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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 12.12.2007

Goldene Palme für Saunagarten

Das Bürgerbarometer (VIII): Warum es sich lohnt, hier zu leben / Böblinger Mineraltherme ist auch für Sindelfinger die Nummer Eins

Dass die Mineraltherme am Hexenbuckel bei den Böblingern die Nummer Eins ist, wenn sie gefragt werden, wo sie am liebsten ihre Freizeit verbringen, ist ja normal. Aber dass auch die Sindelfinger dem Saunagarten und dem warmen Wasser in der Nachbarstadt die goldene Palme verleihen, ist eine der großen Überraschungen des SZ/BZ-Bürgerbarometers 2007.

 

Die Erfolgsgeschichte sprudelt munter weiter: Vor fast genau 18 Jahren hat die Mineraltherme eröffnet und inzwischen über sieben Millionen Besucher gezählt. Damit hat das Bad selbst die kühnsten Schätzungen übertroffen. Ausgelegt war die Anlage für rund 350 000 Gäste pro Jahr, Geschäftsführer Rolf Dettinger rechnet heute mit rund 430 000 verkauften Tickets in zwölf Monaten.

 

Im SZ/BZ-Bürgerbarometer 2007 tauchen im Vergleich zur Premiere der Umfrage 2004 riesige Unterschiede in der Bewertung auf. So gewinnt die Mineraltherme zu Hause in Böblingen noch einmal zehn Nennungen dazu, verliert aber in Sindelfingen 30 Liebhaber. Statistiken sind aber zuweilen ein Feld voller Überraschungen, denn die Therme rückt bei den Bürgern der Daimler-Stadt auf Platz Eins vor: 2004 standen noch Kulturveranstaltungen und Gastronomie auf den beiden ersten Plätzen.

 

Eindeutig belegen die Zahlen des SZ/BZ-Bürgerbarometers aber in beiden Städten, dass die Mineraltherme vor Frei- und Hallenbädern in Sindelfingen und Böblingen liegt. Das liegt nicht nur am verregneten Sommer 2007, der dem Sindelfinger Freibad das schlechteste Ergebnis seit 40 Jahren beschert hat.

 

Schwarze Zahlen statt Defizit

 

Im Gegensatz zu den städtischen Bädern, die Jahr für Jahr hohe Defizite einfahren, schreibt die Therme-Gesellschaft schwarze Zahlen und hat beim Personal, also bei den 23 fest Angestellten und 30 Aushilfen, noch nie den Rotstift angesetzt. "Das sind Rahmenbedingungen, die Mitarbeiter motivieren", sagt der Geschäftsführer.

 

2006 hat Rolf Dettinger einen Überschuss in Höhe von 172 000 Euro ausgewiesen, dieses Jahr liege der Gewinn bei rund 130 000 Euro. Das ist zwar weniger als die Million Mark, die das Bad in den 90er Jahren regelmäßig an die Stadt überwies, aber die Therme finanziert aus dem laufenden Betrieb komplett den Saunagarten, der zur großen Attraktion der Anlage geworden ist.

 

Allein im Jahr 2007 hat die Gesellschaft 500 000 Euro investiert. "Dabei geht es nicht darum, nur kaputte Fliesen zu ersetzen", sagt Rolf Dettinger: "Unsere Kunden sollen das Gefühl haben, dass wir etwas für sie tun. Wir bekommen viele Anregungen über Meckerzettel und versuchen, die Vorschläge tatsächlich umzusetzen."

 

Das Unternehmen hat selbst die riesigen Sprünge bei den Energiekosten weggesteckt: Im Vergleich zu 2004 bezahlt das Bad 300 000 Euro mehr für Gas, Strom und Wasser, obwohl der Verbrauch heute niedriger liegt. Die Mineraltherme, eingeweiht in Zeiten, in denen der Himmel der städtischen Finanzen noch voller Geigen hing, hat die Wirtschaftskrisen unbeschadet überstanden und eine sichere Option für die Zukunft.

 

Obwohl das Bad am Hexenbuckel vor allem von den älteren Altersstufen bevorzugt wird, zeigt die Jugend dem Saunagarten keineswegs die kalte Schulter. Immerhin 26 Prozent der Böblinger im Alter zwischen 16 und 25 Jahren sowie 32 Prozent der jungen Erwachsenen, die höchstens 35 Jahre alt sind, genießen das warme Wasser der Therme.

 

Familien setzen auf das Freibad

 

Für die Frei- und Hallenbäder gibt es ein Trostpflaster von den jüngeren Altersgruppen im SZ/BZ-Bürgerbarometer: Gerade in Sindelfingen gehen die Bürger im Alter zwischen 26 und 45 Jahren lieber ins Badezentrum auf der Winterhalde. Noch deutlicher fällt das Votum der Familien mit Kindern aus: Bei den Sindelfingern liegen hier Freibad mit 35,8 Prozent und Hallenbad mit 32,6 Prozent klar vor der Mineraltherme mit 16,8 Prozent.

 

Die Zahlen bestätigen Verwaltung und Gemeinderat Sindelfingen, die hier die ersten Früchte für die Millionen-Investitionen im Kinder- und Jugendbereich im Freibad ernten und inzwischen das Hallenbad ebenfalls für Familien attraktiver machen wollen, wenn es die Finanzlage zulässt.