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Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter · 14.02.2018

Ein großer Tag für Ross und Händler

Leonberg: Zum 327. Mal lockte gestern der traditionelle Pferdemarkt Tausende in die Innenstadt / Party in den Altstadtlokalen bis in den frühen Morgen

So viel Mist fällt nur an einem einzigen Tag im Jahr vor dem Rathaus in Leonberg auf dem Marktplatz an: beim traditionellen Pferdemarkt. Rossbollen überall: einerseits mit herbem Duft verteilt auf dem Straßenpflaster, andererseits schmackhaft mit Marzipan ummantelt in der Bäckerei.

101 Pferde waren beim Handel angemeldet, aber zum Verkauf auf dem Marktplatz standen dann wesentlich weniger Vierbeiner: Schwarzwälder und Süddeutsches Kaltblut, Haflinger, Altwürttemberger, Oldenburger, Rheinisch-Deutsches Kaltblut und sogar ein Quarter-Mix.

Die weitaus meisten Besucher kamen allerdings auf den Leonberger Marktplatz, nicht um ein Pferd zu kaufen, sondern weil sie Freude an Pferden haben. Der Kauf wird allerdings auch immer weniger auf den Pferdemärkten klar gemacht, erzählt einer der Händler. Die interessierten Pferdekäufer schauen sich den Gaul an, lassen sich die Telefonnummer des Händlers geben und melden sich wenige Tage nach dem Markt. Auf der Pferdeschau sind einige, darunter besonders Kinder, mit Tragetaschen unterwegs. Die Pferde, die sich gerne streicheln lassen, bekommen dann ein Leckerli. Das sehen die Händler eigentlich gar nicht gern und es ist zudem auch nicht erlaubt.

In den Seitengassen links und rechts vom Rathaus konnten die Händler ihre Pferde von extra angereisten Preisrichtern bewerten lassen. Darunter Helmut Kayser, der seit 40 Jahren die Prüfungen jedes Jahr abnimmt. An seiner Seite Dr. Wilhelm Hornauer vom Veterinäramt des Kreises und Eberhard Geiger vom Landwirtschaftsamt. Das Angebot nahmen nahezu alle wahr, denn dadurch ist ein höherer Preis für das Pferd zu erzielen und die Stadt Leonberg bezahlt Prämien.

Bereits zum 327. Mal fand der Pferdemarkt in Leonberg statt. Kein Jubiläum, aber eine Premiere gab es trotzdem: Es war der erste Pferdemarkt mit dem neuen Oberbürgermeister von Leonberg, Martin Kaufmann, der zu einem Empfang eingeladen hatte. Der OB saß am Nachmittag auch in der von Pferden gezogenen Kutsche mit seinen Ehrengästen und fuhr beim Festzug mit.

Seit Freitag wird das Fest in Leonberg schon gefeiert. Der Haupttag war gestern am Dienstag mit dem Markt und der Pferdeschau mit Gespannwettbewerb im Reiterstadion und einer Schau von 90 Zuchtstuten davor. Gestern endeten die fünf Festtage.

Auf dem Marktplatz waren neben den Pferden auch Händler mit ihren Ständen, an denen Pferdezubehör angeboten wurde.

Wer vom Pferdemarkt auf dem Marktplatz zur Prämierung und zum Gespannwettbewerb wollte, der musste fast zwangsläufig durch die Steinstraße gehen oder sich eher zwängen. Dort hatten links und rechts die Markthändler ihre Stände aufgebaut. Manche Marktschreier boten lauthals die neuesten und besten Hilfsmittel für den Haushalt an, wie den Duo-Spargelschneider. Auch einen kleinen Vergnügungspark direkt beim Reiterstadion gab es.

Beim Gespannwettbewerb mit Einspännern bis zum, wenn auch nur einem, Zehnspänner, säumten die Zuschauer vor allem die Hauptkurve des Stadions. Insgesamt fuhren 120 Ein- und Mehrspänner vor, die Hälfte waren Einspänner. Eine Vorführung der Leonberger Hunde gab es ebenfalls im Reiterstadion.

Am Nachmittag als Abschluss der Programmpunkte beim Pferdemarkt der große Umzug, der sich in der Nähe des Leo-Centers in Bewegung setzte und nach einer Runde ums alte Rathaus in der Seestraße endete. 104 Gruppen nahmen daran teil. Darunter immer wieder Musikkapellen, insgesamt 22. Ganz vorne die „Fidelen Hornisten“ aus Hessen. Der zweite Wagen rief „550 Jahre Rathaus Leonberg“ in Erinnerung, wer hätte es gedacht. Die prämierten Pferde liefen mit und später auch die Kutschen, mehrspännig gezogen.

Das Ehrenamt wurde in einem Wagen gewürdigt und auch Superman, Dracula und das Dschungelbuch waren dabei. „Fit wie ’n Turnschuh“, wie es auf einem der Wagen hieß, waren dann auch mehrere Sportgruppen im Umzug. Die Hunde, die erstmals in Leonberg gezüchtet wurden und den Namen der Stadt tragen, liefen mit und in einem Wagen hieß es feiern, auch wenn die Zahl 45 nicht gerade eine Jubiläumszahl ist, aber so alt wird das Leo-Center in diesem Jahr. Neben den Leonberger Hunden liefen auch die „Schwyzer Bärli“ vom Schweizer Sennenhund-Verein mit.

Etwas Mittelalter-Stimmung dann mit den Rittern und Landsknechten der beiden Renninger Gruppen „Rittersleut zu Randingen“ und dem „Ritterbund“. Ziemlich am Schluss eine ganze Menge Fasnetsgruppen: Garden, Elferräte, Schmuggler, Guggenmusiker, Teufel, Hexen und Dämonen. Leonberg ist nicht nur Pferdemarktstadt, sondern hat auch eine Prinzessin, Sabrina die Erste vom Karnevalsverein Leonberg.

In den Lokalen in Leonberg, darunter eine ganze Reihe von Altstadtkellern, die nur einmal zum Pferdemarkt öffnen, wurde noch kräftig bis in die Nacht gefeiert.

SZ/BZ-Mitarbeiter Heinz Richter schreibt gerne über Menschen und Tiere.

Dicht gedrängt standen die Zuschauer beim Leonberger Pferdemarkt. Die wenigsten wollen gleich einen Vierbeiner kaufen. Das wird in den nächsten Tagen am Telefon abgewickelt. Bild: Richter