kastenmacher von damals gibt es nicht mehr, dafür den Mitarbeiter am Band, der kaum noch schraubt und dafür einen Roboter bedient.

Früher, da war das Daimler-Werk ein Holzbearbeitungsbetrieb, der auch Schlafzimmermöbel herstellte. Heute baut man aus Stahl und Aluminium Autos, die auch ohne Fahrer ans Ziel kommen. Autonomes Fahren ist die Zukunft, die aus Sindelfingen kommt.

Das Finale beim Festakt: Der Daimler-Vorstand und Mitarbeiter aus dem Werk stimmen auf die Zukunft ein.

Werkleiter Dr. Willi Reiss mit dem ehemaligen Daimler-Chef Edzard Reuter.

Der Ministerpräsident fährt Mercedes: Winfried Kretschmann (rechts) mit Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche (links) und Prof. Dr. Thomas Weber, dem Daimler-Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung. Bilder: Stampe