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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 12.06.2010

Große Namen geben das Gesicht

Sindelfingen: Erste Ausstellung aus der Sammlung Schaufler im Schauwerk zwischen Weltkunst und dem Reiz der kleinen Entdeckungen

Frit

z Ruoffs Bild mit zwei auf weißem Grund eingearbeiteten weißen Fäden steht als Symbol für den Kunstgeschmack des Ehepaares, das sein Lebenswerk in eine Stiftung eingebracht hat, die das Museum neben dem Stammsitz der Firma Bitzer Kühlmaschinenbau trägt. Fritz Ruoff ist kein Name, der in New York, Paris, Nizza, Berlin oder Amsterdam klingt.

 

"Wir haben nie etwas erworben, was uns nicht gefällt", sagt Peter Schaufler, der 1979 die Sindelfinger Firma Bitzer von seinem Vater übernommen hat: "Es muss nicht immer das, was teuer ist, das Schönste sein." Dabei hat das in Stuttgart lebende Ehepaar eine Sammlung aufgebaut, die als Abteilung in den großen Museen dieser Welt einen würdigen Platz finden würde.

 

Private Kunstsammler erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder einen Überblick über die Kunstgeschichte. Im Sindelfinger Schauwerk gibt es keine Spur von der klassischen Moderne, kein Bild von Picasso, Cézanne, Rembrandt oder Vermeer. Das Ehepaar Schaufler startet mit "Zero", der Künstlergruppe in Deutschland um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker, die in den wenigen Jahren zwischen 1958 und 1966 internationale Kunstgeschichte geschrieben hat.

 

Parallelitäten mit Waldenbuch

 

Minimal Art, Konzeptkunst und konkrete Kunst sind die Schwerpunkte der ersten Ausstellung, die Museumsdirektorin Barbara Bergmann aus dem Fundus zusammen gestellt hat. Dabei gibt es durchaus Parallelitäten mit dem zweiten privaten Sammlermuseum im Landkreis, dem Museum Ritter in Waldenbuch. Peter Schaufler hat das 2005 eröffnete Haus von Marli Hoppe-Ritter noch nie besucht, aber zur Eröffnung gestern Abend sowohl die Sammler-Kollegin als auch François Morellet eingeladen. Der Franzose hatte 2009 in Waldenbuch eine Einzelausstellung und ist auch jetzt in Sindelfingen prominent vertreten. "Mal sehen, wer mehr Arbeiten von Morellet hat", sagt Peter Schaufler.

 

Es gibt ständig Überraschungen, wenn die beiden Sammler und ihre aus Dortmund kommende Museumschefin die Kisten auspacken, in denen das Ehepaar Schaufler seine 3000 Schätze untergebracht hat. Fritz Ruoffs weißes Bild ist immer wieder in Büros der Firma aufgehängt worden, aber viele Arbeiten kommen erst jetzt ans Tageslicht.

 

Der Premierenschau Halt und Gesicht geben ein paar große Namen, die Stammgäste bei der Documenta in Kassel oder der Biennale in Venedig waren: Arman, John Armleder, Rupprecht Geiger, Anish Kapoor mit seinen weißen und schwarzen Wandobjekten, Anselm Kiefer mit seinen Bleibüchern, Sol LeWitt, Robert Longo, der mit seiner vergoldeten Bronzeflagge den einzigen Farbtupfer in den weißen Saal des Museums setzt, Nam June Paik, Gerhard Merz, Jésus Rafael Soto oder Frank Stella mit einer monumentalen Wandskulptur.

 

Aber den Reiz machen die kleinen Entdeckungen in der ehemaligen Produktionshalle aus. Frühe Arbeiten von Lucio Fontana, den das Ehepaar Schaufler in einer Stuttgarter Restaurant-Galerie entdeckt hat, sind ein Glanzlicht, die Konzeptkunstwand von der schon 1992 in der Galerie der Stadt Sindelfingen präsentierten Hanne Darboven setzt ein weiteres Ausrufezeichen. Prächtig harmonieren die Drahtskulpturen von Antony Gormley mit den Fotografien von Thomas Ruff, der ebenfalls schon vor Jahren in Sindelfingen vom Verein Kunst und Projekte vorgestellt worden war.

 

Unter den Fotografen befindet sich neben dem französischen Star Bettina Rheims der deutsche Filmemacher Wim Wenders, aber auch der Karl Hugo Schmölz, der mit seinen Architekturbildern deutsche Nachkriegsgeschichte dokumentierte, aber ähnlich wie Fritz Ruoff zu den Stillen im Land gehörte (siehe Kommentar auf Seite 9).

 

Fotografie spielt eine große Rolle im Schauwerk Sindelfingen. 2011 soll ein weiterer Saal für die Fotokunst der Sammlung Schaufler eingeweiht werden. Unter den Künstlern befindet sich zum Beispiel der Filmregisseur Wim Wenders mit einer Aufnahme vom Ground Zero in New York. Reproduktion: Kleinbach/z

 

Das Schauwerk Sindelfingen auf dem Goldberg. Bild: Kleinbach/z