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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 19.05.2017

Die Heer-Gruppe investiert zwei Millionen Euro

Maichingen: Die Digitaldruckmaschine Ricoh VC 60 000 kann in einer Stunde sieben Kilometer Papier bedrucken

Die Unternehmen der Heer Medienholding GmbH erreichten mit Druck-Erzeugnissen zuletzt einen Jahresumsatz von 130 Millionen Euro. Den bescheidensten Anteil daran hat der Digitaldruck mit vier Millionen. Diese sollen nun mit einer neuen Maschine, die es bundesweit nur zweimal und europaweit zehnmal gibt, verdoppelt werden.

Die Heer-Gruppe, deren größtes Standbein der Rollenoffset-Druck mit einem Umsatz von 100 Millionen Euro ist (Bogenoffset 25 Millionen Euro), hat für dieses Ziel zwei Millionen Euro in die Hand genommen und das Geld in eine neue Druckmaschine (Ricoh VC 60 000) investiert.

Die Gruppe stellt Kataloge, Broschüren, sogenannte Verzeichnismedien, Werbebeilagen und -mittel her. Standorte sind Maichingen, Nürnberg, Ettlingen und Korntal-Münchingen.

Mit Verdoppelungen hat die Unternehmensgruppe seit dem letzten Jahr Erfahrung. Durch Zukäufe zu Körner-Druck und Körner-Premium stieg die Zahl der Beschäftigten von 250 auf 500 und der Umsatz von 65 Millionen auf 130 Millionen Euro. „In der Druckbranche ist einfach eine gewisse Größe notwendig“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Tino Heer. „Als kleiner Mittelständler hat man da wegen der Fixkosten keine Chance.“ Erst mit den richtigen Stückzahlen lohne sich das Geschäft.

Zu den Zukäufen gehört auch die Walter Digital GmbH (Korntal-Münchingen). „Wir haben zwei Jahre lang nach der richtigen Ergänzung für unsere Gruppe gesucht“, so Heer, „mit der Walter Digital können wir nun das gesamte Auftragsspektrum abdecken.“

Diese soll ihren Standort in Korntal-Münchingen auch behalten, obwohl die neue Maschine in Maichingen aufgestellt wurde. Geschäftsführer Axel Walter: „Die Maschine in Maichingen aufzubauen, war richtig, um den Rollenoffset-Druck an einem Standort zu konzentrieren.“ Die Zwei-Millionen-Euro-Investition, sagt Tino Heer, „ist für uns ein Schritt in eine mögliche Zukunft, weg von klassischen hin zu modernen Themen“.

Sie solle den Umsatz aus dem Digitalgeschäft von vier auf acht Millionen Euro steigern und die Gewinne bei der Walter-Tochter „deutlich anheben“. Derzeit hängen sechs der 500 Arbeitsplätze an der Ricoh VC 60 000: zwei im Büro sowie ein Drucker und ein Helfer pro Schicht. Tino Heer: „Wir arbeiten in Früh- und Spätschicht.“ Er geht davon aus, dass die Digitalaufträge rasant zunehmen: „Der Plan ist, dass wir spätestens in zwei Jahren eine zweite Maschine anschaffen.“

Ein Maschinensetzer habe zur Bleisatzzeit 1600 Zeichen pro Stunde geschafft, die neue Maschine bringe es auf zwei Millionen Zeichen in der Sekunde (Acht-Punkt-Schrift) und in der Stunde auf 90 000 A4-Seiten und das vierfarbig, stellt Axel Walter einen Vergleich her, um deren Leistungsfähigkeit zu verdeutlichen. Die Acht-Punkt-Schrift ist fast unmerklich kleiner als dieser Text.

Wenn’s weiter in die Feinheiten geht, räumt Axel Walter ein, versage aber auch seine Vorstellungskraft. Die neue Maschine verfügt über 80 Druckköpfe mit jeweils 2800 Düsen. Jede Düse spritzt pro Sekunde 40 000 Tropfen aufs Papier, macht knapp neun Milliarden Tröpfchen pro Sekunde. Ein Tropfen bestehe aus zwei bis 15 Picoliter Flüssigkeit. Ein Picoliter ist ein billionstel Liter.

Die Maschine kann in einer Stunde sieben Kilometer Papier bedrucken und in Plakatgröße (etwa einen halben auf einen Meter) oder kleiner schneiden.

Die Heer-Gruppe hat Kunden zur Besichtigung der neuen, 35 Meter langen Maschine und zur Bewertung des Druckergebnisses eingeladen. Bild: Reichert