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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 13.08.2010

Dressurpferde vor Hindernisritt

Weil der Stadt: Die Familie Porsche will im Landschaftsschutzgebiet "Mönchsloh" eine Dressurpferdezucht aufbauen

Den Bauantrag, den der Technische Ausschuss des Weil der Städter Gemeinderats am 21. Juli einstimmig und ohne große Diskussionen abgesegnet hat, wurde gestellt von der Frau Dr. Oliver Porsches. Als Neffe des derzeitigen Porsche-Clan-Führers Wolfgang Porsche, gilt der promovierte Jurist als Kronprinz und kommende Porsche-Führungsfigur für die vierte Generation.

 

Es handle sich bei der beantragten Anlage um einen Zuchtbetrieb für wertvolle Dressurpferde und keine Reitanlage, sagt Arnd Jocher, Leiter des Bauamtes Weil der Stadt. Fremdpferde sollen dort nicht untergestellt werden. Die Zucht soll ein Areal von rund fünf Hektar mit etwa 2000 Quadratmeter überbauter Fläche umfassen. Geplant ist eine 1260 Quadratmeter große Reithalle. 180 Quadratmeter groß werden die Stallungen mit zwölf Pferdeboxen, angebautem Lager und darüber liegenden Mitarbeiter-Wohnungen. Dazu kommt ein 140 Quadratmeter, an die Reithalle angrenzender, Vortragsraum. Und zuletzt ein Wohngebäude von 380 Quadratmeter Grundfläche mit Swimming-Pool im Untergeschoss.

 

Landratsamt muss prüfen

 

Nachdem der Ausschuss die Pläne einstimmig abgesegnet hatte, wurden die zur Prüfung ans Landratsamt weitergeleitet. Weil der Stadt ist die genehmigende Baubehörde, da es aber um ein Landschaftsschutzgebiet außerhalb existierender Bebauungspläne geht, muss die Kreisbehörde den Antrag unter landwirtschaftlichen, naturschutzrechtlichen und abwasserrechtlichen Aspekten prüfen.

 

Zentral ist dabei die Frage, ob beim Betrieb eine landwirtschaftlich privilegierte Nutzung vorliegt, eine Hauptbedingung für eine Ansiedlung abseits der Stadt mitten im Grünen, erläutert Wolf Eisenmann, Erster Landesbeamter im Böblinger Landratsamt. Drei Punkte seien maßgeblich: Ob das Betriebskonzept Erfolg verspricht, hinreichend Fläche vorhanden ist für Futtergrundlage im Eigentum und ob der Betrieb auf langfristige Nutzung - Nachhaltigkeit - angelegt ist. Auch unter naturschutzrechtlichen Aspekten, die im Falle einer Privilegierung zurücktreten können, sehe es derzeit so aus, als ob das Projekt genehmigungsfähig sei.

 

Abgeschlossen sei die Prüfung Mitte kommender Woche. "Das ist das normale Tempo", sagt er auf Anfrage der SZ/BZ. "Wir sind gut beraten, wenn wir Leuten mit besonderem Namen keinen Vorteil gewähren. Der Name darf aber auch kein Nachteil sein."

 

"Gehört in den Gemeinderat"

 

In Reihen des Gemeinderats indes herrscht mittlerweile Argwohn, ob hier nicht die Sommerpause genutzt wurde und wird, um ein anfechtbares Projekt möglichst geräuschlos durchzubringen. Grünen-Stadtrat Wolfgang Fischer, der im Urlaub weilte, als der Technische Ausschuss ohne schriftliche Unterlagen sein Placet gab, ist der Meinung, ein Projekt dieser Größenordnung gehöre vor den Gemeinderat. Da der Ausschuss es aber versäumte, die Sache an jenen zu delegieren, könnte Bürgermeister Hans-Josef Straub mit seiner Unterschrift nach Erhalt der Stellungnahme aus dem Landratsamt die Baugenehmigung zügig erteilen.

 

Nachdem Fischer nun Kollegen auf die Größenordnungen dieser millionenschweren Investition hingewiesen hat, bekommen die ersten kalte Füße, sagt der Grünen-Stadtrat: Einige stünden zu ihrer Entscheidung, andere würden nun gerne anders entscheiden, so Fischer.

 

Der Grünen-Stadtrat will jetzt zu den fünf Stimmen seiner Fraktion zwei weitere Gemeinderatsstimmen sammeln. Diese sieben Stimmen seien nötig, um Straub zur Einberufung einer Gemeinderatssitzung zu zwingen. Dann könnte die Porsche-Zucht noch gekippt werden: Die Hauptsatzung biete im Paragraph 7 dem Gemeinderat die Möglichkeit, jeden noch nicht vollzogenen Beschluss des Technischen Ausschusses aufzuheben.

 

"Um einer ganz kleinen Gruppe von Menschen etwas Gutes zu tun, nimmt man der Gesamtbevölkerung einen ansehnlichen Teil unseres Erholungsgebietes und greift in ein aus guten Gründen so definiertes Landschaftsschutzgebiet ein", lautet Fischers generelle Kritik. Auch wenn auf dem Gelände bis zu 25 Arbeitsplätze geschaffen würden, sieht er keine nennenswerten Vorteile für die Stadt.

 

Besichtigung am Samstag

 

Wolfgang Fischer hat den Gemeinderat und Interessierte zu einer Geländebesichtigung unter Führung von Alan Knight vom Naturschutzbund Weil der Stadt am Samstag, 14. August, um 17 Uhr, eingeladen. Treffpunkt ist die Alte Renninger Straße, Abzweigung Grundweg in Richtung Güthler Hof.