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Von unserem Redakteur Jürgen Wegner · 20.01.2017

Hoch hinaus unter dem Hallendach

Freizeitsport: Im März ist Spatenstich für die Kletterhalle am Böblinger Silberweg / Im „Roccadion“ soll es ab Februar 2018 insgesamt 3000 Quadratmeter Kletterfläche geben

Bis zu 17 Meter geht es hoch und das an 80 Seilen auf 300 Routen. Direkt daneben wartet der Boulder-Bereich, wo Kletterfreunde nah am Boden bleiben. Insgesamt sind es 3000 Quadratmeter Kletterfläche, die in Blickweite des Paladion in Böblingen entstehen. Spatenstich für das Roccadion ist im März.

Damit bekommt Böblingen seine Kletterhalle, die schon vor Jahren im Spiel war und dann doch nicht gebaut wurde. Die Initiative des Alpenvereins scheiterte damals. Nachdem die politischen Gremien die Ideen der begeisterten Kletterer Georg Humburg und Florian Schüle jetzt abgesegnet hatten (die SZ/BZ berichtete), biegt das Projekt auf die Zielgerade ein. Schon im März soll der Spatenstich erfolgen und im Februar 2018 die Halle öffnen.

Am Donnerstagmorgen traf sich die Runde aus Stadtverwaltung, Investoren und Verein erneut zur Abstimmungsrunde für das Vier-Millionen-Euro-Projekt im Rathaus. Die Chemie scheint zu stimmen, sagen sowohl SVB-Sportmanager Harald Link als auch Georg Humburg, der das Projekt zusammen mit seinem Partner Florian Schüle angeht. Der studierte Sportökonom sagt: „Die Nähe zum Verein fängt schon beim Namen an. Neben dem Paladion bauen wir das Roccadion.“

Die Partner feilen derzeit unter anderem an Kooperationsvereinbarungen. Ideen gibt es einige. Zum Beispiel, dass sich SVB und privater Investor gegenseitig stützen und nicht das Wasser abgraben wollen. Harald Link: „Wir wollen kurze Wege haben. Das geht dabei los, dass man beim einen auch die Angebote des anderen buchen kann und nicht lange überlegen muss, ob man jetzt bei der SVB, in der Bewegungslandschaft oder im Roccadion anrufen muss, wenn man einfach nur klettern will.“ Außerdem sollen die Angebote so aufgefächert sein, „dass wir die Abteilung Bergsport nicht wegen des Roccadion dichtmachen müssen“, sagt Harald Link. Das Gegenteil sei der Fall, verspricht Georg Humburg: „Der Bergsport kann bei uns Jugendtraining anbieten“, sagt der 40-Jährige.

Sowieso schätzt er die Arbeit des Alpenvereins, wobei die Sektion Böblingen für seine Idee nicht nur offen, sondern auch Vermittler war. Als 2010 mit der Münchener Boulderwelt ein wahrer Boulder-Boom ausbrach, startete er gemeinsam mit seinem Partner Florian Schüle einen ersten Anlauf in Stuttgart. Die Konzepte ließen sich damals aber nicht umsetzen. Die zweite Adresse war jetzt das Flugfeld, doch der Zweckverband hatte hierfür andere Ideen. Über den Alpenverein kam dann der Kontakt mit Böblingens Sportamtsleiter Josef Fischer zustande – und der Ball ins Rollen.

Für die Investoren ist der jetzige Standpunkt mit seinen Anbindungen an ÖPNV und Straße „einfach perfekt“, sagt Georg Humburg, der auch von den anderen Angeboten in unmittelbarer Umgebung begeistert ist. Sportmanager Harald Link macht dafür Werbung: „Ich hatte vor Kurzem Besuch aus Bochum. Als ich gesehen habe, wie angetan sie waren, ist mir mal wieder aufgefallen, was wir hier alles um die Ecke haben. Thermalbad, Freibad, Paladion, Freiplätze, Stadion, Bewegungslandschaft, Tischtennishalle – alles ist über kurze Fußwege schnell zu erreichen.“

Die Kletterei ist bei den Investoren eine Herzensangelegenheit. Kennengelernt haben sich die beiden in den Seilen, den heißen Draht pflegen sie, seitdem sie für dieselbe Firma arbeiten. Für den Fräsmaschinen-Spezialisten VHF in Ammerbuch-Altingen arbeitet der 39-jährige Florian Schüle als freier Ingenieur und Georg Humburg als Vertriebler. Beiden kennen und schätzen den Wert des Sports im Allgemeinen und vor allem der Kletterei.

Bei Georg Humburg ging das im Teenageralter los – zu einer Zeit, in der von Kletterhallen und Bouldern unterm Dach noch keine Rede war. „Mit 16, 17 Jahren sind wir von Kirchheim/Teck auf die Alb zum Mountainbiken, starteten unsere ersten Kletterpartien noch in Radschuhen und diskutierten, wie man sich am besten sichern kann.“ Selbst seinen Studienort Bayreuth habe er deshalb gewählt, weil man in der Umgebung so gut klettern kann. Zwischen Sportpraxis und Theorie und den trockenen Einheiten der Betriebswirtschaft blieb immer ausreichend Gelegenheit für sportliche Seilschaften. „In all den Jahren aber immer mit kühlem Kopf. Auf Sicherheit haben wir immer großen Wert gelegt.“

So soll es auch im Roccadion sein, wo die Sportler professionell gesichert sind und – falls es überhaupt so weit kommen sollte – dann doch auf dem weichen Mattenboden landen. Die Vorschriften seien „alle übererfüllt“, sagt Georg Humburg, dem am Rande noch eine Anekdote einfällt. Seine Eltern seien begeisterte Tennisspieler gewesen und hätten dagegen mit seiner Kletterei damals überhaupt nichts anfangen können. Verständnis, Rückendeckung oder gar finanzielle Unterstützung – Fehlanzeige. „Sie sagten immer: Spiel doch Tennis“, erinnert er sich, und deshalb sei eines besonders süß: „Dass wir jetzt auf ehemaligen Tennisplätzen bauen, bringt eine besondere Note.“

Besondere Routen sollen die Kletterer am Silberweg immer wieder neu entdecken. Die Griffe sollen regelmäßig umgeschraubt werden. Insgesamt sollen etwa zehn Mitarbeiter an allen Wochentagen in der Halle und im Bistro arbeiten.

Info

Weitere Informationen im Internet auf www.roccadion.de,, unter anderem auch mit einem Imagefilm zum Klettern auf der Schwäbischen Alb. Demnächst gibt es auch eine Facebookseite