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30.05.2020

Eine ganz 
starke Leistung

Standpunkt: Abschlussklassen

Von Jürgen Wegner

Trotz Corona: Abgerechnet wird am Schluss und noch liegt längst nicht jede Lösung auf dem Tisch. Doch wenn man sich umhört, kündigen sich in diesem Jahr bei der Fülle der Abschlussklassen vielleicht keine großen Ausreißer an. Ob Abitur oder Hauptschule, Geselle und was es sonst noch so alles zu bestehen gibt.


„In diesem Jahr“ muss man eigentlich in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen schreiben. Denn wie bitte soll man sich bei diesen Voraussetzungen anständig auf eine Prüfung vorbereiten? Man mag das Bild vor sich haben von Papa und Mama im Homeoffice, die sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren können, weil die Kinder am Rockzipfel ziehen. Andersrum wird aber genauso ein Schuh draus, der auf jeden Fall an allen Ecken und Enden drückt.


Es hat erst einmal gedauert, bis sich das Homeschooling eingependelt hat und geregelte Lernzeiten durch Tele- und Videokonferenzen einen Rahmen gaben. Genau diesen brauchen Heranwachsende mindestens so sehr wie die Großen, wenn nicht noch mehr. Zunächst einmal war aber vieles Stückwerk. Es galt, das Pensum selbst einzuteilen, Aufgaben bis zum Zeitpunkt x zu erledigen. So läuft das vielleicht in späteren Projektarbeiten überall. Doch ein verlässlicher Unterricht zu verlässlichen Zeiten befreit von der Last der Selbstorganisation, der bei Schülern zusätzlich auf die Schultern drückt.


Wer meint, das könne eine Videokonferenz ersetzen, unterschätzt den Wert sämtlicher auch nonverbaler Kommunikationsarten. Ganz zu vergessen, dass es zu Hause nicht nur Verlockungen gibt, die vom Lernen abhalten, sondern bisweilen unerträgliche Rahmenbedingen. Manchmal ohne Schreibtisch, manchmal ohne Platz. Manchmal mit blank liegenden Nerven ausgerechnet im Kreis derer, die eigentlich den Rücken stärken sollen.


Umso größer muss der Respekt bei allen Absolventen ausfallen. Und wenn etwas daneben ging? Nicht vergessen, es ist ein gnadenlos schwieriges Jahr.



juergen.wegner@szbz.de