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Von unserer Mitarbeiterin Annette Nüßle · 30.08.2016

Die Suche nach dem Geist der Berge

Sindelfingen: Um den Schneeleoparden zu schützen, war Michael Krause aus dem Hinterweil in Kirgisistan / In Höhen bis 3800 Meter

Das Interesse an Großkatzen war für Michael Krause ein ausschlaggebender Grund, als Freiwilliger für zwei Wochen in Kirgisistan einen kleinen Beitrag zur Rettung des Schneeleoparden beizutragen.

„Die Arbeit zum Schutz des Schneeleoparden oder, wie er auch genannt wird, zum ‚Geist der Berge‘ habe ich durch einen Artikel des Nabu kennengelernt“, erzählt Michael Krause. Die dortige Vorstellung von Möglichkeiten, als Freiwilliger für zehn Tage am Schutz der bedrohten Tierart mitzuarbeiten, hat ihn gleich fasziniert, und so flog er im Juli nach Kirgisistan, um im Tian-Shan-Gebirge als Laienhelfer am Forschungsprojekt, organisiert von Biosphere-Expeditions mit Sitz in England, teilzunehmen.

Die Grundvoraussetzungen wie Schulenglisch und eine gute Kondition brachte der gelernte Informatiker in Altersteilzeit mit, alles Weitere wurde ihm und den Mitreisenden vor Ort vermittelt. Galt es doch, in zwei Teilbereichen des Projekts tätig zu werden. Zum einen wurden Spuren und andere Hinterlassenschaften von Schneeleoparden und seinen Beutetieren (Murmeltiere, Schneehühner) dokumentiert, und zum anderen wurden mithilfe einer Dolmetscherin Befragungen bei den dort lebenden Nomaden durchgeführt.

Denn die Natur kann nur erfolgreich geschützt werden, wenn die lokale Bevölkerung für ihre Natur sensibilisiert wird. Deshalb stärkt der Nabu das Bewusstsein für den Schneeleoparden in der kirgisischen Öffentlichkeit mittels Befragungen zur Einstellung und betreibt Öffentlichkeitsarbeit bereits in den Schulen.

„Wir haben eine sehr große Gastfreundschaft und Offenheit bei unseren Befragungen erlebt“, erzählt Michael Krause und berichtet weiter, dass die von ihm befragten Nomaden dem Schneeleoparden sehr positiv gegenüberstehen. Lebt das scheue Tier doch meist erst ab einer Höhe von 3700 Metern, und die Nomaden mit ihren Herden – bestehend aus Ziegen, Schafen, Kühen und Pferden – gehen aufgrund der Vegetation nicht höher als 3500 Meter. Klar wurde, dass eigentlich mehr der Wolf als Feind angesehen wird. Dass dieser sich seine Beute auch mal in den Herden sucht, wird als viel gefährlicher und schädigender eingestuft.

„Ich möchte die Erfahrungen nicht missen. Ich habe eine Gesellschaft kennengelernt, die noch ganz andere Strukturen hat, als bei uns. Da werden beispielsweise die Eltern gesiezt, selbst die jüngeren Geschwister siezen die Älteren. Dass die älteren Besucher gleich behandelt werden, war für Michael Krause manchmal kein Vorteil, musste er doch immer zuerst die angebotenen Speisen und Getränke genießen. Aber auch nach wenigen Tagen hatte man sich an vergorene Stutenmilch Ähnliches ähnliches gewöhnt, berichtet er. Gewöhnungsbedürftig war auch das „Tote-Ziegen-Polo“, das verschiedene Nomadenfamilien für die Gruppen veranstalteten. Dabei gilt es, in wilden Spielen zu Pferde den Sieg um eine Ziege zu erlangen. Diese wird dann anschließend gemeinsam zubereitet und verzehrt.

Ähnlich wie die Nomaden lebte auch die Expeditionsgruppe sehr spartanisch, Zähneputzen am Fluss und eine schnelle Wäsche mit lauwarmem Wasser gehörten ebenso dazu wie die Übernachtung mit Schlafsack und Isomatte.

Die Suche und Dokumentation von Hinweisen auf den Schneeleoparden führte die kleine Expeditionsgruppe bis in Höhen von 3800 Metern, was am Anfang auch für Michael Krause eine Herausforderung war. Aber nicht nur die ungewohnte Höhe erschwerte das Eintragen von Spuren und Kot in die Kartenraster mit zwei auf zwei Meter großen Feldern, auch die Wetterverhältnisse waren sehr abwechslungsreich. Auch im Juli tobt dort mal eben ein kleiner Schneesturm, während am nächsten Tag die Sonne wieder scheint.

Das Aufstellen von Fotofallen und die Verortung durch GPS dienen auch in Zukunft nicht nur der Dokumentation des Tieres an sich, sondern auch von dessen Beutetieren, und manchmal geht auch ein Wilderer in die Fotofalle und kann so identifiziert werden. Denn die Tiere werden auch heute noch aufgrund ihres besonderen Fells und der Verwendung der Knochen in der chinesischen Medizin gejagt. Das abendliche Meeting im Gemeinschaftszelt und der Austausch unter den beiden Kleingruppen gehörte ebenso dazu wie die Mithilfe bei Abwasch und Co.

Ein besonderes Erlebnis war für Michael Krause auch die Freilassung einer Pallaskatze, die in einer der Auffangstationen für verletzte Tiere gepflegt wurde. Zu diesem Ereignis kamen viele Nomaden, und auch die örtliche Presse nutzte die Gelegenheit, um auf die Wichtigkeit des Naturschutzes aufmerksam zu machen.

Auch wenn er nur einmal eine Spur von einem Schneeleoparden gesehen hat und auch die aufgestellten Fotofallen nur ein beeindruckendes Bild von einem landenden Adler boten, war die Reise für ihn ein voller Erfolg. Das Erlebnis einer intakten Natur, das Gefühl, einen kleinen Beitrag zum Schutz der gefährdeten Großkatzen leisten zu können und die Begegnungen mit der als Nomaden lebenden Bevölkerung – davon wird Michael Krause noch lange zehren. Und wer weiß, vielleicht startet er wieder einmal zu einer Expedition als freiwilliger Helfer.

Info

Nähere Informationen sind unter folgenden Adressen zu finden. Nabu-Projekt „Geist der Berge“: www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/schneeleopard/aktivitaeten/index.html Die Firma Biosphere-Expeditions führt weltweit Natur- und Artenschutzexpeditionen unter dem Aspekt nachhaltigen Reisens durch. Siehe hierzu im Internet unter www.biosphere-expeditions.org

Aus dem Hinterweil nach Kirgisistan: Der Mann in der Mitte mit der grünen Kappe ist Michael Krause aus Sindelfingen, inmitten des Teams von Schneeleoparden-Helfern. Bild: z