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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 28.01.2017

„Eine Plattform für alle Arten guter Musik“

Böblingen: Gabriele Branz und Patrick Auer sprechen im SZ/BZ-Interview über das neue Programm des Kulturnetzwerks Blaues Haus

Über 6000 Besucher pro Jahr nutzen das Angebot des Böblinger Kulturtreibenden Vereins „Kulturnetzwerk Blaues Haus“. Mit rund 80 Veranstaltungen pro Jahr präsentiert sich der im Jahr 2009 gegründete und 78 Mitglieder starke Verein in seinen Räumlichkeiten auf dem Gelände der Böblinger Schönbuch Braumanufaktur.

Die SZ/BZ hat sich mit Gabriele Branz, die für die Programmgestaltung verantwortlich zeichnet, und mit dem Vorsitzenden Patrick Auer unterhalten.

Gibt es neue Schwerpunkte im Programm vom „Kulturnetzwerk Blaues Haus“?

Gabriele Branz: „Im Herbst gibt es eine kleine Reihe mit sechs Jazz-Konzerten. Die Idee dafür kommt vom ehemaligen Gitarristen von Theresa Burnette, Werner Acker, Dozent an der Stuttgarter Musikhochschule. Mit seiner Band trat er im Oktober letzten Jahres bei uns auf und fand die Atmos-phäre für ein Jazz-Konzert so toll, dass er für 2017 einen Jazz-Schwerpunkt vorschlug.“

Wer tritt auf?

Gabriele Branz: „Neben der Werner Acker Band selbst werden das Marc Doffey Quintett, das Blümlein Trio, das Uli Gutscher Trio und Ignaz Netzer mit Band spielen. Besonders stolz bin ich auf das Konzert mit Sabine Seide und Band. Die könnten wir uns normalerweise nicht leisten, aber Sabine Seide kam von selbst auf uns zu und schiebt uns zwischen zwei ihrer größeren Konzerte.“

Das Blaue Haus hat sich also inzwischen einen guten Ruf bei den Künstlern erarbeitet?

Gabriele Branz: „Absolut. Pro Tag bekomme ich zehn Anfragen von Bands. Die Termine stehen bis Ende 2018.“

Ein Publikum hat sich das Blaue Haus aber noch nicht für alle Musik-Stile erarbeite, die hier stattfinden. Auch bei großartigen Konzerten wie mit der Alternative-Rock-Band Walter Subject oder der Indie-Liedermacherin Johanna Zeul kommen manchmal nur eine Handvoll Besucher.

Patrick Auer: „Das ist leider richtig. Es ist nie hundertprozentig absehbar, wie viele Zuschauer kommen werden. Auch bei der Reihe ‘Wohnzimmer BB’, die ich mit meiner Band Alterna Story für das Blaue Haus konzipiert habe, kommen teilweise wenige Zuschauer. Aber es geht aufwärts.“

Gabriele Branz: „Im Prinzip muss man sich für jede einzelne Musikrichtung sein Publikum erarbeiten. Auch scheuen sich viele Leute, Geld für unbekannte Künstler auszugeben. Unser Ziel ist es, beim Publikum die Gewissheit zu etablieren, dass es sich um Qualität handelt, wenn es im Programm vom Blauen Haus zu finden ist. Und das werden wir auch schaffen: Hatten wir früher bei manchen Veranstaltungen tatsächlich nur fünf zahlende Gäste, sind inzwischen bei jedem Termin mindestens 20 Leute da, egal, wer auftritt.“

Ist der Eintrittspreis ein Problem?

Patrick Auer: „Bei manchen jungen Leuten habe ich den Eindruck, dass sie nicht mal bereit sind, fünf Euro für ein Live-Konzert zu bezahlen.“

Gabriele Branz: „Freien Eintritt wird es im Blauen Haus aber nicht geben. Die Leute müssen lernen, dass Musik etwas wert und nicht alles umsonst ist.“

Die Soul-Formate im Blauen Haus sind Selbstläufer, oder?

Gabriele Branz: „Bei den monatlich stattfindenden Reihen Theresa‘s Playground und Soul-Lounge kommen regelmäßig 120 Besucher, und damit ist die Bude rappelvoll. Hier haben wir unsere Nische gefunden: Hochkarätiger Live-Soul, zu dem man sich treffen und tanzen kann, mit einem Publikum zwischen 30 und 60 Jahren, wobei inzwischen auch immer mehr jüngere Besucher kommen.“

Warum also nicht hier den Schwerpunkt setzen?

Gabriele Branz: „Es ist nicht unser Kulturauftrag, ins Blaue Haus immer möglichst viel Publikum zu ziehen. Wir wollen eine Plattform sein für alle Arten guter Musik. Deswegen die Mischkalkulation: Wir machen Konzerte, von denen wir wissen, dass sie ausverkauft sein werden, um Veranstaltungen zu finanzieren, die sich ihr Publikum erst erarbeiten müssen.“

Es entsteht ein Format mit Interview-Veranstaltungen

Wie wird das Blaue Haus gefördert?

Gabriele Branz: „Mit 20 000 Euro pro Jahr von der Stadt Böblingen und 10 000 Euro vom Land.“

Welche weiteren neuen Akzente gibt es im Blauen Haus neben der Jazz-Reihe?

Gabriele Branz: „In Zusammenarbeit mit Michael Kuckenburg, der als Lehrer des Goldberg-Gymnasiums früher die Reihe ‘Gespräche am Goldberg’ konzipierte, entsteht ein Format mit Interview-Veranstaltungen. Dazu wird derzeit ein neunköpfiges Team von Michael Kuckenburg in Interview-Technik geschult. Zwei Termine stehen schon, am 30. April mit dem Tübinger Professor Michael Butter, einem Experten für Cyber-Kriminalität, und am 14. Mai mit dem Radio-Journalisten Stefan Siller, bekannt durch das Format „SWR1 Leute“. Außerdem wird sich das Blaue Haus mit zwei Lesungen im Herbst an den Literaturtagen von Böblingen und Sindelfingen beteiligen.“

Info

Das Kulturnetzwerk Blaues Haus ist unter der Adresse www.kulturbh.de im Internet zu finden.

Gabriele Branz (Programmleitung) und Patrick Auer (Vorsitzender) vom Vorstand des Kulturnetzwerks Blaues Haus, zu dem außerdem Sebastian Werner, Andreas Münster, Anja Küfner und Patrick Sieß gehören. Bild: Staber