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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 28.04.2012

Für Tomforde ist die Zukunft elektrisch

Sindelfingen: Der Vater des Smart sieht Baden-Württemberg aus finanziellen Gründen für nächste Fahrzeuggeneration nicht gut gerüstet

Der Spur nach müssten die Energieversorger ein großes Interesse an der Elektromobilität haben. Tatsächlich haben die Stadtwerke Sindelfingen an ihrem Verwaltungsgebäude eine Stromtankstelle eingerichtet und die EnBW hat in Stuttgart einen Großversuch mit 500 E-Bikes auf die Räder gestellt. Doch im Grunde ist das nur so etwas wie ein Schaulaufen.

Der Sindelfinger Design-Professor Johann Tomforde rechnete den Gästen der SZ/BZ bei seinem Vortrag über die Mobilität, die Region und die Zukunft vor, weshalb die Energieunternehmen gar kein großes Interesse an einer Infrastruktur für Elektrofahrzeuge haben können. Wenn es im Jahr 2020 tatsächlich, wie von der Politik erhofft, eine Million Elektrofahrzeuge gibt, dann macht dies am Stromverbrauch 0,4 Prozent aus: „Das rechnet sich nicht, da eine Ladestation 7500 Euro kostet. So kommen wir auf 50 Jahre Amortisationszeit.“

Der Vater des Smart hat sich deshalb noch mal ans Erfinden gemacht und dabei ein besonderes Parkhaus zu Papier gebracht, das auf dem Flugfeld Sindelfingen-Böblingen entstehen soll.

Prof. Tomforde (Bild) bringt im Vergleich mit einem herkömmlichen Parkhaus auf derselben Fläche die zweieinhalb- bis dreifache Menge an Fahrzeugen unter. Vor zu engen Parklücken müssen sich die Fahrer nicht fürchten, denn eingeparkt wird ohne sie. Dies funktioniert allerdings nur bei Elektrofahrzeugen. Diese können im Parkhaus auch betankt werden, wobei sich der Tüftler noch nicht ganz im Klaren darüber ist, ob dabei das Auto zur Ladestation oder die Ladestation zum Auto kommt.

Die automobile Zukunft ist für Johann Tomforde elektrisch. Für ihn ergibt sich das aus den Vorgaben der Politik. Die hat der Automobilindustrie und ihren Zulieferern längst die Daumenschrauben angesetzt. Im Jahr 2015 dürfen Fahrzeuge eines Herstellers im Durchschnitt nur noch 130 Gramm CO2 pro Kilometer durch den Auspuff blasen, von 2020 an nur noch 95 Gramm. Letzteres, so Prof. Tomforde, „dürfte mit herkömmlichen Antrieben nur sehr, sehr schwer zu erreichen sein“.

2025 könnte eine weitere Absenkung auf 70 Gramm kommen. „Das ist mit den heutigen Fahrzeugen nicht erreichbar“, steht für ihn fest.

Weil Elektrofahrzeuge bisher bei der Kundschaft aus unterschiedlichen Gründen (zu teuer, technisch vielleicht bald überholt, zu geringe Reichweite) nicht ankommen, schlägt Johann Tomforde vertrauensbildende Maßnahmen vor. So sollten Paketdienste, deren Caddys im Stadtverkehr 27 Liter Sprit auf 100 Kilometer fressen, auf den Elektroantrieb umsteigen: „Wo lohnt sich das sonst, wenn nicht da?“

Parallel dazu müsste eine neue Generation von Autos entwickelt werden. Acht bis zehn Jahre müsse man dafür einkalkulieren. Deshalb bräuchten nicht nur Erfinder und Entwickler eine ungeheure Ausdauer, sondern auch die Geldgeber. Das sei in den nächsten beiden Jahren besonders schwierig: „Da kommt das Tal der Tränen.“ Erst wenn 2015 neue Batterien kämen, werde es aufwärts gehen. Deshalb sei es wichtig, bis dahin die Zeit zu nutzen anstatt „die Technik tot zu reden“.

Johann Tomforde beklagte, dass derzeit nur große Firmen in der Lage seien, die Durststrecke finanziell durchzustehen. Ansonsten fehle bei privaten Geldgebern die Bereitschaft für „langfristige Investitionen in die Mobilität der Zukunft“ und wer als Erfinder von der Bank Geld haben möchte, der „hat null Chance“.

Deshalb sei die wichtigste Automobilregion der Welt, Baden-Württemberg, für die Zukunft nicht gut gerüstet. Für Johann Tomforde selbst gilt das nicht. Nach eigenen Angaben kommt er mit Fördergeldern gut voran. (Siehe auch Kommentar)

Video

Chefredakteur Jürgen Haar kommentiert die Veranstaltung unter Videos auf www.szbz.de

Gespannte Zuhörer beim Vortrag des Sindelfinger Design-Professors Johann Tomforde über die Mobilität, die Region und die Zukunft. Bilder: Stampe

Marc Reuß (links) und Reiner Braun (beide Informationstechnik Reuß) haben Paul Nemeth (CDU) in die Mitte genommen.

Im Gespräch: Thomas Höfle (Auto-Höfle) und Joachim Trender (Breuningerland) .

... sowie Thorsten Flink (Wirtschaftsförderung Sindelfingen) und Ralph Weber (Vereinigte Volksbank AG), jeweils von links.

Karin Würzberger (LGI Böblingen), Apotheker Joachim Seidel und SPD-Stadträtin Christine Rebsam-Bender (von links).