Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 29.11.2018

Die Musikkapelle verliert ihre Heimat

Maichingen: Stadt verlängert Pachtvertrag für Vereinsheim Bockstall nicht / Umzug ins Jugendheim an der Weil der Städter Straße in Sicht

  • Der Bockstall am Allmendweg ist das Vereinsheim der Musikkapelle Maichingen. Die Stadt wird den Ende 2020 auslaufenden Pachtvertrag mit dem Verein nicht verlängern. Bild: Schweiker

Die Musikkapelle Maichingen muss nach Informationen der SZ/BZ ihr Vereinsheim im Allmendweg, den sogenannten Bockstall, aufgeben und in das ehemalige Jugendheim in der Weil der Städter Straße neben der Turn- und Festhalle umziehen.

„Eine Sanierung des Bockstalls liegt von den Kosten her jenseits dessen, was ich als Kassier verantworten kann“, sagt Benjamin Jornitz. Ende 2020 läuft der Pachtvertrag zwischen der Stadt Sindelfingen und der Musikkapelle Maichingen aus. Um den Pachtvertrag zu verlängern, müsste voraussichtlich in Umbau und Sanierung investiert werden.

Das Problem: „Die Stadt stellt uns keine längerfristige Pachtvertragsverlängerung in Aussicht“, sagt der Vorsitzende Benjamin Schilling (Bild: z). Denn „die Stadt weiß selbst noch nicht, wie es im Allmendäcker weiter geht“, erläutert Ortsvorsteher Wolfgang Stierle. Als wahrscheinlich gilt, dass Sindelfingen mittelfristig eine andere Nutzung des Areals plant und deswegen ein Bebauungsplanverfahren ansteht. Wie die Zukunft des Bockstalls im Rahmen eines solchen Verfahrens aussähe, ist mehr als ungewiss.

Angesichts dieser Unsicherheit lasse sich „eine große Investition in den Bockstall nicht rechtfertigen“, sagt Vereins-Pressesprecher Frank Bechtle. Der Vorstand habe sich die Entscheidung, den Bockstall aufzugeben, nicht leicht gemacht, sagt Benjamin Schilling, zumal etliche Mitglieder der Musikapelle den Bockstall in den 90er Jahren in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden renoviert und umgebaut haben: „Es gab viele Diskussionen und auch Tränen. Aber der Erhalt des Bockstalls ist aus unserer Sicht nicht machbar.“

Inzwischen bietet die Stadt dem Musikverein eine Alternative an: einen Umzug ins ehemalige Jugendheim in der Weil der Städter Straße neben der Turn- und Festhalle. Bereits 2013 stellte der Maichinger Ortschaftsrat einen Antrag eine soziale Nutzung in dem Gebäude unterzubringen – etwa als Kita oder als Jugendtreff. 2016 fasste der Sindelfinger Gemeinderat den Beschluss ein Familien- und Vereinshaus im Jugendheim unterzubringen (die SZ/BZ berichtete).

Die Sanierung und der Umbau würden voraussichtlich rund 2,5 Millionen Euro kosten, wie der Leiter des Sindelfinger Amts für Soziale Dienste, Hans-Georg Burr, erläutert. Das Problem: Bislang war nicht so recht klar, welche Nutzer in dem Gebäude überhaupt unterkommen sollen.

Dieses Problem hätte sich mit dem Einzug der Musikkapelle erledigt: „Der Verein könnte als Hauptnutzer des Gebäudes fungieren und dort Verantwortung übernehmen“, so Burr: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir sowohl den Ortschaftsrat als auch den Gemeinderat dafür gewinnen können.“

Als weitere Nutzer des Jugendheims sind der Kinderschutzbund, der GSV Maichingen und mehrere kleinere Vereine im Gespräch. Die Vereine sehen die Pläne der Musikkapelle positiv, so Hans-Georg Burr im Gemeinderat. In einem nächsten Schritt soll ein gemeinsamer Nutzungsplan erarbeitet werden. Außerdem soll die katholische Stadtranderholung (Stara) das Gebäude während der Sommerferien nutzen. Dies wird aber voraussichtlich erst ab 2021 möglich sein. Für das Jahr 2020 ist man auf der Suche nach einer Interimslösung, so Burr.

Einnahmen müssen her

Der Umzug ins Jugendheim birgt jedoch auch Probleme. So erzielt die Musikkapelle bislang einen nicht unerheblichen Teil ihrer Einnahmen durch die Vermietung des Bockstalls für private Feste am Wochenende. Ob dies im Jugendheim möglich sein wird, ist fraglich. „Noch steht die Lärmprognose für die künftige Nutzung des Mädchenheims aus“, sagt Wolfgang Stierle. Es werde jedoch andere Möglichkeiten geben, den Verein zu unterstützen: „An fehlenden Mieteinnahmen sollte das Ganze nicht scheitern.“

Ein weiteres Problem hängt ebenfalls mit der noch ausstehenden Lärmprognose zusammen: Länger als bis 22 Uhr wird die Musikkapelle Maichingen am neuen Standort voraussichtlich nicht proben können. Und: Der Verein ist nicht mehr alleiniger Herr im Haus.

Geschichte

1938 wird der sogenannte Maichinger Bockstall erstmals urkundlich erwähnt – als Schafstall. Während des Zweiten Weltkriegs wurden dort Gefangene untergebracht, danach Flüchtlinge. In den Fünfzigern zog das Wasserwerk in das Gebäude ein, das außerdem als Umkleide für den angrenzenden Sportplatz fungierte. Ab 1971 nutzte der Musikverein das Gebäude als Probenraum. 1995 übernahm die neu gegründete Musikkapelle Maichingen den Bockstall und baute ihn in aufwendiger Eigenregie zum Vereinsheim um. „An diesem Gebäude hängen viele Erinnerungen“, sagt Benjamin Schilling: „Wenn wir es aufgeben, geht ein Stück Vereinsgeschichte verloren.“