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Von unserer Mitarbeiterin Renate Lück · 23.07.2013

Die Zärtlichkeit der Solidarität

Böblingen: Goldenes Priesterjubiläum von Paul Schobel

Paul Schobel, der Vater aller Betriebsseelsorger, zumindest in Württemberg, hat sein goldenes Priesterjubiläum mit einer ihm gemäßen Predigt übers Goldene Kalb in der Vater-unser-Kirche in Böblingen begangen. Am Nachmittag stand aber er im Mittelpunkt aller Reden.

Alle, die direkt mit ihm zusammenarbeiteten oder es noch tun – eigentlich ist er ja schon lange im Ruhestand – waren gekommen. Im Gottesdienst wirkten Dekan Karl Kaufmann und Wolfgang Herrmann, sein Nachfolger als Leiter der Bezirksseelsorge in der Diözese mit. Ins Arbeiterzentrum kamen der frühere Dekan Helmut Streit, der ihm entscheidend in der ersten schwierigen Zeit half, die Betriebsseelsorge in der Kirche zu verankern.

Wie ablehnend auch die Gewerkschaften damals waren, konnte sich Christina Frank von Verdi überhaupt nicht mehr vorstellen. Sie kämpft Seite an Seite mit den Betriebsseelsorgern, im Moment für die Angestellten im Einzelhandel um den Manteltarifvertrag, den die Arbeitgeber – „die reichsten Männer der Republik“ – gegen Mindestlöhne auszuspielen versuchten. „Deine Predigt hat mich voll erwischt. Wir müssen den Wert der Arbeit wieder zurückerobern“, sagte die Verdi-Frau unter Tränen. Das beste Geschenk, das ihm Mitmenschen machen können, sind „Goldstücke“ seiner Schlecker-Stiftung zu kaufen, womit Schobel in Not geratenen Frauen hilft.

Die Kollegen, die aus allen Richtungen gekommen waren, hatten rund um ein gemeinsames Foto ihren Dank aufgeschrieben: „dafür, dass du uns (in Predigten, Radiobeiträgen und im Fernsehen) gelehrt hast, mit leisen, aber immer deutlichen Worten für die Menschen, für die Botschaft Jesu einzutreten.“ – „dass du dich trotz aller Niederlagen nicht hast frustrieren lassen, sondern, dass bei dir trotz aller Mühsal die Zärtlichkeit der Solidarität aufscheint, die uns immer wieder den Himmel spüren lässt.“

Pastoralreferentin Ingrid Wedl charakterisierte Paul Schobel buchstabenweise, etwa a wie analytischer Blick, der genau wahrnimmt, oder d wie differenzierend, direkt und trotzdem diplomatisch und p wie politisch und pointiert.

Im Beisein zweier Schwestern und des Schwagers erzählte der Jubilar aus seiner Jugendzeit und las aus einem Beurteilungszeugnis vor Eintritt ins Priesterseminar, „das ich gar nicht haben dürfte“, über seine Befindlichkeit und die der Familie. Große Heiterkeit erregte, dass seine Intelligenz mittelmäßig sei. Dem großen Ökumeniker dankte auch Dr. Jürgen Werner in Vertretung des evangelischen Betriebsseelsorgers Hartmut Zweigle, der erst am kommenden Wochenende in Schobels Heimatort mitfeiern kann.

Der frühere Dekan Helmut Streit war aus Rexingen gekommen, um Paul Schobel (rechts) zu gratulieren. Bild: Lück