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Von unserem Redakteur Tim Schweiker · 09.04.2016

„Die Leute müssen aus den Sporthallen raus“

Sindelfingen: Peter Röhm, Schatzmeister des Lions Clubs Johannes Kepler, über die Hilfe bei der Wohnungssuche für Flüchtlinge

In Sindelfingen werden dringend private Wohnungen für Flüchtlinge gesucht. Unterstützung bekommt die Stadt vom Lions Club Johannes Kepler, der am Samstag ab 9 Uhr mit einem Infostand zur Wohnungssuche für Flüchtlinge auf den unteren Marktplatz kommt.

Die SZ/BZ hat sich mit Peter Röhm, Schatzmeister des Lions Clubs Johannes Kepler, über die Aktion unterhalten.

Warum engagiert sich der Lions Club in dieser Sache?

Peter Röhm (Bild:  z): „Es ist ja Vereinsziel, dass wir uns sozial engagieren und aktiv in die Gesellschaft einbringen. Die Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge ist ein so drängendes Thema, dass wir daran nicht vorbei können. Um es kurz zu sagen: Die Leute müssen aus den Sporthallen raus.“

Auf welche Vorbehalte stoßen Sie, wenn Sie mit potenziellen Vermietern sprechen?

Peter Röhm: „Viele sind ganz einfach unsicher, worauf sie sich da einlassen. Die Stadt und wir können ihnen diese Angst durch gezielte, konkrete Informationen nehmen. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen in ihrer Hilfsbereitschaft nicht gebremst werden. Das geht damit los, dass man ja nicht direkt an Flüchtlinge vermietet, sondern an die Stadt als Vertragspartner in einem Nutzungsvertrag.“

Es gibt für den Vermieter kein Ausfallrisiko

Was heißt das konkret?

Peter Röhm: „Die Stadt übernimmt alle Mietzahlungen, sodass es für den Vermieter kein Ausfallrisiko gibt. Den Bewohnern wird die Wohnung zugewiesen, ohne die üblichen mietvertraglichen Bindungen.“

Wie läuft es ab, wen ich eine Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung stellen will?

Peter Röhm: „Dann vereinbaren die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit Ihnen zunächst einen Besichtigungstermin, bei dem die Eignung des Objekts geprüft wird. Ebenso wird das Umfeld betrachtet. Ziel ist immer eine sozial verträgliche Unterbringung der Menschen. Sollten vor der Vermietung Schönheitsreparaturen oder kleinere Renovierungen notwendig sein, kann die Stadt in Absprache mit dem Eigentümer die Kosten dafür übernehmen und sich um die Abwicklung kümmern. Gleiches gilt für die Renovierung nach Auflösung des Nutzungsverhältnisses. Der Vermieter trägt kein Risiko und kann sich sicher sein, den Wohnraum in einwandfreiem Zustand nach Ablauf des Vertrages zurückzuerhalten. Bei Schäden haftet die Stadt Sindelfingen als Vertragspartner für die Bewohner und kommt für von ihnen verursachte Schäden auf.“

Wonach richtet sich die Höhe der Miete?

Peter Röhm: „Die Miete richtet sich nach Zustand des Objektes, darf aber die Mietobergrenzen des Landkreises nicht übersteigen. Das sind zum Beispiel derzeit für eine 75-Quadratmeter-Wohnung für drei Personen 588 Euro, für fünf Personen und 105 Quadratmeter 798 Euro.“

Was ist, wenn es während des Mietverhältnisses Probleme gibt?

Peter Röhm: „Die Stadtverwaltung Sindelfingen stellt sowohl für alle vertraglichen und technischen Fragen einen Ansprechpartner und kümmert sich auch um eine Betreuung durch eine Sozialarbeiterin.“

Kann ich meine Wohnung auch nur für bestimmte Zeit vermieten?

Peter Röhm: „Die Stadt ist an einer langfristigen Anmietung interessiert, kann aber auf Wunsch des Vermieters auch befristete Nutzungsverträge abschließen. Der Vermieter kann mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist kündigen und zum Beispiel auch eine Obergrenze für die Belegung der Wohnung vertraglich vereinbaren. Die Stadtverwaltung garantiert die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kriterien.“

Und was ist, wenn es Verständigungsprobleme mit den neuen Mitbewohnern gibt?

Peter Röhm: „Auch da helfen die Ansprechpartner der Stadt und vermitteln gegebenenfalls auch Paten für Flüchtlinge. Vor Unterzeichnung der Nutzungsvereinbarung hat der Vermieter die Möglichkeit, die künftigen Bewohner bei einem Besichtigungstermin kennenzulernen.“

Info

Wohnungsangebote können unter www.sindelfingen.de/Wohnungsformular mitgeteilt werden oder direkt bei Simone Killinger (Projektleitung Flüchtlingsarbeit) unter 0 70 31 / 9 45 15 oder unter s.killinger@sindelfingen.de per E-Mail. Der Lions Club informiert heute, Samstag, 9. April, von 9 bis 13 Uhr auf dem unteren Marktplatz Sindelfingen gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung über die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen rund um das Thema Wohnungen für Flüchtlinge.

Im November letzten Jahres haben Helfer die Sporthalle der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen als Notunterkunft eingerichtet. Für die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge braucht die Stadt Sindelfingen Angebote von privaten Vermietern. Bild: Richter/A