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16.03.2019

Gutsherrliche Besserwisserei

Von Hansjörg Jung

Schülerproteste: Man kann es den Leuten nicht recht machen – und vielen Politikern schon gar nicht. Seit Jahren wird über die, ach so unpolitische Jugend geklagt, die zwischen Internet, Shopping-Mall und Karrieredenken in ihrem Ego versinkt. Und jetzt: Da eine breite Masse an Schülern ihrem Unmut über die weltweite Klimapolitik Luft macht, ist es auch nichts.

Mehr noch als die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Anliegen tritt der so einfalls- wie hilflose Ordnungsruf in den Vordergrund: Man schwänzt nicht. Schlimmer noch: Der Rückzug in die Deckung des Formellen erspart nicht nur den Fragenden geeignete Antworten zu geben, er ist bestens dazu geeignet, das Tun der anderen zu diskreditieren. Als ob diese Proteste genau dasselbe Echo erfahren würden, wenn sie außerhalb der Schulzeit laut würden.

Wenig hilfreich sind darüber hinaus solche Einwürfe wie beispielsweise von FDP-Chef Christian Lindner – der als Schüler selbst vielleicht an vielem, aber nicht an mangelndem Selbstbewusstsein litt. Das Erkennen des technisch Sinnvollen, ökonomisch Machbaren und nicht zuletzt globaler Zusammenhänge sei eine Sache von Profis, sagt er – und nicht die der Schüler. Solche Art von gutsherrlicher Besserwisserei ist ein Musterbeispiel dafür, den Verdruss über Politik und Politiker zu fördern. Zumal eben diese Politiker im Einzelfalle selbst nicht auf die Profis hören – wie sich unschwer am Dilemma um den Klimawandel ablesen lässt.

Politiker müssen und sollen die Schülerproteste auch nicht umarmen und sie für sich vereinnahmen. Zuhören und ernstnehmen – das reicht schon.

hansjoerg.jung@szbz.de