Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von Nadja Schäfer, Otto-Hahn-Gymnasium Böblingen · 14.04.2009

"Fernsehen macht passiv"

Medien: Filmemacher und Medienpädagoge Wilfried Brüning am Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen

"Das

hier ist keine Verteufelung von Medien", stellt Wilfried Brüning gleich am Anfang klar. "Es geht nur um die Einschränkung von Computerspielen und Fernsehkonsum." Er selbst bekennt sich als Lindenstraßen-Fan und täglicher Internetnutzer. Und die Ergebnisse des letzten Elternsprechtages seines jüngsten Sohnes überraschten ihn und seine Frau genauso wie manch anderes nichtsahnendes Elternpaar.

 

Sehr anschaulich beginnt Wilfried Brüning, das Umgehen des Gehirns mit Informationen zu erläutern. Tennisbälle verkörpern hierbei die Informationen, während unvorbereitete Zuschauer SuperRTL, Sat1 und das Gehirn darstellen. Die Programme werden eingeschaltet, und sofort regnet es Tennisbälle. "Unser Gehirn vergleicht Altes mit Neuem und bildet daraus Wissen", erklärt der Medienexperte, der seit 25 Jahren in offener Jugendarbeit tätig ist.

 

Sieht ein Kind jedoch erstmals auf dem Bildschirm einen Pokémon mit Lichtgeschwindigkeit gegen Digimons kämpfen, kann es diese vielen Eindrücke nicht einordnen, geschweige denn einen Vergleich in seinen Erinnerungen finden. "Schleichende Verblödung" nennt er das, was diverse Medien mit uns und verstärkt mit Kindern und Jugendlichen anstellen.

 

Dies belegt und betont er immer wieder dadurch, dass nichts, was Kinder beim Computerspielen oder Konsumieren von fantastischen Zeichentrickserien lernen, in der Realität angewendet werden kann. Im Gegenteil, "Fernsehen macht passiv". Immer wieder zeigt der Filmemacher kurze Filme von Kindern, die starr vor dem Fernseher sitzen und solchen, die draußen Fußball spielen. Er selbst hat seinen Kindern schon oft klargemacht, dass sie als Spieler am Computer nur eine "ferngelenkte Unterhose" sind: "Lassen Sie Ihre Kinder bitte nicht in dem Glauben, sie hätten beim Spielen etwas geschafft. Das ist nur Werk der Programmierer."

 

"Kinder sollen Medien begreifen"

 

Dennoch ist er überzeugt, dass der größte Teil der Medien bedenkenlos genutzt werden kann. Dazu gehöre das Recherchieren im Internet, das Herstellen von Dateien oder das Nutzen von Programmen, die das Kind schöpferisch mit Medien umgehen lassen. "Kaufen Sie Ihrem Kind eine Kamera", schlägt er dazu vor. Bildergeschichten oder sogar kleine Abenteuerfilme können gedreht werden. "Kinder sollen Medien begreifen, nicht konsumieren."

 

Heiß ersehnt sind die Ratschläge für Eltern, mit denen größere Auseinandersetzungen mit deren Kindern vermieden werden können. "Sie machen alles richtig, wenn Ihr Kind Sie doof findet", sagt er. "Klar gibt es Reibungen. Aber wissen Sie, was Reibung erzeugt?" Das Wort "Wärme" und ein zustimmendes Nicken gehen durch die Publikumsreihen.

 

Wilfried Brüning. Bild: z