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Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann · 05.10.2017

Dribblings und Spickzettel

Böblingen: Heimspiel für das Blümlein Terzett im Blauen Haus

Seit rund vier Jahren wohnt der viel beschäftigte E-Bassist Dirk Blümlein nun schon in Böblingen. Am Montagabend hat er nun erstmals im Blauen Haus gespielt, vor wenig Publikum zwar, dafür aber mit den wie er selbst auch glänzend aufgelegten Mitstreitern des Blümlein Terzetts. Präsentiert haben sie instrumentale Jazzstücke mit Pfiff und augenzwinkerndem Hintersinn.

Es fällt auf, dass Blümlein, seit 2003 Hausbassist bei „Fools Garden“, sich für seine Kompositionen von Ereignissen aus der Welt des Sports inspirieren lässt.

Ein sich nicht richtig ausrollen lassendes Tipp-Kick-Spielfeld gab ihm die Idee zum Stück „Die Macht der Adhäsion“, und das 2003 bei einem Europapokalspiel des VfB Stuttgart gegen Celtic Glasgow von Wolf Dieter Poschmann geäußerte Reporterbonmot „So klärt der Schotte“ spielt auf musikalische Weise die damalige Achtelfinalpartie durch.

Hört man dem Blümlein Terzett aufmerksam zu, dann fallen einem auch dort Spielzüge auf, die sich mit Begriffen aus der Sportwelt beschreiben lassen. Da werden Doppelpässe vorgenommen, wird raffiniert kombiniert, die Abwehr in Gestalt eines rhythmisch die hinteren Räume ausfüllenden Schlagwerks (Eckhard Stromer) steht felsenfest, leitet nicht selten neue Aktionen ein oder gibt das Tempo vor.

Dirk Blümlein am E-Bass versteht sich nicht nur auf Standardsituationen (Akkorde), sondern unternimmt auch immer wieder fingerfertige Dribblings. Andreas Francke am Saxofon steht dem Libero in Melodie gebender Hinsicht in nichts nach, etwa wenn schnelle Triolen an Täuschungsmanöver im Zweikampf erinnern.

Auch wenn die Gangart manchmal ruhig und gemächlich ist (das Stück „In Heimsheim daheim sein“ strahlt Geborgenheit aus), so ist der Zug zum Tor doch stets auch hier zu spüren, bei den groovenden Nummern sowieso („Ganze Hosen“ kombiniert Funk mit fettem Bass, knackigen Beats und einem lyrischen Saxofon).

Und dass beim „klärenden Schotten“ für einen kurzen Moment Reggaerhythmik aufscheint und das Terzett „I shot the Sheriff“ zitiert, passt zur emotionalen Achterbahnfahrt des damaligen Spiels, bei dem der VfB nach knapp 20 Minuten nur noch zu zehnt agieren durfte.

Und noch eine Parallele zum Fußballspiel gab’s: Wie einst Torwart Jens Lehmann zog auch Dirk Blümlein immer wieder einen Spickzettel aus der Hosentasche – um abzulesen, welcher Titel als nächstes auf dem „Elfmeterpunkt“ im Blauen Haus losgetreten würde.

Wenn im kommenden Jahr das in Arbeit befindliche nächste Album des Terzetts aufgenommen sein sollte, wäre die Böblinger Heimspiellocation für Blümlein und seine beiden Kollegen sicher die richtige Adresse für ein weiteres Testspiel.