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Von unserer Mitarbeiterin 
Tamara Zondler · 09.01.2020

„Für jedes Bonbon einen Kassenbon“

Kreis Böblingen: Kassenbon-Pflicht macht vor allem Bäckereien und kleinen Betrieben das Leben schwer

Die meisten Kassenbons landen gleich im Papierkorb. „Umwelttechnisch ist das nicht gut“, sagt Heike Eisenhardt. Bild: Zondler

Viele Diskussionen und jede Menge Ärger: Seit dem 1. Januar sieht das Kassengesetz eine Bon-Pflicht für jeden Betrieb vor. Schon im Vorfeld haben Einzelhändler die erhöhten Kosten und den Mehraufwand, der auf ihr Geschäft zukommt, kritisiert. In vielen kleinen Betrieben haben sich die Befürchtungen bestätigt. Die SZ/BZ- Redaktion hat nachgefragt.

Filialleiterin Jana Wisbar-Schmidt von der Bäckerei Raisch in Aidlingen spürt trotz der Kassenbon-Pflicht erst einmal keine Veränderung. „Wir haben am Ende letzten Jahres eine Befreiung von dem Gesetz beantragt und warten jetzt zuerst auf eine Rückmeldung“. Man setzt die Pflicht somit noch nicht um. „Die Kunden fragen weiterhin selbst, wenn sie einen Kassenzettel wollen. Auch erhöhte Kosten und ein Mehraufwand an Bürokratie sind deshalb noch nicht eingetreten“, sagt die Filialleiterin.


Kritischer sieht man es bei der Bäckerei Jauß in Deufringen, die bislang keine Befreiung von dem Gesetz initiierte. „Es hieß, dass es ab dem 1. Januar eine Bon-Pflicht gibt. Wir bekamen zwar einen Infobrief vom Steuerberater, aber den Rest haben wir aus der Zeitung erfahren. Am Anfang fühlt man sich erst einmal überrollt“, sagte Andrea Jauß zur SZ/BZ. Den Kassenzettel nimmt fast keiner mit, dafür sind Mehrkosten für einen kleinen Betrieb erheblich. „Wir verbrauchen jetzt eine Kassenrolle am Tag. Davor haben wir eine Rolle in eineinhalb Wochen gebraucht“, so Andrea Jauß.


Das Tabakgeschäft „Fidi“ im Sindelfinger Stern-Center kämpft mit ähnlichen Problemen und Beschwerden. „Wir fangen zwar erst intensiv am Montag mit der Umsetzung des Gesetzes an, aber einen Mehraufwand sehen wir schon jetzt. Wir mussten zur Vorbereitung mehr Kassenrollen bestellen“, erzählt Inhaber Isuf Gashi. Man habe 1000 Kunden am Tag, die teilweise nur eine Schachtel Zigaretten kaufen. Wenn man dafür jedes Mal einen Kassenzettel druckt, dann entsteht sehr viel Müll.


„Kinder kommen oft mehrmals am Tag, um sich ein einzelnes Bonbon zu kaufen. Vor allem umwelttechnisch ist das nicht gut“, sagt Mitarbeiterin Heike Eisenhardt. Das Geschäft sieht die Auswirkungen bei sich noch extremer als in den Bäckereien, da man mehr Kunden am Tag habe. Isuf Gashi sagt aber, dass sich „bei den Postdienstleistungen in unserem Laden nichts verändert hat. Diese Kunden bekommen schon immer einen Kassenbon. Die Beleg-Pflicht stellt bei den Tabakwaren eine neue Herausforderung dar“.


Der ganze Artikel steht am Freitag in der SZ/BZ und auf www.szbz.de