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Von unserem Mitarbeiter Peter Maier · 13.03.2018

Die Proben im „Blauen Raum“

Böblingen: Die Schüler der Klassen 5 und 6 des Otto-Hahn-Gymnasiums spielen gemeinsam Theater

Aus Raum 308, dem „Blauen Raum“ des Otto-Hahn-Gymnasiums in Böblingen, ist rhythmische Klavier-Percussionmusik zu hören. Drinnen sieht man in der Mitte des großen Raums Schüler, die in Posen unbeweglich wie Statuen in einem Museum dastehen. Da kommen Mitschüler hereingeschlendert. Sie gehen um die Statuen herum, schauen sie bewundernd an. Schnell nimmt die Szene Fahrt auf.

Die „Museumsbesucher“ stellen sich zu den „Statuen“ und frieren dabei selbst ein. Die alten „Statuen“ werden nun lebendig und steuern auf andere „Statuen“ zu. So ergibt sich ein schnelles Wechselspiel aus Standbild-Figuren. Die Figuren beziehen sich aufeinander, ergänzen sich oder zeigen Gegensätze. Für den Betrachter entstehen so interessante Bilder, wechselnde Situationen und kleine Geschichten. Als die Musik endet, ist der Museumsspuk vorbei.

Nun setzen sich alle Schüler der Klasse 6b auf den Boden und reflektieren die Übung gemeinsam mit ihren beiden Lehrern Heike Rathmann und Hans Ulrich Büxenstein. Das Statuenspiel hat allen großen Spaß gemacht. Jeder war aktiv, konnte ausprobieren, kreativ sein, verschiedene Posen einnehmen und für ein paar Sekunden in eine Rolle schlüpfen. Es war spannend, Bilder und Geschichten gemeinsam entstehen zu lassen. Die Lehrer fragen, was nötig ist, damit diese Übung gelingt. Man muss die anderen wahrnehmen, so die Schüler, auf sie zugehen, etwas gemeinsam machen, sich etwas einfallen lassen und sich an die Spielregeln halten, diszipliniert sein, die Spannung halten, nicht lachen und nicht schwätzen.

So sieht eine typische Unterrichtsstunde in der Theaterklasse aus. Dieses Konzept wird nun schon im zweiten Jahr am OHG mit viel Freude und großem Erfolg erprobt. Die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen, die sich für das Angebot entschieden haben, spielen gemeinsam Theater, leben dabei Kreativität und erwerben soziale Kompetenzen. In einer zusätzlichen Theaterstunde machen sich die Schüler vertraut mit den verschiedenen theatralen Mitteln, von denen sie auch in anderen Fächern und Lebensbereichen profitieren können.

Das Theaterspiel wird eng mit Soko (Sozialkompetenz) verzahnt, einem Fach, dem am OHG eine Wochenstunde gewidmet ist und in dem es um das soziale Miteinander und um Persönlichkeitsbildung geht. Diese Inhalte werden zum Teil mit theaterpädagogischen Methoden erarbeitet, da die Übungen zu einem guten Klassenzusammenhalt und zu einem vertrauensvollen Umgang miteinander beitragen. Darüber hinaus wird die Auftrittskompetenz der Schüler gefördert und so ihr Selbstvertrauen gestärkt.

Da Theater aber auch bedeutet, vor Publikum zu spielen, führt die Theaterklasse am Ende des Schuljahrs ein eigenes Stück auf, das neben individuellem Können vor allem auch Teamarbeit erfordert. Im letzten Schuljahr entstand so in einem Gemeinschaftsprojekt der Klassen 5b,c,d das Stück „Die Zeitmaschine“, in dem die Zuschauer eine Zeitreise durch Raum und Zeit erlebten. In diesem Jahr, so viel sei schon verraten, geht es um das Thema Gemeinschaft und Ausgrenzung. So fügt sich die Theaterklasse optimal in das bewährte Sozialcurriculum des Otto-Hahn-Gymnasiums ein.

Die Theaterspieler des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums. Bild: z