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Von unserer Mitarbeiterin Renate Lück · 28.09.2016

Ein neues Leben gefunden

Sindelfingen: Primiz-Gottesdienst von Pater Petar Komljanovic

Ein Primiz-Gottesdienst ist der erste öffentliche Gottesdienst nach der Priesterweihe. Da Pater Petar Komljenovic zwischen Sindelfingen, wo er geboren wurde, und Sanski Most, wo seine Eltern herstammen, pendelt, hat er auch zweimal Primiz gefeiert.

Mit der Stadtkapelle zog der frischgebackene Pfarrer am Sonntag im Kreise der Hausherren und Gäste vor die Dreifaltigkeitskirche, in der ihn die kroatische Gemeinde, seine Familie und viele Freunde und Weggefährten erwarteten. Es wurde eine festliche Messe mit viel Musik und der lebhaften Predigt des Theologie-Professors Anke Akrap aus Split. Benediktiner-Pater Johannes Rathgeber freute sich über den neuen Mitbruder – „Auch wenn es ein Franziskaner ist“ – und Pater Ivica Erceg, seit sechs Jahren Leiter der kroatischen Gemeinde, und weitere Priester halfen beim Zelebrieren. In der Mitte stand Petar Komljenovic und strahlte. Es war die erste Primizfeier seit der Gründung der kroatischen Gemeinde in Sindelfingen 1970. Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer würdigte die Rolle der Kroaten bei der Entwicklung der Stadt.

Petars Mutter Marija kam nach Deutschland um Lehrerin zu werden, arbeitete dann aber als Arztlaborantin. Sein Vater, der 1995 starb, war 30 Jahre bei der IBM. Zwei seiner Brüder haben sich in der Computer-Branche etabliert, einer in der Logistik. Dass er Priester werden würde, war nicht vorgezeichnet. Die Familie wohnte in der Turmgasse. Petar ging in die Grundschule in der Gartenstraße und besuchte das Stiftsgymnasium. Mit seinen Freunden feierte er Partys oder spielte Fußball. „Es war eine wunderbare Zeit.“

Nach der Firmung ging er nicht mehr in die Kirche. „Die Bibel kam mir wie ein Märchenbuch vor als Vertröstung der Menschen“, sagt er. In der Schule wählte er Religion ab, besuchte den Ethik-Kurs und begann zu lesen. „Der Faust und Galileo Galilei faszinierten mich. Bei Kant und Hesses Siddhartha entdeckte ich die Poesie der deutschen Sprache.“ Er beschäftigte sich mit Büchern, in denen Lebensfragen behandelt werden.

Nach dem Abitur die Frage: „Nun steht dir alles offen, was machst du jetzt?“ Er jobbte erst einmal beim Daimler, begann ein Studium für Grafikdesign und Medien, brach es nach einem Jahr ab und grübelte: Warum und wozu leben wir?, Wie hat alles angefangen? Was ist die Wahrheit? „Ich suchte den Sinn des Lebens in der Esoterik, in Astrologie und Horoskopen, im Hinduismus, bis ein Freund zu mir sagte: Man könnte auch die Bibel lesen. Da hatte ich das Schlüsselerlebnis. Im Neuen Testament sagt Jesus: Ich bin die Wahrheit und das Leben.“

Er ging wieder in die Kirche, fand gute Priester und erlebte bei einer Reise mit Jugendlichen in Kroatien einen lebendigen Glauben, wo Menschen von Gott erzählten. Er begann, die Bibel zu lesen und zu beten. „Ich hatte für mich den Sinn des Lebens darin entdeckt, dass Gott uns geschaffen hat, um uns Anteil an seinem Leben zu schenken, damit wir glücklich sind. Diese tiefe Erfüllung hat mich dermaßen getragen und trägt mich noch. Die Ewigkeit ist das Charakteristikum Gottes.“

So habe ein neues Leben begonnen. Er studierte in Tübingen Theologie, ging ins Franziskanerkloster in Split, das seit 1970 Gemeindeleiter nach Deutschland schickt, und erhielt dort vom Bischof die Priesterweihe. Im Oktober beginnt sein Dienst als Kaplan in München. In einem fünfköpfigen Team betreut er dann 50 000 Kroaten. Sein heimlicher Wunsch ist, eines Tages zurückzukommen und eine deutsche und kroatische Gemeinde zu übernehmen. „So könnte ich mich bedanken für alles, was ich in Deutschland erlebt habe.“