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Von Chefredakteur Jürgen Haar · 09.12.2011

Französisch ist der neue Ton

Sindelfingen/Paris: Akka Technologies übernimmt 65 Prozent von MB-Tech / Verhandlungen über Tarifvertrag sollen fortgesetzt werden

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ong>Die Hängepartie um die Zukunft der MB-Tech-Gruppe ist entschieden: Sindelfingens zweitgrößter Arbeitgeber, bislang im alleinigen Besitz der Daimler AG, kommt unter das Dach von Akka Technologies. Das französische Unternehmen übernimmt 65 Prozent der Anteile von MB-Tech, Daimler behält 35 Prozent.

Nach der Fusion mit Chrysler wurden Daimler-Mitarbeiter zuhauf in Sprachkurse geschickt. Man wollte den amerikanischen Kollegen auf Augenhöhe begegnen, die Unternehmenssprache wurde Englisch. Jetzt hält eine neue Weltsprache in Sindelfingen Einzug. Nach der Kooperation der Daimler AG mit Renault-Nissan für die Entwicklung einer gemeinsamen Plattform für einen Kleinwagen gibt es künftig eine weitere wichtige Verbindung mit einem französischen Unternehmen.

Branche tuschelte schon lange

Daimler-Vorstand Prof. Dr. Thomas Weber und Maurice Ricci, der Vorstandsvorsitzende von Akka Technologies, machten gestern im Event-Center des Sindelfinger Mercedes-Werkes die neue Verbindung öffentlich. In der Branche tuschelte man seit Monaten über Veränderungen in der Gesellschafterstruktur von MB-Tech. Ende November sprach auch der Daimler-Vorstand erstmals öffentlich über die Partnersuche. „Wir wollen MB-Tech fit machen für die Zukunft“, sagte Thomas Weber (die SZ/BZ berichtete am 25. November).

In Frankreich machte die Liaison schon früher die Runde. Am 6. Oktober meldete die Wirtschaftszeitung „Les Echos“, dass die börsennotierte Akka Technologies ihren Umsatz verdoppeln will – unter anderem durch den Zukauf von Unternehmen. Man wolle das Bieterverfahren um zwei deutsche Firmen gewinnen, hieß es damals bei Akka.

Jetzt ist das Rennen gelaufen. Akka steigt bei der MB-Tech Gruppe mehrheitlich ein und verstärkt damit seine Aktivitäten in der Automobilindustrie. Akka ist im Bereich der Luftfahrt-Entwicklung Marktführer in Europa, arbeitet unter anderem für die EADS. Am deutsch-französischen Luftfahrtkonzern (unter anderem Hersteller des Airbus) ist derzeit auch noch die Daimler AG beteiligt.

Daimler-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Weber spricht im Bereich der Ingenieur-Dienstleistungen von einem „neuen Schwergewicht“ in Europa. Zusammen peilen MB-Tech und Akka Technologies einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro an, sagte Maurice Ricci. Durch den Einstieg bei MB-Tech hole sich das Familienunternehmen, das seinen Hauptsitz 2007 von Lyon nach Paris verlegte, neue Kompetenzen“ ins Haus. „MB-Tech bringt uns einen starken Mehrwert“, so Maurice Ricci.

Neue Auftraggeber

Mit der veränderten Gesellschafterstruktur erhofft man sich bei MB-Tech einen „Zugang zu neuen Auftraggebern“ (Dr. Weber). MB-Tech arbeitete bislang auch schon für andere Hersteller, das Gros der Aufträge kam aber aus dem Daimler-Konzern, vor allem von Mercedes. Mit dem Einstieg von Akka bekomme MB-Tech eine „wettbewerbsfähige Struktur und eine Wachstumsperspektive“, sagte Thomas Weber. Auch mit dem neuen Mehrheitsgesellschafter aus Frankreich bleibe der Name MB-Tech erhalten und der Firmensitz in Sindelfingen.

Die von der Daimler AG abgebrochenen Gespräche  über  einen  Tarifvertrag  bei MB-Tech sollen fortgesetzt werden. „Die Verhandlungen sind nur unterbrochen“, sagte Dr. Weber. Dies sei aus rechtlichen Gründen notwendig gewesen, weil sich Daimler und Akka in Gesprächen über einen Einstieg befunden hätten. Auch Ricci bestätigte, dass es „keinen Bruch“ bei den Verhandlungen geben werde. Die IG Metall hatte den Abbruch der Tarifverhandlungen kritisiert (die SZ/BZ berichtete).

(siehe auch Titelseite)