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02.11.2019

Entscheidung an der Ladentheke

Standpunkt: Bio oder konventionell

Von Hansjörg Jung

Bauern: Als die Schlepper vor einer guten Woche auch nach Stuttgart fuhren, die Bauern gegen das Agrar-Paket der Bundesregierung protestierten und sich gegen Vorwürfe in Sachen Insektenschutz wehrten, war das Getöse noch groß. Auch das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“, das die Debatte über Pflanzen- und Insektenschutz im Land mächtig angestoßen hatte, liegt mehr oder weniger auf Eis und hat deutlich an Schwung verloren.


Dabei kommen wir nicht daran vorbei, die Debatte, besser den Dialog, neu zu starten. Denn: In der Landwirtschaft muss sich einiges ändern. Wobei es „die Landwirtschaft“ nicht gibt. Die Unterschiede der Rahmenbedingungen und Wirtschaftsweisen für die Bauern zwischen Ost- und Bodensee sind groß. Und Vorurteile gegenüber vielen konventionell arbeitenden Landwirten sind so maßlos wie falsch. Zumal festgehalten werden muss: Sie tun nichts Verbotenes – zumindest in der Regel.


Biologischer Landbau ist erstrebenswert, doch von heute auf morgen nicht zu machen. Obendrein stellt sich die Frage, ob der Markt ein höheres Angebot an Biowaren überhaupt verkraften kann – oder will. Denn am Ende entscheidet der Kunde an der Ladentheke, ob er bereit ist, einen höheren Preis für derartige landwirtschaftliche Produkte zu bezahlen, oder den Kauf des Apfels, der vielleicht nicht mehr so makellos aussieht, überhaupt in Betracht zu ziehen. Danach sieht es zu Zeit an den Einkaufsmärkten nicht aus.


Im Umkehrschluss heißt dies auch, dass aus Regionen, in denen unsere Standards nicht gelten, gerne günstig eingekauft wird. Verschärft man diese Standards mehr und mehr, verschärft sich auch das Ungleichgewicht und gerade für unsere kleinstrukturierten Landwirtschaften hat dies über kurz oder lang fatale Folgen. Die Konsequenz: Die kleinen Höfe geben auf, die großen werden immer größer – und damit auch die landwirtschaftlichen Flächen. Doch gerade dies kann nicht in unserem Interesse sein – und schon gar nicht in dem der Umwelt- und Landschaftsschützer.



hansjoerg.jung@szbz.de