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Von Jürgen Wegner · 13.01.2018

Ein Fall für die Profis

Standpunkt: Pressefotografen wissen, was sie tun

Ganz nah dran: Marcus Sehner hat auf der Facebook-Seite der SZ/BZ eine berechtigte Frage gestellt: „Wieso steht die Presse mittendrin und macht es den andern vor?“ Die Geschichte dazu dreht sich um einen Unfall am Mittwochabend in Böblingen. Zu den Protagonisten gehören Schaulustige, die den Einsatz behindern und ihr Handy zücken, um damit Bilder zu schießen. Manche landen vielleicht in Echtzeit im Livestream oder hinterher im Netz. Ethische Fragen spielen keine Rolle, Persönlichkeitsrechte werden mit Füßen getreten.

Auch die Presse schießt Bilder und dreht Videos. Man kann, vielleicht sollte man sich sogar kurz die Zeit nehmen und darüber nachdenken, ob das so in Ordnung ist. Denn am Ende wird man zum Schluss kommen, dass das einfach sein muss. Denn es gibt entscheidende Unterschiede, die sich im Prinzip mit einem Satz zusammenfassen lassen: Denn sie wissen, was sie tun.

Über allem steht die Frage, ob überhaupt berichtet und fotografiert werden muss. Die Antwort ist einfach. Die Menschen haben ein Recht darauf zu erfahren, was los ist. Ein klares Indiz für die Relevanz eines Ereignisses ist immer die Aufmerksamkeit, die es erregt. Im Sport oder auf der Bühne spricht man dabei übrigens von Besucher- oder Zuschauerzahlen.

Zur Relevanz kommt die Objektivität, also das Bestreben, korrekt und der Sache gerecht zu berichten, ohne aufzubauschen oder zu verharmlosen. Je besser das geschieht, desto weniger Platz für Spekulationen bleibt übrig – womit die Brücke geschlagen ist zum vielleicht wichtigsten Punkt: Der Bewertung des Augenblicks und der Durchsicht des Materials.

Sowohl der Fotograf vor Ort, als auch der Redakteur im Büro wissen um Persönlichkeitsrechte, kennen den Wert der Pressefreiheit und wissen damit umzugehen. Der Grat dessen, was gezeigt werden muss und was verborgen bleiben soll, ist nicht einfach zu begehen. Profis wissen, diesen zu beschreiten.

Genau aus diesen Gründen sind ausgebildete Bild-, Text- und Video-Journalisten an Einsatzstellen entgegen aller Hollywood-Klischees gerne gesehen. Sie behindern keine Retter und keine Polizisten. Und weil sie keine verbrannte Erde hinterlassen, werden sie auch direkt an den Ort des Geschehens geführt. Berufs- und Hobby-Paparazzi braucht aber kein Mensch.

juergen.wegner@szbz.de