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Von Matthias Staber und Hansjörg Jung · 07.12.2017

Ein Kniff für Personal im Tiefbauamt

Böblingen: Haushaltsvorberatungen in den Ausschüssen / Neue Stellen für die Stadtverwaltung

Die Böblinger Stadtverwaltung wird im kommenden Jahr ihr Personal aufstocken. Dies geht aus dem Stellenplan hervor, den Hauptamtsleiter Achim Schröter im Verwaltungsausschuss vorgestellt hat. Demnach wächst das Personal rechnerisch um 21,3 Stellen, faktisch jedoch nur um 8,46 Stellen. Die Personalkosten steigen von rund 41,5 Millionen auf 43,1 Millionen Euro. Wegen einer Anpassung bei der Musikschule weicht der rechnerische vom tatsächlichen Stellenzuwachs ab: Dort waren knapp 13 Stellen zwar schon vorhanden, bislang jedoch noch nicht im Stellenplan erfasst. „Die Zeichen stehen auf Wachstum und Wandel“, begründet Achim Schröter die Notwendigkeit, im Böblinger Rathaus das Personal aufzustocken: Die Stadt sei in den letzten acht Jahren um 5200 Einwohner gewachsen. Konkret seien die Ausweitung des Ganztagsbetreuungs-Angebots an Horten und Grundschulen sowie der ansteigenden Personalbedarf für die Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen ein Hauptgrund für den gestiegenen Personalbedarf.

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Ob sich alle neu geschaffenen Stellen tatsächlich besetzen lassen, sei fraglich, so Achim Schröter. So sei etwa bei Fachkräften im Erziehungsbereich der Arbeitsmarkt leer gefegt. „Nur allein über bessere Bezahlung lässt sich dieses Problem nicht lösen“, so Schröter: „Die anderen Kommunen ziehen nach, und irgend jemand zahlt immer besser.“ Stattdessen müsse Böblingen über Alternativen nachdenken, „wie wir als Arbeitgeber attraktiver werden können. Auch im Ausbildungsbereich müssen wir mehr machen, obwohl wir in den letzten vier Jahren die Zahl unserer Ausbildungsplätze verdoppelt haben.“ Eine Sofortmaßnahme findet die einstimmige Zustimmung des Verwaltungsausschusses: Befristete Stellen bei der Böblinger Stadtverwaltung sollen künftig auf zweieinhalb statt auf anderthalb Jahre angelegt sein. „Dies wird den Fachämtern helfen“, so Achim Schröter.

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Insgesamt hatten die Böblinger Fachämter 36 zusätzliche Stellen gefordert. Davon wurden 16 bereits intern nicht befürwortet und demnach dem Verwaltungsausschuss gar nicht erst zur Beratung vorgelegt. Der Aufstockung um knapp neun Stellen hat das Gremium einstimmig zugestimmt.

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„Wenn es die Stadt nicht kann, dann muss es eben jemand anders machen“, sagte CDU-Rat Dr. Willi-Reinhardt Braumann bei den Haushaltsvorberatungen gestern Abend im Technischen Ausschuss des Gemeinderats. Hier schaukelte sich die Diskussion insbesondere bei einem Antrag der Grünen über dringende Verbesserungen im Radwegenetz hoch. Doch am Ende ging es auch hierbei um die offenbar dünne Personaldecke in der Tiefbauverwaltung. Die Verwaltung hatte im Prinzip gegen den Antrag nichts einzuwenden, verwiese aber auf die bevorstehende Gründung einer AG-Mobilität, die sich des Problems annehmen sollte. Das Problem: Diese Anträge seien bereits im letzten Jahr an die zu gründende AG verwiesen worden, die es allerdings bis heute noch nicht gebe. So sei das Jahr 2017 „ungenutzt“ verstrichen, schreiben sie in ihrem Antrag. Deshalb wollten sie und auch Vertreter der anderen Fraktionen im Ausschuss nicht mehr länger warten. Denn diese „ notwendigen Verbesserungen“ müssten umgehend angegangen werden, bevor sich Unfälle ereigneten, mahnte Grünen-Rat Dr. Stefan Belz.

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Also die zur schnellen Bearbeitung Planung fremd vergeben? Das Dilemma in der Tiefbauverwaltung liegt tiefer. Am Ende gehe es gar nicht um die Planung, sondern um die Schnittstelle im Amt, die zunächst die Projekte aus der AG auf den Weg bringt, den Planer und die Umsetzung betreut. Selbst dazu fehlt dem Böblinger Tiefbauamt offenbar die Kapazität. Bereits im letzten Jahr sei eine Stelle ausgeschrieben worden – vergeblich. Auch hier sei der Markt leergefegt, sagte OB Wolfgang Lützner, andere Wettbewerber um gutes Personal, könnten besser bezahlen als die Verwaltung. Deshalb will die Rathausspitze mit einem Kniff um geeignete Kräfte buhlen: Eine der städtischen Töchter, die eine solche Stelle besser dotieren könnte, soll die Einstellung übernehmen. Ob dieses Konstrukt allerdings tragfähig ist, muss erst noch geprüft werden. Um den guten Willen zu demonstrieren und ein „politisches Zeichen“ zu setzen, hob auch OB Lützner zum einstimmigen Beschluss die Hand, 150 000 Euro für das Radwegenetz in den Haushalt 2018 einzustellen. Auch wenn dies keinen Sinn macht, da das Geld voraussichtlich nicht abgerufen wird. „Wir sind uns doch einig“, sagte der OB.

Der Stellenplan im Böblinger Rathaus wächst. Bild: Stampe/A