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31.12.2014

Ein Auto, das alleine fährt

Entwickelt wurde der Viersitzer zunächst von Akka, und nachdem der französische Entwicklungskonzern 65 Prozent an der vorher 100-prozentigen Daimler-Tochter MB-Tech Group GmbH & Co. KGaA übernommen hatte, auch von Ingenieuren in Sindelfingen.

Begonnen wurde im Jahr 2010: Zunächst war die Entwicklung ein digitales Projekt. Weil es aber von der Region Yvelines bei Paris Geld (1,3 Millionen Euro) gab, entstand daraus ein Prototyp, der 2011 als Astute Car beim Genfer Autosalon vorgestellt wurde.

Mit drei Millionen Euro Entwicklungskosten pro Jahr wurde daraus das Mobilitätskonzept Link & Go, das zwar 2013 und 2014 bereits zu den Attraktionen des Genfer Autosalons zählte, das aber nun erstmals in Mönsheim autonom über die Straßen rollte.

„Vergessen Sie alles, was Sie bisher entwickelt haben“, sagte Philippe Obry, Direktor für Innovationsmanagement bei Akka-Research, den Ingenieuren. Die zweite Vorgabe sei gewesen, die Ingenieure sollten sich im Haus bei ihren Kollegen vom Schienenverkehr und von der Luft- und Raumfahrt umsehen. Ansonsten sollten sich die Entwickler durch die bisherigen Regeln und Gesetze nicht bremsen lassen.

20 km/h: ein vorsichtiger Anfang

Bei den Kollegen der anderen Branchen abzuspicken habe sich gelohnt, sagt Obry: „Das Lenkung und Steuerung komplett elektronisch bedient werden, gibt es in der Luftfahrt seit 30 Jahren.“ Für Autos entspräche das nicht der aktuellen Gesetzgebung.

Allerdings kann das Link & Go auch manuell, mit Steuerknüppeln, gelenkt werden. Die Höchstgeschwindigkeit liege da bei 60 bis 70 Stundenkilometern, sagt Jean-Charles Marcos, der bei Akka zwischen Sindelfingen und Lyon (Frankreich) pendelt. Beim autonomen Fahren seien 40 bis 50 Kilometer pro Stunde möglich.

Bei seinem ersten Straßenauftritt beschränkte sich das Link & Go allerdings auf 20 Kilometer pro Stunde. „Wir wollen uns erst einmal vorsichtig unserer Umwelt anpassen“, sagt Marcos. Das geschieht über einen Lidar-Laser auf dem Dach, eine Mischung aus Radar- und Lasergerät. Dieses liest die Umgebung 200 Meter vor und hinter dem Fahrzeug. Der Rechner im Wagen setzt die Daten innerhalb von Millisekunden in ein dreidimensionales Bild um. Um sich auf der Straße zu orientieren, benötigt das Link & Go deshalb dort keine weißen Linien.

Das Link & Go wird in der jetzigen Form nicht in Serie gehen. Einerseits, weil MB-Tech und der Mutterkonzern Akka den Herstellern keine Konkurrenz machen will. Andererseits arbeiten bereits 200 Ingenieure am Nachfolgemodell Link & Go 2.0.

Das Ziel: Ein Fahrzeug soll, selbst beim Car-Sharing, den Fahrer wiedererkennen und ihm Dienstleistungen anbieten – etwa Meetings organisieren oder den sonntäglichen Familienausflug.

Karlheinz Reichert