Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Spielen und Gewinnen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 07.12.2017

Die Preisspirale dreht sich weiter

Kreis Böblingen: Neubauten im Laufe des Jahres um 10 Prozent teurer / Deutlich weniger Baugenehmigungen im Landkreis / Anteil der Kapitalanleger bei Immobilienkäufern steigt

Michael Tillmann, Vorstand der Kreissparkasse Böblingen hob gestern bei der jährlichen Immobilien-Pressekonferenz mahnend den Zeigefinger: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir zukunftsträchtige Branchen nicht verlieren.“

Wenn Unternehmen keine Fachkräfte fänden, weil diese mangels bezahlbarer Wohnungen nicht in den Kreis Böblingen ziehen könnten, und außerdem wegen fehlender Gewerbeflächen nicht erweitern oder neu bauen könnten, dann seien diese schnell weg. In Bayern etwa seien dann auch noch die Grundstücke extrem günstig. Da gebe es Gewerbebauplätze, die kaum mehr kosten als den Erschließungsbeitrag.

Solche Umzugspläne hege nicht nur das produzierende Gewerbe. Tillmann (Bild: z): „Der Büromarkt ist leer gefegt.“ Unter 3 Prozent Leerstand sei gleichbedeutend mit einer Vollauslastung, zumal da auch nicht mehr vermittelbare Altbauten eingerechnet seien: „Ob Büros, Hallenflächen oder gewerbliche Grundstücke, im Kreis Böblingen ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot.“ Und heute sei schon erkennbar, dass bei den Büros in fünf bis sieben Jahren alles noch viel schlimmer werde.

Dass auf dem Flugfeld Böblingen/Sindelfingen, im Sindelfinger Mittelpfad, in Gültstein und in Leonberg-West derzeit hochwertige Büroneubauten entstehen, lindere die Situation nicht. Die seien zum großen Teil bereits vermietet.

Die Kreissparkasse vermittelte in diesem Jahr (bis Ende November) bisher 45 gewerbliche Immobilien (Vorjahr: 31) im Wert von 39,2 Millionen Euro (Vorjahr: 36,4 Millionen).

Auch im wohnwirtschaftlichen Bereich hält die Rallye am Immobilienmarkt weiter an. Bis Ende Oktober nahm der Landkreis 24 214 771,17 Euro Grunderwerbsteuer ein. Bei der Kreissparkasse geht man davon aus, dass die Summe aus dem Vorjahr (knapp 30,4 Millionen), in diesem Jahr nicht ganz erreicht wird. 2016 sei die Grunderwerbsteuer wegen eines großen Objektes besonders hoch gewesen.

In den ersten drei Quartalen 2017 wurden im Kreis Böblingen 756 Wohnungen genehmigt, zum ersten Mal seit 2010 weniger als im Vorjahreszeitraum (1101). Auch da werde man die Vorjahreszahl (1327) nicht mehr erreichen. Das, so Michael Tillmann, liege am knappen Bauland („es ist halt nix mehr da“), verschärften regulatorischen Vorgaben, steigenden Baukosten und der Bürokratie bei der Flächenentwicklung. Im Jahr 2016 wurden im Landkreis 1625 Wohnungen fertiggestellt (2015. 1445).

Uwe Nageler (Bild: z), der Leiter des Immobilienvertriebs der Kreissparkasse, hatte für dieses Jahr bei Wohnungsneubauten mit einer Preissteigerung von 5 Prozent gerechnet. Geworden sind es 10 Prozent. Dabei sei die Preisspirale noch nicht an ihrem Ende angelangt.

Das Institut vermittelte in diesem Jahr bisher 131 Eigentumswohnungen (Vorjahr: 139), 81 Häuser (47) und 7 Grundstücke (ebenfalls 7) für den Wohnungsbau. Der Großteil davon waren gebrauchte Objekte (192). Die Kaufpreise lagen dabei zwischen 1500 und 3500 Euro pro Quadratmeter (siehe obige Tabelle).

Für Neubauten lag die Preisspanne in den großen Städten des Kreises Böblingen für Eigentumswohnungen zwischen 3900 und 5500 Euro pro Quadratmeter, sonst zwischen 3500 und 4100 Euro. Reihenhäuser (Nageler: „Wenn es welche gab.“) kosteten in den größeren Städten zwischen 460 000 und 550 000 Euro, waren sonst aber auch mal für 400 000 Euro zu bekommen. Die Doppelhaushälften wurden mit 420 000 bis 800 000 Euro gehandelt.

Die teuersten Neubauten wurden in Böblingen (Tannenberg, Waldburg, Galgenberg) und an der Leonberger Burghalde verkauft.

Nach den Flächennutzungsplänen könnten im Kreis Böblingen noch 321 Hektar Wiesen und Ackerland für den Wohnungsbau ausgewiesen werden. Derzeit stünden 117 Hektar in Neubaugebieten und 13 Hektar in innerstädtischen Entwicklungsgebieten zur Verfügung oder würden vorbereitet. „Positiv ist“, so Uwe Nageler, „dass die Kommunen bei der Baulandentwicklung derzeit richtig Gas geben.“

Nach dem aktuellen Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands sind 83 Prozent der 20- bis 50-Jährigen bereit, für den Immobilienerwerb ein Darlehen aufzunehmen. Dabei, so Oliver Braun, Leiter des Geschäftsbereichs Immobilien und Vermögensmanagement der Kreissparkasse, käme aber nur für acht Prozent eine Vollfinanzierung in Betracht.

Bei den Finanzierungen der Kreissparkasse liege der Eigenkapitalanteil unverändert bei 20 Prozent: „Das heißt, die Käufer bringen mehr Geld mit, da die Immobilien ja teurer geworden sind.

„Immer mehr Kunden“, so Braun (Bild: z), „setzen sich mit der Immobilie als Wertanlage auseinander.“ Dies lasse sich bereits an Zahlen festmachen. Der Anteil der Kapitalanleger an denjenigen, die auf Vermittlung der Kreissparkasse eine Immobilie kauften, stieg im Vergleich mit dem Vorjahr von 24 auf 26 Prozent.

SZ/BZ-Redakteur Karlheinz Reichert befasst sich seit vielen Jahren mit Finanzen und Immobilien.

Preisübersicht 2017 der Kreissparkasse Böblingen für gebrauchte Immobilien in den Großen Kreisstädten sowie ausgewählten Städten und Gemeinden im Kreis Böblingen. Grafik: z