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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 14.07.2018

Flucht-Geschichten

Sindelfingen: Teatro Esperanto mit dem Stück „Chillen in Somalia“

„Chillen in Somalia“ hat am 17. Juli Premiere. Bild: Staber

Mit „Chillen in Somalia“ präsentiert das Teatro Esperanto unter der Leitung von Anke Marx und Annette von der Mülbe seine dritte Produktion. Darin stehen Geflüchtete aus den Vorbereitungsklassen gemeinsam mit deutschen Senioren auf der Bühne in der Aula der Gottlieb-Daimler-Schule 2.

Wenn Muhammad Abdarashid Präsident von Somalia wäre, gäbe es dort „keine Waffen mehr, die Leute hätten genug zu essen und Zugang zu sauberem Wasser“. Touristen würden nach Somalia kommen. Doch leider ist Muhammad Abdarashid nicht Präsident, sondern musste in seiner vom Krieg zerrissenen Heimat um sein Leben fürchten und floh nach Deutschland. Seine Vision vom „Chillen in Somalia“ bleibt ein Traum.

Abdarashids Geschichte ist eine von zwei Flucht-Biografien, die das emotionale Zentrum bilden. Ulrich von der Mülbes Kindheitserinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkriegs handeln ebenfalls von Flucht und Vertreibung. „Ich hätte nicht überlebt, wenn alle Menschen nur an sich gedacht hätten“, sagt der ehemalige Lehrer des Goldberg-Gymnasiums und wegweisende Akteur der Sindelfinger Theaterszene.

Die vielen Gemeinsamkeiten zwischen deutschen Flucht-Biografien und dem aktuellen Leid geflüchteter Menschen stehen für Ulrich von der Mülbe im Zentrum des Stücks: „Wenn wir darüber nachdenken, wissen wir eigentlich, wozu wir als Menschen verpflichtet sind.“

Im Laufe eines Schuljahres entwickelten die Theaterpädagoginnen und Regisseurinnen Annette von der Mülbe und Anke Marx gemeinsam mit ihrem Ensemble und unterstützt von der Bürgerstiftung Sindelfingen das Stück. Als Kooperationspartner der GDS 2 brachte sich der Lehrer Rainer Mack ein. „Mit theaterpädagogischen Übungen und Improvisationen holten wir die Impulse der Spieler ein“, sagt Anke Marx: „Daraus entstand das Skript.“

Eines der Motive waren die Berufswünsche der Ensemblemitglieder, die aus Afghanistan, Somalia, dem Iran oder dem Irak geflohen sind. Ganz oben auf der Liste stand Altenpfleger. „Kurzerhand erweiterten wir das Ensemble um Senioren“, erzählt Anke Marx. Ein Altenpflegeheim bildet den erzählerischen Anker. „Nicht nur Geflüchtete, sondern auch alte Menschen werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt“, stellt Anke Marx eine weitere Querverbindung her.

Martinspreis für das neue Stück

14 Darsteller im Alter von 16 bis 78 Jahren stehen auf der Bühne. Neben Abdolrahim Gharib, Ghulam Ali-Hebraimi, Savina Faraji, Midea Abas, Sahar Faraji, Muhammad Abdarashid, Sharmaarke abdi Mohamed und Ali Reza Razawi aus den Vorbereitungsklassen spielt auch die Deutsche Alexa Wolff aus dem Berufskolleg der GDS 2 mit. Die Senioren werden von Mariangela Toso, Traudel Karst, Margit Wagner, Ulrich von der Mülbe und Gaby Heydkamp gespielt.

Anke Marx hat schon das nächste Projekt im Auge: Im „Club Esperanto“ versammeln Marx und Annette von der Mülbe Darsteller aus den Theaterprojekten „Alte Koffer, neue Träume“, „Briefe von Müttern und Töchtern“ und dem Teatro Esperanto. „Wir treffen uns alle zwei Wochen im Gemeindezentrum Goldberg und entwickeln ein neues Stück“, so Anke Marx. Auf dem Internationalen Straßenfest wurde das Projekt mit dem Martinspreis der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen ausgezeichnet.

Info

„Chillen in Somalia“ ist am Dienstag, 17. Juli, 19.30 Uhr in der Aula der Gottlieb-Daimler-Schule 2 zu sehen sowie am 19. und 20. Juli um 10 Uhr.