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Von unserem Redakteur 
Jürgen Wegner · 04.02.2020

Einmal wie die Feuerwehr...

Böblingen: Beim Selbstversuch auf der Wache im Röhrer Weg brennt der Oberschenkel, die Luft wird dünn und die Arme werden schwer

  • 22 Meter geht es hoch mit der Drehleiter. Für echte Feuerwehrleute ist da noch nicht Schluss.Bild: SDMG/Dettenmeyer

  • Dirk Hamann sieht beim Treppensteigen locker aus, doch der Schein trügt. Tatsächlich freut er sich nur darüber, dass das Ziel jetzt nah ist.Bild: Schmidt

  • Blaulicht-Fotograf Frank Dettenmeyer mit Kamer – und ausnahmsweise mit Helm.Bild: Schmidt

  • Jürgen Wegner bei der Feinarbeit mit dem Spreizer. Links der Feuerwehrmann Jonas Schumacher, dahinter Pressesprecher Tobias Wankmüller.Bild: SDMG/Dettenmeyer

Für Feuerwehrleute ist die Jacke wohl ein alter Hut. Auch der Helm ist nichts Besonderes. Bei uns ist das anders. Ungewohnt fühlt sich das an, so wie alles, was der Abend bringt. Überhaupt nicht fremd, denn die Mannschaft am Röhrer Weg sorgt für Nestwärme. Überraschend, denn auch halbwegs Form wird die Luft dünn. Ernüchternd, denn die Arbeit mit Spreizer und Co. geht nicht leicht von der Hand. Vor allem respektvoll – doch das war schon vorher klar.


Die Feuerwehr-Pressesprecher Tobias Wankmüller und Gianluca Biela hatten Journalisten in die Böblinger Wache eingeladen um Verständnis für die Arbeit der Retter zu schaffen. Die SZ/BZ ist mit stattlicher Zahl am Start, alle vier sind auf diesem Feld beileibe nicht unbeleckt. Die Blaulicht-Fotografen Frank und Marion Dettenmeyer sind so gut immer an den Einsatzstellen im Landkreis. Redakteur Dirk Hamann pflegt ebenso die kurzen Wege zu den Einsatzkräften. Wird es kritisch, sind wir draußen. Aber wie fühlt sich Feuerwehr tatsächlich an?


Drei Stationen schenken sanfte Einblicke. An der ersten geht es drei oder vier Stockwerke oder so hoch. Nicht einmal das bleibt im Gedächtnis, weil es so saumäßig anstrengend ist. Vielleicht waren es auch acht. Dabei drückt nur die Last der Jacke, der auf den Rücken geschnallten Flasche, des Helms und des Schlauchs auf Schultern, Oberschenkel, Knie und Waden. Ansonsten verfälschen flotte Jeans und schicke Sneakers das Bild. Dirk Hamann hat sich noch die Axt gepackt, aber niemand trägt die Atemmaske, die Luft geben soll und sie doch raubt. Kein Rauch vernebelt die Sicht und es geht nicht um Sekunden. Dennoch sind oben alle platt, dabei würde die Arbeit jetzt erst beginnen.


Station zwei: Auto knacken. Das wird bestimmt spaßiger, mag man denken, doch das trügt. Satte 25 Kilo wiegt der hydraulische Spreizer, der nagt und spreizt, weil er es kann und Blech biegt und Schlösser knackt. Aber nicht im Handumdrehen, sondern knabbernd wie ein Nagetier. Es dauert, bis das Schloss aufspringt, es ist ein Knochenjob, die Arme werden schwer. Nicht vorstellbar, wenn die Arbeit über Kopf laufen muss, weil ein Lkw verbeult ist. Unfassbar, dass hier ein Mensch eingeklemmt sein könnte, den es schnell und brachial und doch sanft und vorsichtig zu retten gilt und der um sein Leben ringt. Retten, nicht bergen, denn dann wäre es zu spät.


Ein kleines bisschen ist das dann Thema hinterher in der Wache, wo die Kameraden nach dem Einsatz die Köpfe zusammenstecken. Auch da sind wir dabei, weil sich das gehört. Extra Feuer gemacht haben die Feuerwehrleute, Pute, Steak und Rote gegrillt und beim Metzger Herrmann Kartoffelsalat besorgt, damit sich die Gäste auch wohl fühlen. Das ist auch so, aber dass es zum Schluss mit der Drehleiter gerade einmal auf 22 Meter hoch ging, ist nicht der Rede wert. Denn das ist kein Ruhmesblatt – und für echte Feuerwehrleute noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.


Die ganze Geschichte steht auf www.szbz.de und in der Mittwochausgabe in der SZ/BZ