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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 26.07.2018

Game-of-Thrones-Star im Bären-Kino

Böblingen/Sindelfingen: Bei der Premiere des Schülerfilms „Halbnah“ des Gymnasiums Unterrieden war auch Schauspieler Liam Cunningham unter den Gästen

  • Anton Lipustin, Robin Renz, Anke Walter, Ahmed Abou-Tale vom Unterrieden-Gymnasium, Hussam Al-Heraki aus Fellbach und Unterrieden-Schülerin Lea Ivanko (von links) spielen die Hauptrollen in „Halbnah“. Bilder: Heiden

  • Hauptdarsteller Hussam Al-Heraki (links) mit Liam Cunningham.

Großer Medienandrang bei der Premiere des von Schülern des Unterrieden Gymnasiums gedrehten Kurzfilms „Halbnah“. Das Interesse löste ein Premierengast aus: Schauspieler Liam Cunningham, Star in der Kult-TV-Serie Game of Thrones, war eigens aus Dublin angereist.

Aus Sorge, Game of Thrones-Fans könnten das Bärenkino wegen Cunningham einrennen, war dessen Besuch nur einem kleinen Kreis und Medienvertretern bekannt gegeben worden.

So sitzt Cunningham eineinhalb Stunden vor der Schülerfilm-Premiere locker wie andere Biergartengäste vor dem Kino in der Laube und unterhält sich mit Schülern des Unterrieden-Gymnasiums. Mit dem Leinwandstar plaudern auch die jungen Damen, ohne die der ganze Rummel gar nicht stattfinden würde: Rosaly Mäule, Nadine Bela und Vivian Prey hatten sich auf Initiative von Deutschlehrer Wolfgang Braun am Jugend-Drehbuchwettbewerb „Tatort Bodensee“ beteiligt und unter 150 eingesendeten Drehbüchern den 1. Preis gewonnen. Der Preis bestand in der Verfilmung des Drehbuchs mit professioneller Unterstützung durch ein fünfköpfiges Profiteam unter Leitung von Sabine Willmann. Träger des Wettbewerbs sind Landesmedienzentrum, Stiftung Medienkompetenz Forum Südwest und LFK-Baden-Württemberg.

Das Casting für fünf Hauptrollen mit Unterrieden-Schülern lief am Gymnasium, gedreht wurde Anfang Juni im Sindelfinger Jugendtreff Süd, einer Wohnung in Maichingen und in Magstadt. Für eine Bus-Szene stellte das Busunternehmen Stäbler einen Linienbus samt Fahrer. Ausdrücklich bedankt sich am Ende der Filmpremiere Produktionsleiter Timo Mäule, ehemaliger Leiter der Video-AG der Schule, auch bei Radsport Ruser. Das Magstadter Geschäft hatte spontan ein Fahrrad aufgeboten, nachdem der angedachte Lieferant die Crew im Stich gelassen hatte.

Ohne Fahrrad wäre nichts gegangen. Es ist der Konflikt-Zünder in dem 16 Minuten langen Film, der unterm Arbeitstitel „Djamil und das Bike“ gedreht und unterm Titel „Halbnah“ nun seine Premiere erlebte. Dabei war der Titel zunächst scherzhaft gemeint, erzählt Regisseur Marc Mante, der gerade sein Abitur am Unterrieden gemacht hat: Halbnah bezeichnet eine Kameraeinstellung, die auch im Schülerfilm häufig verwendet wird. Dann habe man aber gemerkt, erklärt Marc Mante, dass „Halbnah“ ganz gut für das Thema des Films stehe.

Der erzählt, wie sich die vierköpfige Jugendhaus-Clique mit Djamil (Hussam Al-Heraki), Julian (Robin Renz), Elona (Anke Walter) und Luca (Anton Lipustin) im Jugendhaus zu überwerfen droht, als Djamil mit Julians neuem Fahrrad verschwindet. Hat der Flüchtlingsjunge das Rad geklaut? Dieser Verdacht droht die Clique zu sprengen.

Dabei hat Djamil sich das Bike nur für einen Notfall geborgt: Sein älterer Bruder Salim (Ahmed Abou-Taleb) ist wieder in eine Schlägerei geraten. Djamil, der Integrierte und Salim, der sich von den Deutschen fernhält, geraten ihrerseits in Streit, wie man sich in der hiesigen Gesellschaft verhält: Annähern oder Abstand halten. Die kleine Schwester der beiden, Samira (Lea Ivanko) muss die Streithähne einbremsen. Zum Finale triumphiert das Modell Annäherung.

Für den Drehbuchwettbewerb hatte Autor Peter Hauser drei Szenen vorgeschrieben, die alle Wettbewerbsteilnehmer zu Ende erzählen mussten. Vorgegeben war damit nur die Jugendhaus-Szene, wo Julian sein neues Fahrrad vorstellt bis zum Verschwinden des Bikes samt Djamil. Anders als andere Autorenteams machten die drei Unterrieden-Schülerinnen daraus keinen Krimi, sondern vertieften den Konflikt, in den die Figuren geraten. Das habe die Jury bewogen, den 1. Preis zu vergeben, erklärt Sabine Willmann.

„Ihr solltet unheimlich stolz sein“

Liam Cunningham selbst tritt in dem Film gar nicht auf. Der Ire ist befreundet mit Halbnah-Hauptdarsteller Hussam Al-Heraki. Den in Fellbach mit seiner Familie lebenden 18-jährigen Syrer hatte Autor und Jury-Mitglied Peter Hauser für die Rolle empfohlen. Filmstar Liam Cunningham, der sich für das Hilfswerk World Vision engagiert, hatte Hussam Al-Heraki bei einem Besuch in Jordanien kennengelernt, wohin der damals 15-Jährige geflohen war.

Als der junge Syrer schließlich vor eineinhalb Jahren seiner bereits hier lebenden Familie nachreisen durfte, hatte Cunningham ihn wieder besucht. Die beiden halten Kontakt über einen Internet-Nachrichtendienst. Zur Halbnah-Premiere hatte der jugendliche Hauptdarsteller seinen berühmten irischen Freund nun nach Böblingen eingeladen.

„Ihr solltet unglaublich stolz auf das sein, was ihr erreicht habt“, sagt Cunningham nach der Vorführung zum gesamten Filmteam und lobt anschließend das hiesige Engagement für Flüchtlinge: „Ich denke, das ist etwas Fantastisches mit diesen deutschen Leuten. Ich bin so froh, dass ich hergekommen bin. Es ist wundervoll.“

Info

Der Film „Halbnah“ soll spätestens kommende Woche auf Youtube im Internet aufrufbar sein.