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Von unserer Mitarbeiterin Rebekka Groß · 13.01.2018

„Die Musikist meinRückzugsort“

Das Kulturporträt: Der 18-jährige Marvin Pecher aus Holzgerlingen gewinnt mit seinem Klavierspiel den WDR 3 Klassikpreis in Münster

Mit seinem Klavierspiel hat der 18-jährige Marvin Pecher bereits 27 nationale und internationale Preise gewonnen. Von Erstplatzierungen bei Bundeswettbewerben von „Jugend musiziert“ über den Mozartpreis bis zum Steinway-Förderpreis in München. Doch auch wenn das Klavierspielen von Kindesbeinen an seine große Leidenschaft ist, möchte der junge Student beruflich andere Wege einschlagen.

Erst im September letzten Jahres gewann er mit drei weiteren Pianisten und einem Streichquartett den WDR 3 Klassikpreis in Münster. Entdeckt hat er die Liebe zur Musik mit dem Keyboard seiner Mutter. „Er hat, als er klein war, angefangen darauf zu spielen und war davon fasziniert“, so seine Mutter Hanling Pecher.

Da diese Faszination anhielt, erhielt er seinen ersten Klavierunterricht im zarten Alter von fünf Jahren. Seit dem Jahr 2010 nimmt er bei dem Pianisten Romuald Noll an der Stuttgarter Musikschule Unterricht. Zu Beginn musste seine Mutter ihn immer wieder an das regelmäßige Üben erinnern, mit der Zeit habe sich das aber eingespielt, erinnert sich Marvin Pecher.

„Klavierspielen ist eine Leidenschaft von mir“, so der 18-Jährige, dessen Lieblingsstück „Gaspard de la Nuit“ ist, ein dreiteiliges Klavierwerk von Maurice Ravel. Über die Jahre sammelten sich immer mehr Noten an, sodass diese mittlerweile ganze Regale bei ihm zu Hause in Holzgerlingen füllen. Besonders gerne mag er schnelle und temperamentvolle Werke.

Vor Auftritten bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ oder dem „Nürnberger Klavierwettbewerb“ ist Marvin Pecher meist nicht sehr nervös. „Eine Stärke von ihm ist, dass er auf der Bühne keine Angst hat, und alles gibt, was er kann. Meist spielt er auf der Bühne besser als zu Hause“, so seine Mutter.

In seiner Freizeit trifft er sich gerne mit Freunden, und bis vor ein paar Jahren spielte Marvin Pecher Fußball im Verein. So kam es auch, dass er im Jahr 2015 beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ mit einem Bänderriss im linken Fuß, den er sich beim Fußballspielen zugezogen hatte, antreten musste. Doch trotz der Blessuren erreichte er bei dem Wettbewerb die Höchstpunktzahl. „Das war schon cool, da mit Krücken hochzulaufen“, erinnert sich Marvin Pecher mit einem Lächeln im Gesicht.

Da seine Mutter aus China stammt, besuchen sie dort jedes Jahr die Großeltern. Und natürlich steht auch bei ihnen ein Klavier, auf dem der 18-Jährige für sie spielt. Nach China zu ziehen, kann er sich aber nicht vorstellen. „In den großen Städten in Asien ist immer sehr viel los. Hier in Deutschland kann man sich viel besser zurückziehen“, so Marvin Pecher.

Neben dem Fach Musik war er in der Schule stets gut in Sport, Mathematik oder Physik, und interessierte sich für wirtschaftliche Themen. „Um als hauptberuflicher Musiker überleben zu können, muss man super erfolgreich sein“, so Marvin Pecher. Daher entschloss er sich nach seinem Abitur am Schönbuch-Gymnasium in Holzgerlingen dazu, Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe zu studieren. „Vielleicht studiere ich nach dem Bachelor noch Musik, da lasse ich mir alles offen“, sagt der 18-Jährige, der als kleiner Junge davon träumte, Konzertpianist zu werden.

Seit Oktober letzten Jahres wohnt er inzwischen in Karlsruhe. „Am Anfang meines Studiums hatte ich drei Wochen kein Klavier, da merkt man, dass etwas fehlt.“ Mittlerweile steht in seiner kleinen Wohnung aber ein elektronisches Piano mit Flügelklang, auf dem er auch spät abends mit Kopfhörern üben kann, „so stört es die Nachbarn nicht“.

Auch wenn er beruflich erst einmal nicht den Weg des Musikers eingeschlagen hat, spielt die Musik nach wie vor eine wichtige Rolle in seinem Leben. „Mein Rückzugsort ist die Musik. Andere gehen joggen, um abzuschalten, ich spiele Klavier“, sagt Marvin Pecher, der privat auch gerne die verschiedensten Musikstile von Jazz bis Pop und Charts hört. „Ohne Musik wäre mein Leben nicht so bunt und ohne Musik geht es ja irgendwie auch nicht.“

SZ/BZ-Mitarbeiterin Rebekka Groß schreibt unter anderem über die lokale Kultur, sie macht aber auch selbst Musik.

Der junge Pianist Marvin Pecher aus Holzgerlingen hat mit seinen 18 Jahren bereits zahlreiche Erfolge und Auszeichnungen vorzuweisen. Dennoch hat er begonnen, Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Bild: Privat