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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 22.07.2015

Filetstück kommt in drei Portionen

Sindelfingen: Gemeinderat stellt sich beim Post-Areal hinter die Verwaltung  / Architektenwettbewerb soll Anfang 2017 ausgeschrieben werden

Es hat gut 20 Jahre gedauert, bis die Stadt Sindelfingen mit den Grundstücken um das alte Volksbank-Gebäude und die Post-Hauptstelle ein Areal besitzt, in dem laut Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer „alle Entwicklungs-Optionen in unserer Hand“ liegen. Der Gemeinderat stellte sich gestern Abend einstimmig hinter den Plan des Baudezernats, für das Filetstück Anfang 2017 einen Architektenwettbewerb auszuschreiben.

Den ersten Vorschlag der Verwaltung vom 11. März hatte der Technik- und Umweltausschuss noch in nicht öffentlicher Sitzung zurückgewiesen. Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe mit ihrem Sprecher, dem pensionierten Lehrer und Heimatforscher Klaus Philippscheck, hatte letzte Woche Ideen für das „Jahrhundert-Projekt“ formuliert, das die Achse zwischen dem S-Bahnhof, dem Busbahnhof und der Innenstadt komplettieren soll.

Bei der ersten Diskussion in öffentlicher Sitzung über die Zukunft des Areals an der Gartenstraße herrscht Einigkeit quer durch alle politischen Gruppen im Gemeinderat. Thomas Leonhardt hat den Weg zum fertigen Entwurf in drei Portionen aufgeteilt. Noch in diesem Jahr soll ein „Wettbewerb der Ideen“ eröffnet werden, durch den Ideen aus der Bevölkerung erwartet werden.

Für 25 000 Euro bekommt ein Stuttgarter Büro den Auftrag, die Bürgerbeteiligung zu organisieren. Am Ende soll eine neu zu gründende Auswahlkommission mit Vertretern der Verwaltung, der Wirtschaftsförderung und des Gemeinderats aus den Ideen einen Nutzungsvorschlag machen. In einer zweiten Stufe will die Stadt Sindelfingen Anfang 2016 das Grundstück öffentlich ausschreiben. Von den Interessenten werden dann schon konkrete Aussagen über Nutzung, Preisangebot, Finanzierungsangebot oder Referenzen verlangt. Bei diesem Verfahren begleitet das Büro SLP („StadtLandPlan“) für 60 000 Euro Honorar die Stadt.

„Stadtverwaltung und Gemeinderat haben jederzeit das Heft in der Hand“, sagt Planungsamtsleiter Thomas Leonhardt. Nach der Vorstellung des Baudezernats schreibt der ausgewählte Investor auf seine Kosten Anfang 2017 den architektonischen und städtebaulichen Realisierungswettbewerb aus.

Für CDU-Fraktionschef Walter Arnold ist es wichtig, dass es losgeht: „Wir müssen den Einstieg schaffen, können aber immer die Notbremse ziehen.“ Für FWS-Chefin Ingrid Balzer ist der Drei-Stufen-Plan „nur ein erster Schritt“. SPD-Chef Andreas Schneider-Dölker erhofft viel von der Bürgerbeteiligung: „Jetzt können wir einmal zeigen, was wir können.“ Helmut Hofmann (Grüne) sieht im Filetstück die „Chance für einen Hingucker“ und FDP-Chef Andreas Knapp verweist auf die BMW-Welt in München als „Tempel der Ästhetik“: „Es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht auch schaffen würden.“ Und Richard Pitterle (Linke) wundert sich: „Es kommt nur selten vor, dass ich die Träume der FDP teile.“

Den Vorschlag von CDU-Chef Walter Arnold, auch einen Vertreter des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) in die Auswahlkommission der ersten Stufe aufzunehmen, lehnt die Mehrheit im Gemeinderat ab. „Der Einzelhandel sollte zumindest an den Gesprächen beteiligt sein“, sagt Walter Arnold.

Bevor die erste Portion für das erhoffte Filetstück auf den Grill kommt, ist noch Warten angesagt. Die Post würde nach den bisherigen Gesprächen bis voraussichtlich Ende 2015 das Briefzentrum an der Gartenstraße aufgeben und ist nach Angaben des Baudezernats „potenziell ein erster Ankermieter“ mit einer neuen Postbank-Filiale.

Aber unter dem Post-Areal lauert noch ein Grundwasserschadensfall. Die Erkundungen sind zwar abgeschlossen, die Sanierungen durchgeführt, aber bei einem Abbruch des alten Gebäudes seien beim Umgang mit kontaminiertem Erdaushub und verunreinigtem Grundwasser hohe Kosten zu erwarten. Ein erstes Gutachten für 12 400 Euro ist schon fertig, der Gemeinderat gab den Weg frei für neue Untersuchungen, die rund 50 000 Euro kosten werden.

Das Areal mit dem alten Volksbank-Gebäude und der Post-Hauptstelle an der Gartenstraße (rot markiert) soll das neue Tor zur Sindelfinger Innenstadt werden. Nach vier Monaten nicht öffentlicher Diskussion über das Vorgehen hat sich der Gemeinderat gestern Abend einstimmig hinter den Plan des Baudezernats gestellt. Bild: Stampe/A