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Von unserem Mitarbeiter Edip Zvizdiç · 14.02.2018

„Diese Chance muss ich ergreifen“

Handball: Tim Großmann wechselt zur kommenden Saison von der HSG Schönbuch zum ambitionierten Drittligisten SV Salamander Kornwestheim

Im November fragte SV Salamander Kornwestheim eher lose an. Zwei Monate später nimmt sich Tim Großmann ein Herz und wagt den Sprung nach oben. Zur kommenden Saison wechselt der 25-jährige Wahl-Hildrizhausener von der HSG Schönbuch zum Handball-Drittligisten nach Kornwestheim, der mit aller Kraft ans Tor zur 2. Bundesliga anklopft.

„Diese Chance musste ich einfach ergreifen“, ist Tim Großmann überzeugt, dass er die richtige Entscheidung bezüglich seiner sportlichen Zukunft getroffen hat. Vor rund zwei Monaten hatte Alexander Schurr den 25-Jährigen nach seinen Plänen für die nächste Saison befragt und ihm so erstmals diesen Floh ins Ohr gesetzt. Daraufhin lud der Trainer des SV Salamander Kornwestheim Tim Großmann zu einem Drittligaspiel ein, damit Tim Großmann die Atmosphäre aufsaugen konnte, und schließlich zu einem Probetraining, um Team und Umfeld kennenzulernen. „Nach dem Training saß ich dann mit dem Trainer und dem Vorstand zusammen, und sie haben mir ihre Ideen nähergebracht“, erinnert sich Tim Großmann.

Bereits die ersten Eindrücke waren dermaßen positiv, dass sich beim Wahl-Hildrizhausener ziemlich schnell die Überzeugung verfestigte, den Schritt nach oben zu wagen. „Alle haben mir geraten, das Angebot anzunehmen“, sagt Tim Großmann, und fügt selbstbewusst hinzu: „Ich habe mir diese Herausforderung sofort zugetraut.“ Dass er in der kommenden Runde zwei Ligen höher spielen wird, bereitet ihm jetzt noch kein Kopfzerbrechen. „Klar wird das ein Riesenunterschied zur Württemberg-Liga. Alles wird dynamischer und schneller ablaufen und auch deutlich mehr von der Taktik geprägt sein.“

Bei der Holzgerlinger Firma Eisenmann als Inbetriebnehmer für Robotik tätig, weiß Tim Großmann, dass mit dem Wechsel auch der Aufwand deutlich höher werden wird. Anstatt weiterhin vor der Haustüre in der Schönbuch-Sporthalle zu trainieren und zu spielen, nimmt der 1,96 Meter große Linksaußenspieler die knapp 45-minütige Fahrtzeit nach Kornwestheim mehrmals pro Woche gerne in Kauf. „Ich arbeite von 6 bis 15 Uhr, das ist gut mit den Trainingszeiten in Kornwestheim vereinbar“, macht sich Tim Großmann deswegen keinen Kopf.

Im Gegenteil, er freut sich auf seinen neuen Verein, bei dem er unter Umständen sogar unverhofft zum Zweitligaspieler reifen könnte. Tatsächlich führt der SV Salamander Kornwestheim derzeit die Südstaffel der 3. Liga an und klopft damit vehement an die 2. Bundesliga Süd an. Dieser Herausforderung würde sich Tim Großmann ebenfalls stellen, auch wenn er betont, dass das „gar nicht das Ziel des Aufsteigers“ sei.

Seit dem fünften Lebensjahr spielt er Handball – zuerst bei der Spvgg Holzgerlingen, dann ab 2001 im Nachfolgeverein HSG Schönbuch. „Die Schönbuchhalle war immer meine Heimspielstätte“, klingt schon ein wenig Wehmut bei Tim Großmann mit. Bis zum Saisonende wird er sich noch das HSG-Dress überziehen, ehe ab 18. Juni das neue Kapitel in Kornwestheim beginnt.

Bis dahin will der 25-Jährige aber noch alles in die Waagschale werfen, um mit seinem Heimatverein den Klassenerhalt zu schaffen. „Es wäre ein Traum, wenn ich mich mit dem Ligaverbleib verabschieden könnte“, hat Tim Großmann ein festes Ziel vor Augen – auch wenn er sich derzeit mit einer hartnäckigen Schambeinentzündung herumplagt und zum Zuschauen verdammt ist. Um die HSG Schönbuch macht er sich trotz des derzeitigen Abstiegsranges in der Württemberg-Liga für die nächsten Jahre dennoch keine Sorgen. „Wir haben eine gute zweite Mannschaft, aus der einige Spieler hochrücken werden.“ Dass mit Thomas Dangel auch der Trainer seinen Abgang zum Rundenende erklärt hat, stuft Tim Großmann ebenfalls als nicht so schlimm ein: „Die Jungs bekommen das auch ohne uns beide hin.“ Mit Holger Breitenbacher steht der neue Coach bereits fest, der nun frühzeitig an die Saisonplanung herangehen kann.

Bleibt noch das familieninterne „Duell“ mit Ina Großmann. Tims zwei Jahre ältere Schwester wuselte schon zu Bundesligazeiten des VfL Sindelfingen durch die Sommerhofenhalle und ist auch beim TuS Metzingen in der 1. Bundesliga seit vielen Jahren schon eine feste Größe. Nach einer überstandenen Verletzung ist die 27-Jährige derzeit wieder zurück im erweiterten Kader der Nationalmannschaft. „Ich war immer stolz, dass meine Schwester so hoch gespielt hat“, wusste der jüngere Bruder diesen Umstand aber immer richtig einzuordnen. „Ich war auch nie so verbissen, ihr nacheifern zu müssen, denn in der Württemberg-Liga zu spielen war jetzt auch nicht ganz so schlecht.“ Dass auch er bald Bundesligaluft schnuppern könnte, gefällt der großen Schwester: „Ich freue mich, dass Tim die neue Herausforderung angenommen hat, und ich bin fest überzeugt, dass er sich in Kornwestheim durchsetzen wird.“

Edip Zvizdiç berichtet seit Jahren regelmäßig für die SZ/BZ aus den Hallen der Region

Sternstunde: Tim Großmann (mit Meistersektflasche) feiert ausgelassen die Landesligameisterschaft 2016 mit der HSG Schönbuch. Rechts neben ihm: David Herz. Von links: Simon Schmid, Dominik Schuler und Frederik Weihing. Bild: Photo 5/A