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Von Ursula Schnabl · 04.02.2011

"Gottlieb" bringt Nachschub ans Band

Sindelfingen: Neuheit im Mercedes-Werk / Ein automatischer Gabel-Hochhubwagen kann monotone Lieferstrecken übernehmen

Wenn die Logistik im Mercedes-Benz Werk die Produktion mit Material versorgt, geht das nach festen Regeln vor sich. Die Produktionsmitarbeiter bestellen Teile, die Staplerfahrer bekommen die Bestellungen aufs Display an ihrem Stapler, holen die Paletten im Lager ab und bringen sie ans Band. So weit, so gut. Allerdings sind bei diesen Versorgungsfahrten auch viele Routinestrecken dabei, die für die Staplerfahrer nicht unbedingt eine Herausforderung darstellen.

 

So zum Beispiel in der Cockpitvormontage der S-Klasse. Hier benötigen die Montagemitarbeiter regelmäßig den sogenannten Querträger, der die Basis für das Cockpit der S-Klasse darstellt. Der Querträger steht im angrenzenden Lager bereit, nur knapp 100 Meter entfernt, und muss alle paar Minuten abgeholt werden. Die leeren Paletten müssen dann zurück ins Lager.

 

Es wäre gut, wenn man diese monotone Tätigkeit automatisieren könnte, dachten sich Mitarbeiter des Logistikbereichs im Werk. Herkömmliche automatische Fördersysteme kamen nicht in Frage - die sind teuer und unflexibel. Ändert sich auch nur ein Detail in der Montage, und der Querträger wird an einer anderen Arbeitsstation benötigt, fallen teure Umbauarbeiten an.

 

"Viele Möglichkeiten"

 

Daher beschlossen die Logistiker, eine absolute Neuerung auszuprobieren: ANS, einen Stapler mit "Autonomem Navigations-System", den Siemens gerade entwickelt. "ANS bietet viele Möglichkeiten", sagt Iris Weeber. Die Ingenieurin betreut in der Logistik die Einführung des neuen Transportfahrzeugs. "Es tastet mit einem Scanner die Hallendecke ab und speichert das Gesehene". So können wir ihm den Weg beibringen, den es fahren soll. Wenn sich der Weg ändert, programmieren wir es einfach um."

 

Weitere Scanner helfen dem automatischen Flurförderfahrzeug im Lager oder am Band zu erkennen, wo Paletten stehen, auch wenn sie übereinandergestapelt sind, und sie dann auf die Gabel zu laden und zum Bestimmungsort zu bringen.

 

Bis der neue Stapler das alles konnte, gingen viele Monate Vorarbeit ins Land - Monate der engen Zusammenarbeit mit den Entwicklern von Siemens. Anfang Dezember letzten Jahre war ANS dann in der von Daimler in Sindelfingen gewünschten Konfiguration einsatzbereit. Ein bewegender Moment, wie sich Iris Weber erinnert: "Als sich zum ersten Mal das Rolltor zum Lager öffnete und das Fahrzeug ganz allein auf mich zu fuhr, war das etwas Besonderes."

 

Nach so viel Vorbereitung musste das Gefährt natürlich einen Namen bekommen. Die Logistiker entschieden sich für "Gottlieb". "Das Fahrzeug ist eine echte Innovation", erklärt Iris Weeber die Namenswahl, "das hätte Gottlieb Daimler sicher auch gereizt." Der zweite ANS-Stapler ist schon in Arbeit. "Der wird dann vielleicht Carl heißen", sagt die Ingenieurin.

 

Gelb und schwarz: Das sind die Farben des neuen "Kollegen" im Sindelfinger Mercedes-Werk. Bild: z