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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 15.04.2017

Die Nase ist nicht im Wind

Sindelfingen: Orgelsolokonzert auf dem Goldberg mit Kristjan Penhofer

Buxtehude, Bach und Mendelssohn, diesem Komponistentrio galt die ausschließliche Aufmerksamkeit Kristjan Penhofers. Der Trossinger Organist bestritt eines der eher seltenen Orgelsolo-Konzerte bei der Goldberg-Konzertreihe in der Versöhnungskirche Sindelfingen.

Der aus Slowenien stammende Organist Kristjan Penhofer, Jahrgang 1987, studiert seit 2013 Orgel in Trossingen. Sein Gastspiel am Goldberg war sein erster Konzertauftritt in Sindelfingen, doch der nächste ist bereits absehbar. Bei der diesjährigen Orgelreihe in der Martinskirche bestreitet er am 19. August das neunte Konzert, ebenfalls als Solist.

Zur Ouvertüre mit einem Präludium von Dietrich Buxtehude, dem für die Orgelentwicklung so wichtigen Lübecker Organisten, zu dem auch einst Johann Sebastian Bach studienhalber pilgerte, führte sich Kristjan Penhofer als durchaus eigenwilliger Interpret ein: Statt mit kräftiger, ans Pleno gehender satter Registrierung und damit einem Ausrufezeichen zur Eröffnung wählt er ganz feine Pfeifenkombinationen, füttert erst peu à peu weitere Register zu.

Es dauert damit eine ganze Weile, bis erstmals ein kerniger Bass erklingt. Der Gedanke dahinter, stetige Steigerung, ist klar, aber anfechtbar. Orgelgrößen wie Koopman entfalten in dem Stück früh große Pracht. Dass Penhofers Interpretation nicht das großartige Brillanz-Ereignis wird, liegt indes weniger an seiner Registrierungstaktik als an vergleichsweise defensiven Tempi und Verzicht auf individuelle Ausschmückung mit Verzierungen.

In puncto Tempo ist auch sein Präludium, Largo und Fuge in C-Dur von Johann Sebastian Bach (BWV 545) in den Ecksätzen nicht auf der zügigen Seite. Und die Fuge klingt so, als ob sie nur für Augenblicke sich traue, die Nase in den Wind zu heben. Denn der Organist spielt das Stück mehr hängend als vorwärts, womit das Ganze eine Schwerfälligkeit befällt, die wohl der Interpret selbst nicht intendiert.

Viel entschiedenere Orientierung nach vorne bekäme sicherlich auch seiner Mendelssohn-Interpretation gut. In der vierten Sonate aus op. 65 finden sich nicht von ungefähr Spielanweisungen wie „con brio“, also mit Feuer, ganz zu schweigen von einem „vivace“. Die ruhigen Stücke („Ach Gott und Herr“ von Buxtehude und Bachs „Schmücke dich, o liebe Seele“) sind hübsch vorgetragen, auch mit Mut zu gelegentlichen exponierten Farben.

Wenn sich derartige Lebendigkeit noch stärker auch in der Phrasierung fände, würden die langsamen Sätze freilich gleich noch ein ganz anderes Beseelungsniveau in der Versöhnungskirche erreichen.

Info

Hartmut Gessinger, der Organisator der Konzertreihe in der Sindelfinger Versöhnungskirche, steht am Samstag, 22. April, um 19 Uhr im Odeon der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) an der Wolboldstraße in Sindelfingen selbst auf der Bühne. Der Kontrabassist ist Mitglied des Kammerorchesters Sindelfingen, das in der Reihe „Musik für Sindelfingen“ das Nonett in Es-Dur von Mozart und das Nonett in E-Dur von Rheinberger aufführen wird.