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Von unserer Mitarbeiterin Marina Schilpp · 17.10.2017

Grafik-Schatz für Galerie-Geburtstag

Böblingen: Erste Auszüge aus der Sammlung Gerhard Bleicher in der neuen Ausstellung „Bildgewalt“

Die Geburtstagsfeier der Städtischen Galerie Böblingen liegt nicht lange zurück. Und das Geschenk, das ihr Gerhard Bleicher feierlich zum 30. Bestehen überreicht hat, kommt bereits zum Einsatz. In der von einem Katalog ergänzten Ausstellung „Bildgewalt“ sowohl der Galerie als auch des Bauernkriegsmuseums feiert es am Sonntag Premiere.

Dabei ist mit einzelnen Blättern nur ein Bruchteil der Sammlung zu sehen. Der Rest schlummert im Verborgenen. Wohltemperiert. Auf nächste Einsätze wartend. In Summe sind es etwa 250 größtenteils handsignierte Grafiken.

„Sie sind eine gute Ergänzung zur Böblinger Sammlung“, sagt Galerieleiterin Corinna Steimel. Denn der Galerieschwerpunkt liegt auf Gemälden und Skulpturen. Weniger auf Papierarbeiten. „Das Galerieprogramm reflektiert ein breites künstlerisches Panorama an Kunsttendenzen, die sich in der südwestdeutschen Kunstlandschaft seit Anbruch der Moderne abzeichneten“, heißt es im Internet. Außerdem widmet sie sich „der als verschollen geltenden Künstlerschaft aus dem regionalen, südwestdeutschen Raum der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts“.

Genau das zeichnet die Sammlung Bleichers aus. Sie beinhaltet eine hohe Zahl unbekannter Künstler, ja, vergessene Künstler liegen ihr besonders am Herzen. Aber sie kann auch mit bekannten Größen wie Adolf Hölzel, Otto Dix oder Ida Kerkovius aufwarten. Jedenfalls zeichnet sie ein leibhaftiges Bild von den künstlerischen Strömungen der Moderne. Eingrenzen lässt sie sich auf den Zeitraum von 1900 bis 1945.

Diese Zeit hatte sich bei dem heute 88-jährigen Gerhard Bleicher in den 1980er Jahren als Sammlungsschwerpunkt herauskristallisiert, nachdem der gelernte Elektromaschinenbauer als 30-Jähriger 1958 mit dem Sammeln begonnen hatte. Im Berliner Grisebach-Auktionshaus hatte er gleich einen Lyonel Feininger ersteigert. Gerne gesammelt hat er auch Kriegsdarstellungen der 1920er Jahre. 1944 war er noch von der SS einberufen worden, im Alter von 15 Jahren als Gebirgsjäger unterwegs. Und hat danach zunächst selbst zu fotografieren begonnen, sogar einen Preis gewonnen.

Zum ersten Mal in der Böblinger Galerie zu sehen waren seine Blätter in „Solo für Grafik“ im Winter 2009/2010 bei der vorherigen Galerieleiterin Dr. Eva-Marina Froitzheim. Nur dass es damals, als der Stuttgarter Böblingen seine Sammlung überlassen wollte, noch ein Platzproblem mit der Aufbewahrung gab. Rechtzeitig zum Galerie-Geburtstag hat sich ein Depot gefunden.

Info

Die Ausstellung „Bildgewalt – Darstellungen zwischen Wahn und Wirklichkeit aus den Sammlungen der Stadt Böblingen“ wird am Sonntag, 22. Oktober, um 15 Uhr in der Zehntscheuer an der Pfarrgasse Böblingen eröffnet und bleibt bis zum 2. April 2018 zu sehen.