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09.08.2018

Fliegen von A nach B

zu: „Schweiz: 20 Tote bei Absturz von Oldtimer-Flugzeug“ (SZ/BZ vom 6. August)

So „rätselhaft“ ist der Absturz der Ju 52 nicht. Die Maschine ist konstruiert als Verkehrsflugzeug für gleichmäßiges Fliegen von A nach B und nicht mehr.

Als ich 1944 während meiner Ausbildung zum Piloten auch in der Ju 52 saß, hat der Fluglehrer gesagt: „Ihr seid als noch unerfahrene Flugschüler in der Gefahr, dass ihr Fehler macht – aber diese Maschine nimmt sie euch nicht übel. Nur denkt immer daran, wenn auf eurer Strecke ein Gebirge ist, überfliegt es immer mindestens Tausend Meter höher als der höchste Gipfel.

Die Maschine kann Thermikschläuche und die damit besonders bei Hitze verbundenen Fallwinde nur sehr schlecht überwinden. Und die sind typisch fürs Hochgebirge. Da kann der beste Pilot nichts mehr machen, wenn die Maschine den Thermikschlauch, der sie nach oben drückt, verlässt, ist sie Sekunden später im Loch des Fallwinds und dann kann sie keiner mehr halten. Und ihr seid nicht „für Führer, Volk und Vaterland gefallen, wie in eurer Todesanzeige dann steht, sondern aus purem Leichtsinn“.

Ich habe vor nicht sehr langer Zeit einen Rundflug durch das Himalaja-Gebirge gemacht und die dazu verwendete Maschine vorher angeschaut: ein eigens für solche Flüge hergerichtetes Flugzeug und kein altes Museumsstück.

Der Absturz in der Schweiz ist also aus meiner Sicht die Folge verantwortungslosen Handels, denn auch der beste Pilot meistert solche prekären Situationen zwar sehr oft, aber einmal erwischt es ihn halt doch. Und diesem Risiko setzt man keine ahnungslosen Menschen aus. Rudolf Schroeter, Holzgerlingen