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Von unserem Redaktionsmitglied Rebekka Groß · 09.06.2018

Grünes Mofa und bimmelndes Daimlerzügle

Maichingen: Sechste Ausgabe des Geschichten-Stammtischs mit Erzählungen und Filmen aus den 30er, 50er und 70er Jahren / Voll besetzter Saal mit rund 80 Gästen

SZ/BZ-Redakteur Tim Schweiker, Maichingens Ortsvorsteher Wolfgang Stierle und Karlheinz Arnau (von links) gestalteten den Geschichten-Stammtisch im voll besetzten Seniorentreff des Bürgerhauses. Bild: Groß

Geschichten, Filme und Anekdoten: Bei der sechsten Auflage des Maichinger Geschichten-Stammtischs nahmen Ortsvorsteher Wolfgang Stierle, Ortskenner Karlheinz Arnau und SZ/BZ-Redakteur Tim Schweiker ihre Gäste auf eine bunte Reise in Maichingens Vergangenheit.

Die Stühle des Seniorentreffs im Maichinger Bürgerhaus sind voll besetzt. Rund 80 Menschen sind gekommen, um Geschichten, Anekdoten und alte Solo-Filme aus Maichingens Vergangenheit zu erleben. Für den Geschichten-Stammtisch, der im Herbst 2014 ins Leben gerufen wurde und nun zum sechsten Mal stattfindet, hat Karlheinz Arnau, 87, einen Auszug aus der Sammlung seines 1999 verstorbenen Jahrgangskollegen Gottlob Klauss dabei.

Die dort festgehaltene Erzählung vom Maichinger Eugen Lust (1922 bis 1999) befasst sich mit dem Örtchen zu dessen Jugendzeit von 1936 bis 1938. Eugen Lust gibt einen Einblick in die Zeit, als der Teilort noch ein kleines bäuerliches, ruhiges Dorf mit knapp über 1000 Einwohnern war. Autos fuhren dort und auf der ungeteerten Straße nach Sindelfingen keine, dafür „blökten die Kühe“ auf der Viehweide und das Daimlerzügle, das die Arbeiter nach Sindelfingen ins Werk brachte, bimmelte.

Die mit Anekdoten gespickte Erzählung sorgt für Lacher oder wissendes Nicken im Publikum. Etwa, wenn freche Burschen einem Bauern in der Nacht zum ersten Mai seinen Mistwagen auf den Boden der Scheuer hieven oder mit ihren Hinterteilen so stark an die alten Hauswände pochen, dass diese zu beben beginnen. Nicht Bier oder Wein, sondern „dr Moscht“ ist das gängige Getränk. Damit ihm der heiß geliebte Trunk im Fass nicht ausgeht, schüttet ein besonders schlauer Maichinger vor jeder Entnahme einen Krug Wasser oben in sein Fass.

In den 90er Jahren schreibt der Autor: „Das Daimlerzügle bimmelt nicht mehr, heute fährt jeder Arbeiter mit seinem eigenen Mercedes ins Geschäft.“ Aus dem Örtchen ist da schon ein wachsender Ort mit fast 10 000 Einwohnern geworden. 2018 sind über 13 000 Menschen hier zu Hause.

Nostalgie kommt auch bei den von SZ/BZ-Redakteur Tim Schweiker gezeigten Solo-Werbefilmen auf. Maichingens Feuerwehrkommandant Sascha Luft hat diese im Archiv der Maichinger Firma gefunden, für deren Marketing er als Werbeprofi sorgt. Ein knapp 14-minütiger Werbefilm aus den 70er Jahren – von Firmengründer Heinz Emmerich selbst im heimischen Obertürkheim produziert – zeigt das „blaue Wunder“: ein motorisiertes Hackwerkzeug, zur Arbeitserleichterung im Weinberg. Auch als Fahrzeug lässt es sich umfunktionieren.

„Bald ist er 15, dann ist er auch dabei. Natürlich mit einem Solo Mofa“, lautet der Slogan des zweiten Kurzfilms, der vor dem Maichinger Rathaus in den 50er Jahren gedreht wurde. Ein grünes Mofa, das im Film zu sehen ist, weckt bei Maichingens Ortsvorsteher Wolfgang Stierle Erinnerungen: „Das war mein erster Bezug zu Maichingen.“

Im Alter von 13 Jahren teilt Wolfgang Stierle in seinem Heimatort Botnang ein Wochenblatt aus und verdient sich so seine ersten 800 Mark: „Kurz bevor ich 15 wurde, bin ich mit meinem Vater und unserem Hänger nach Maichingen gefahren und durfte mir dort genau so ein grünes Mofa kaufen.“