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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 24.11.2017

Große Dame in Schwarz

Sindelfingen: Sylvia Wanke stellt ihre Figurinen im Oberlichtsaal aus

Sylvia Wanke spielt mit Gesichtern und Masken, zeigt aber weder Zombies noch Ungeheuer, sondern stellt in ihren Figurinen Inszenierungen für das große Theater dieser Welt dar. Bis zum 16. Dezember sind ihre Collagen und Szenarien in der Sindelfinger Galerie im Oberlichtsaal zu sehen.

Die „Lady in Black“, die große Dame in Schwarz, überragt alles im Galeriesaal mit seiner exquisiten Beleuchtung. Die Paradefigur gehört nicht zu einer Inszenierung der Bildhauerin, Szenografin und Dozentin am Studiengang Figurentheater der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart. Sylvia Wanke zeigt in Sindelfingen nämlich Figuren aus ihren Produktionen wie „Karambolage. Ein Oskar für Schlemmer“ oder Nosferatu. Ein Nachtstück“ in Naumburg.

Sylvia Wanke, Jahrgang 1952, hat in Stuttgart unter anderem in der Klasse von Alfred Hrdlicka studiert. Christoff Schellenberger weckte in seiner Klasse ihr Interesse für Puppen- und Figurentheater, über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) lernt sie 1975/1976 die Szenografie des Figurentheaters an der Prager Akademie der musischen Künste kennen. Sylvia Wanke macht ihr Staatsexamen in Kunsterziehung und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien, gibt aber 1982 den sicheren Job auf und lebt seitdem als freischaffende Künstlerin.

Sie prägt den Begriff „Kunst-Spiel-Zeug“ für ihre beweglichen Objekte und figürlichen Kleinplastiken, die oft die Grenzen zwischen künstlerischem Spielzeug und spielerischer Kunst überschreiten. Mit der Zeit wendet sie sich immer mehr dem Theater zu, übernimmt Szenografien für Bühnenproduktionen, leitet seit 2007 ihr eigenes „Wanke-Ensemble“ mit Figurenspielern, die als erstes Stück „Romanzero. Disparates“ über die letzten Lebensjahre Heinrich Heines präsentieren.

2008 bekommt Sylvia Wanke den Stuttgarter Theaterpreis für „Karambolage. Ein Oskar für Schlemmer“ über das Leben des Künstlers, der mit seinem Triadischen Ballett einen Ehrenplatz in der Staatsgalerie der Landeshauptstadt hat. Bei der Vernissage im Sindelfinger Oberlichtsaal präsentieren Anika Herzberg, eine ihrer Schülerinnen, die einst die Waldorfschule in Böblingen besucht hat, und der tschechische Gitarrist Zdenek Ehrenberger eine „Szene für Aug und Ohr“ zu Liedern von John Dowland (die SZ/BZ berichtete).

Anika Herzberg, die erst vor wenigen Wochen ihren Bachelor für Figurentheater absolviert hat, ist in der Inszenierung von Sylvia Wanke die „Lady in Black“, die mit ihren Masken das Spannungsfeld von Vorstellungskraft und sinnlicher Wahrnehmung aufbaut, mit Träumen, verborgenen Wünschen oder vergessenen Ängsten spielt. Masken, Theater und Musik, das sind die Elemente, die Sylvia Wanke in ihrer Figurenparade aus dem Jahr 2015 mit einem Video von Jutta und Matthias Boeck ergänzt.

Info

Die Ausstellung „Kunst macht Theater“ von Sylvia Wanke ist bis zum 16. Dezember in der Galerie Oberlichtsaal auf dem Rathausplatz in Sindelfingen (Eingang Stadtbibliothek) zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag von 14 bis 19 Uhr sowie Samstag von 10 bis 14 Uhr.

Sylvia Wanke mit einer ihrer Figurinen im Sindelfinger Oberlichtsaal. Bild: z