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Von unserer Mitarbeiterin Annette Nüßle · 16.05.2018

Hauptsache, es spritzt richtig

Splashdiving: Die Sindelfinger Splashdiving Crew bereitet sich auf die WM im eigenen Bad vor / Die besten Sprünge gelingen vom 10-Meter-Turm

  • Rückwärts mit einem Salto geht es aus 7,5 Metern in die Tiefe. Bilder: Nüßle

  • Jung, dynamisch und heiß auf den Adrenalinkick beim Sprung in die Tiefe: Die Sindelfinger Splashdiving Crew mit ihrem Trainer Christian Carli (ganz rechts) trainiert am liebsten im Sindelfinger Freibad.

Es weht ein mäßiger Wind und noch sind wenige Badegäste im Sindelfinger Freibad anzutreffen. Nur an der Sprunganlage ist jede Menge los. Die Splashdiver aus Sindelfingen genießen es, dass sie endlich wieder draußen trainieren können.

„Schade, dass die Trainingsbedingungen heute nicht so ganz optimal sind“, sagt Trainer Christian Carli und blickt zu der Gruppe hoch oben auf dem 10-Meter-Turm.

Trotzdem ist die ganze Gruppe heilfroh, dass die Hallensaison vorbei ist. „Im Freien springen ist einfach schöner, wenn auch anspruchsvoller“, sagt er und ergänzt: „Die Wintersaison war auch nicht ganz optimal, da die Sprunganlage im Badezentrum ja für zehn Wochen gesperrt war. Freizeitmäßig sind die Jungs und Mädels zwar nach Kornwestheim und Böblingen ausgewichen, aber ein offizielles Training gab es in dieser Zeit nicht.

13 verschiedene Landungen

„Man verliert das Gefühl für den Sprung“, sagt einer aus der Gruppe im Vorbeigehen und steht gleich wieder hoch oben auf dem 7,5-Meter-Brett. Hinunter geht es mit einem sogenannten „Board“. Hierbei gilt es, möglichst L-förmig auf dem Wasser aufzukommen. Es gibt 13 verschiedene Landungen, von denen die Gruppe in aller Regel sieben Formen verwendet. Eins ist allen gemein im Gegensatz zum traditionellen Turmspringen: Es soll am Ende richtig schön spritzen.

Damit es nicht allzu sehr schmerzt, wenn man mit dem Gesäß im Wasser landet, tragen die Sportler alle Neoprenanzüge und darüber aber farbenfrohe Badehosen. Bei einem Wettkampf sind diese allerdings nicht erlaubt, maximal eine Neoprenhose darf hier unter der Badeshort für ein kleines Polster sorgen.

Auch die Sindelfinger Chris Schuster, 13 Jahre und Emanuel Schlimm, ebenfalls 13 Jahre, sind kaum zu bremsen. Die beiden sind seit einem Jahr dabei und bringen es an diesem Trainingssamstag locker auf 20 Sprünge aus unterschiedlicher Höhe. „Mein Lieblingssprung ist der Barani“, sagt Chris und erläutert, dass nach einem Vorwärtssalto eine halbe Drehung erfolgen muss. „Für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft sollte man schon einen doppelten Salto beherrschen.“ Emanuel Schlimm bevorzugt den Rückwärtssalto und sagt: „Wir wollten einfach was Neues ausprobieren und filmen uns manchmal auch gegenseitig dabei. Es macht einfach Spaß, und wer will schon Bahnen schwimmen, wenn er vom Brett springen kann.“

Mit von der Partie ist der Stuttgarter Stephan Schneider. „Ich hab vor 18 Jahren mit dem Splash Diving angefangen und ich muss sagen, es lässt einen nicht mehr los.“ Auf die Frage, was denn für ihn das Besondere daran ist, erzählt er, dass die Mischung aus Angst vor der Höhe, dem Fall und dem anschließenden Erfolg, richtig ins Wasser einzutauchen, das ist, was ihn so fasziniert. „Die Kombination von Adrenalin und Endorphinen ist einfach unbeschreiblich“, sagt er und ist schon wieder auf dem Weg zum nächsten Sprung.

Um einen Sprung vom 1-Meter- oder vom 3-Meter-Brett gut ausführen zu können, muss man möglichst dreimal auf der Stelle springen. „Durch die Federkraft gewinnt man Höhe und somit Zeit für einen guten Sprung“, sagt der Trainer und gibt Tipps für den richtigen Absprung.

Am Samstag, 21. und am Sonntag, 22. Juli, dreht es sich im Freibad Sindelfingen beim World Championship Splashdiving wieder um den weltbesten „Arschbomber“. Bereits im vierten Jahr kommen die Anhänger des Fun-Sports, um ihren ganz persönlichen Weltmeister zu ermitteln. Dabei zählen sowohl der Absprung, die Landung und natürlich auch die entstehende Wasserfontäne.

Die Sindelfinger sind natürlich auch mit von der Partie und werden neben eigenen Startern die Organisatoren unterstützen.

„Es kann sich jeder anmelden“, sagt Carli, ganz gleich, wie viel Erfahrung er mitbringt. Der Qualifikationssprung legt dann fest, ob jemand weiterkommt. Von fünf, zehn Metern und für die ganz Mutigen von zehn Metern plus, dem sogenannten High-Diving, geht es in die Tiefe.

Für die Zuschauer ist jede Menge Action geboten, wenn Teilnehmer aus der Schweiz, Italien, Dänemark oder Österreich auf den Sprungturm steigen. „Wir freuen uns ganz besonders, dass auch die Teilnehmer aus Finnland wieder dabei sind. Die Showgruppe sorgt für eine tolle Abwechslung und ist auch die einzige Gruppe, bei der mehrere Springer auf einmal ins kühle Nass springen dürfen.“ Eine ganz besondere Aktion ist der diesjährige Weltrekordversuch, zeitgleich die meisten Arschbomben vom Beckenrand aus ins Wasser zu setzen. „Wir müssen 250 Teilnehmer sein und da zählen wir natürlich auch auf die Zuschauer“, sagt Carli. Rund ums Sprungbecken und um das Schwimmerbecken geht es zeitgleich ins Wasser. „Und wenn da nicht alle Platz haben, dann nehmen wir das Nichtschwimmerbecken mit dazu.“

Info

Die Sportart Splashdiving umfasst alle Sprünge, bei denen man zuerst mit dem Gesäß das Wasser berührt. Unter dem hawaiianischen Namen „Lele Pahu“ (deutsch: Trommel tauchen) wurde dieser Sport bereits um 1700 in Hawaii betrieben. Jeder Sprung besteht aus drei Phasen: dem Abspringen („Jump up“), dem freien Fall mit den entsprechenden Drehungen, Salti etc. („Move“) und dem alles entscheidenden Aufkommen auf der Wasseroberfläche („Splash Down“). Nähere Informationen zu der Splashdiving Crew Sindelfingen sind unter www.splashdiving-sindelfingen.de zu finden.

Den Aufstieg und Blick vom 10-Meter-Turm wagte unsere Mitarbeiterin Annette Nüßle an diesem Tag nur fürs Foto. Sie selbst würde maximal von drei Metern Höhe springen.