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02.03.2017

Handeln ist gefragt

zu: SZ/BZ-Serie Wohnungsnot

Warum wird es in den letzten Jahren für immer mehr Bürger immer schwerer Wohnraum zu erschwinglichen Mietpreisen zu finden? Das „Dach über dem Kopf“ kann nicht allein Sache des Marktes sein, sondern ist ein Thema der Daseinsvorsorge, wie Nahrung und Wasser. Vor allem Auszubildende, Studenten, auch Berufsanfänger, schwerpunktmäßig die wachsende Gruppe der Alleinerziehenden, Personen im Arbeitslosengeld-2-Bezug, oder Senioren mit schmaler Rente leiden unter steigenden Mieten. Unsere Gesellschaftspolitik, vorrangig die Vermögens-Verhältnisse der Bürger, Sozialpolitik und städtebauliche Entwicklungen liefern Gründe.

Nicht außer Acht bleiben können der Wandel unserer familiären Strukturen und legitime Ansprüche der Menschen. Der Pro-Kopf-Bedarf an Wohnfläche und die Entscheidung für individuelle Lebensformen, nicht zuletzt die Scheidungsraten, bedingen einen höheren Wohnraum-Bedarf. Dies gilt auch beim Zuzug von Menschen aus Kriegsgebieten, die hier ein Bleiberecht haben.

Eine florierende Wirtschaft einerseits und mangelndes Vertrauen in unsere Währung andererseits heizen die Nachfrage nach Immobilien an, die damit auch zu überdurchschnittlich steigenden Baukosten führen. Nach der Finanzkrise 2008 hat sich die „Flucht“ in Sachwerte deutlich gesteigert, die Auswirkungen auf die Mietpreise folgten. Lokale Gründe sind das hohe Angebot an Arbeitsplätzen, die daraus erwachsende Bevölkerungszunahme im Landkreis und in der Region.

Leerstände in Gebäuden und Wohnungen scheinen nicht das ausschlaggebende Problem. Man kommt nicht daran vorbei, beim Wohnungsmarkt pauschal ein Missverhältnis von Angebot und Nachfrage zu konstatieren.

Was nützen uns ebenso pauschale Forderungen der Politik: „Bezahlbarer Wohnraum müsse geschaffen werden“? Handeln ist gefragt. Städtebauliche Programme müssen Antworten geben. Wie kann Bauland vorrangig für sozialen Wohnungsbau verfügbar gemacht werden? Wie kann Bauland angesichts des verfassten Eigentumsschutzes (Artikel 14 (2) GG) zu vertretbaren Kosten erschlossen werden? Baulanderweiterungen in unserem Raum, Flächen-Ausweitungen über die „Ränder“ unserer Siedlungsräume hinaus wird alleine nicht reichen. Verdichtung und Gebäudehöhen müssen städtebaulich überdacht und diskutiert werden. Trotzdem bleibt die Bereitstellung von Wohnbauflächen durch die Kommunen ein Thema; für die Stadt- und Raumplanung müssen Strukturen erarbeitet werden. So müssen bei sozial geförderten Wohnobjekten in der Hand kommunaler Baugesellschaften die Mieten auf ortsübliche Beträge angemessen angepasst werden können, wenn das Einkommen bei Mietern mit Wohnberechtigungsschein über die Bemessungsgrenze steigt. In der so bezeichneten Fehlbelegungsabgabe sehen wir eher politischen Symbolcharakter als eine wirksame Lösung der Probleme.

Fritz Walker, Walter Wedl, Dr. Werner Thomas, Harald Sterzinger, Gertraude Gampper, Walter Bloching, Hans Ambros

Offener Treff Wirtschafts-Ethik der Katholischen Betriebsseelsorge, Böblingen