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Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter · 13.06.2018

Die Schnecken feiern ihren Flecken

Deufringen: Mit dem Schneggafest beginnen am Samstag die Feiern zum 750-jährigen Bestehen der Ortschaft / Festakt am 14. Juli, Heckengäutag am 8. September

  • Am Samstag wird im Deufringer Schlosshof das Schneggafescht gefeiert. Es ist der Auftakt zu den 750-Jahr-Feiern der Ortschaft. Bilder: Richter

Schneggafescht, Festakt und Heckengäutag: Das sind die drei Feste, mit denen die Deufringer das 750-jährige Bestehen ihres Dorfes feiern. Los geht es am Wochenende mit dem Schneggafescht. Ein Blick in die Geschichte.

Das Schloss in Deufringen hat eine große Bedeutung in der Geschichte des heutigen Aidlinger Ortsteils. Die Herren von Gültlingen residierten hier. Hausherr Jakob von Gültlingen ermordete seinen Freund Konrad von Degenfeld. Nur fünf Tage nach der frevelhaften Tat endete das Leben des Deufringer Adeligen auf dem Schafott.

Die Geschichte der Besiedlung Deufringens beginnt im siebten Jahrhundert. Auf dem Gebiet der späteren Gemeinde soll es eine alemannische Siedlung mit fünf bis sechs Höfen gegeben haben. Die erste Erwähnung von Tuveringen, dem späteren Deufringen, ist in einer Urkunde des Grafen Rudolf von Tübingen aus dem Stift Sindelfingen zu lesen. Die Urkunde trägt das Datum vom 17. Juli 1268. Dieser Tag gilt als erster Tag in der Geschichte von Deufringen. Damals bestand der Ort aus einer Kirche, einer Mühle und etwa 15 bis 20 landwirtschaftlichen Höfen.

Mord am schlafwandelnden Konrad

1314 wird der Ortsadelige Eberlin von Tuferdingen, der dem Ort den ersten Namen gab, erwähnt. Mehrfach wird von einer Riedmühle geschrieben. Ab etwa 1556 wohnen die Herren von Gültlingen im Ort. Schon 1402 haben sie vom Haus Württemberg Deufringen als Lehen erhalten.

1592 lässt Jakob von Gültlingen das Schloss bauen. Bei einer späteren Umgestaltung wirkt auch der bekannte Baumeister Heinrich Schickhardt mit.

In der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober ersticht Jakob von Gültlingen seinen Freund Konrad von Degenfeld. Die Tat gibt er zu, behauptet aber, er habe den in ein Bettlaken gehüllten schlafwandelnden Konrad für ein Gespenst gehalten. Mildernde Umstände scheint es nicht gegeben zu haben. Nur fünf Tage nach der Tat wurde Jakob von Gültlingen auf Verfügung Herzogs Friedrich I. hingerichtet.

Es gibt noch eine zweite Darstellung der Tat. Demnach war Konrad ein Vetter von Jakob. In Geradstetten soll sich die Tat ereignet haben, als Jakob seinen Vetter im Alkoholrausch für ein Gespenst gehalten und erstochen habe. In Waiblingen sei er kurz darauf enthauptet worden.

In einem Abschiedsbrief empfahl Jakob von Gültlingen seiner Frau Felicitas, Deufringen schnellstens zu verlassen, weil sie und ihre Kinder kein Glück mehr in diesem Land haben werden. Eine Erlaubnis zum Verkauf des Dorfes erhielt Felicitas von Gültlingen allerdings bis zu ihrem Tod ein Jahr später vom Herzog nicht.

Um 1600 ist in alten Unterlagen zu lesen, dass sich zwei Mühlen im Ort befinden: die Obere und die Untere Mühle. Um diese Zeit gibt es auch Hinweise auf einen Badebetrieb mit medizinischen Tätigkeiten.

Um 1700 herum hat Deufringen 200 Einwohner. Knapp 100 Jahre später sind es schon 400 Bürger. Die denkmalgeschützte Kirche Sankt Veit geht auf eine 1468 belegte Kapelle zurück, die um 1500 erbaut wurde.

Zum landwirtschaftlichen Aufschwung trägt in Deufringen, ebenso wie im benachbarten Aidlingen, der Hopfenanbau bei. In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gibt es sogar eine größere Fabrik für Sportbekleidung in Deufringen. Seit 1971 gehört Deufringen zu Aidlingen.

Mit dem fünften Schneggafescht beginnen am Samstag, 16. Juni, die Jubiläumsfestlichkeiten in Deufringen. „Schnecken“ ist der Neckname der Deufringer. Im Schlosshof bewirtschaftet der Ortschaftsrat mit Helfern. Am späten Samstagnachmittag soll beim Schneegafescht auch eine von der Firma Strassacker in Süßen in Bronze gegossene ein Meter auf einen halben Meter große Schnecke präsentiert werden. Zur Finanzierung lief eine Spendenaktion „750 Bürger spenden 750 Cent“. Das noch fehlende Geld kommt vom Erlös des Schneegafeschts.

Die Aidlinger Künstlerin Elisabeth Nagel hat zwei Schnecken modelliert und die Kinder von Schule und Kindergarten durften in einem Projekt „Kunst und Kultur“ die beiden Schnecken bemalen. Alle drei Schnecken sollen ihren Platz auf der „Blumenwiese“ an der Straße von Aidlingen nach Deufringen kurz nach dem Feuerwehrhaus am Abzweig ins Wohngebiet erhalten.

Am Samstag, 14. Juli, findet dann im Schlosskeller in Deufringen der Festakt zum 750-jährigen Jubiläum statt.

Am Samstag, 8. September, findet der Heckengäutag erstmals in Deufringen statt. Dazu wird die Ortsdurchfahrt komplett gesperrt. Die Stände sind im Bereich des Rathauses aufgebaut. Der Schlosshof bildet die Aktionsfläche für das traditionelle Hopfenzopfen. Wo der Hammellauf stattfindet, wird noch festgelegt. Auf jeden Fall auch im Bereich des Schlosses. Im Schloss findet am 8. und 9. September eine Ausstellung von Familienstammbäumen statt.