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Von unserem Redakteur 
Daniel Krauter · 07.04.2020

„Einige Firmen schauen in die Röhre“

Kreis Böblingen: Viele Unternehmen sind wegen der Corona-Krise auf die Hilfskredite der staatlichen Förderbank KfW angewiesen

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Die Corona-Krise trifft Unternehmen im Kreis Böblingen immer härter: Kaum noch Aufträge, die Umsätze brechen ein. Zahlreiche Firmen sind deshalb auf Hilfskredite der staatlichen Förderbank KfW angewiesen. Bei der Vergabe der KfW-Kredite hapert es aktuell aber noch an vielen Stellen.

Das KfW-Sonderprogramm war am 23. März angelaufen. Kredite bekommen Firmen, die wegen der Corona-Krise vorübergehend in Finanzierungsprobleme geraten sind. Konkret heißt dies, dass alle Firmen, die zum 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten waren, ein Darlehen beantragen können - von kleinen und mittelständischen Unternehmen bis hin zu Großunternehmen.


Die weit überwiegende Zahl der bisherigen Anträge - ersten Schätzungen zufolge neun von zehn Anträgen - belief sich auf Kreditsummen bis zu drei Millionen Euro. Die KfW übernahm dabei einen großen Teil des Risikos der Hausbanken. Am Montag modifizierte das Bundes-Wirtschaftsministerium nun das Ursprungs-Modell und garantiert eine 100-prozentige Kreditabsicherung.


So weit die Theorie, die Praxis sieht häufig anders aus: Das kann ein Sindelfinger Unternehmer, der seinen Namen nicht in der SZ/BZ lesen will, bestätigen: „Leider hapert es bei der Schnelligkeit der Kreditvergabe. Zahlreiche Firmen, vor allem jene, die nur über geringe finanzielle Polster verfügen, benötigen wegen des wegbrechenden Umsatzes schnell Liquidität. Sonst drohen sie in die Pleite zu schlittern.“


Umfangreiche Checkliste


Die Checkliste für die Antragsteller ist – je nach Bank – umfangreich. Neben bestehenden Darlehen, „coronabedingten“ Umsatzeinbußen, Kosteneinsparungen (etwa durch Kurzarbeit) und ausführlichen Geschäftszahlen, werden auch Auswirkungen auf der Privatseite der Gesellschafter, deren finanzieller Beitrag in der Krise und ein detaillierter Liquiditätsplan bis April 2021 verlangt.


Insbesondere klein- und mittelgroße Unternehmen berichten über Schwierigkeiten, KfW-Kredite zu erhalten. Zum einen müssen die Hausbanken bisher ein Restrisiko von zehn Prozent übernehmen, zum anderen liegt die Prüfung der Kreditfähigkeit bei den Hausbanken. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Kreditvergaberichtlinien nicht eingehalten wurden, haftet die KfW nicht für diese Kredite. Gerade bei Unternehmen, die schon vor Corona zu kämpfen hatten, seien die Banken entsprechend vorsichtig mit der Vergabe. Dadurch würden Existenzen vieler Kleinunternehmer aufs Spiel gesetzt. Das unterscheidet die KfW-Kredite auch von den Corona-Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, dafür bisher aber nur für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter gelten.


„Gerade Unternehmen wie Gaststätten, die stark von der Krise betroffen sind, haben schon in normalen Zeiten keine großen Gewinne. Selbst wenn sie also Kredite erhalten, werden sie es schwer haben, diese in zwei oder fünf Jahren zurückzuzahlen“, moniert der Sindelfinger Unternehmer. Denn viele dieser Firmen lebten von ihrem laufenden Umsatz, die Margen und Rücklagen seien relativ niedrig. Durch die 100-prozentige Kreditabsicherung des Bundes dürfte nun mehr Bewegung in die Kreditvergabe kommen. Damit solche Unternehmen nicht durch das Raster fallen, müsse die Politik zusätzliche Maßnahmen beschließen. Dies habe sie am Montag erfreulicherweise getan. „Für viele Unternehmen sind andere Hilfen als Kredite nötig, um die Coronakrise zu überbrücken. Denkbar wären direkte Zuwendungen des Staates. „Die 100-prozentige Kreditabsicherung des Bundes ist ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem aber die unbürokratische Auszahlung der Soforthilfen des Landes läuft gut und ist aktuell eine ganz wichtige Unterstützung“, sagt der Sindelfinger Unternehmer.