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Von unserem Redakteur Philipp Hamann · 29.12.2017

Die guten Vorsätze des Gerd Dörich

Radsport: In diesem Jahr hat der gebürtige Sindelfinger, der mitlerweile in Niefern wohnt, gerade mal 500 Kilometer im Sattel gesessen

Bei 175. Sechstagerennen saß Gerd Dörich im Sattel. 2004 gewann der gebürtige Sindelfinger an der Seite von Andreas Beikirch und Andreas Kappes in Stuttgart. Heute bleibt das Rad bei dem 49-Jährigen aber meist in der Garage.

„In diesem Jahr bin ich maximal 500 Kilometer gefahren“, sagt Gerd Dörich und liefert den Grund gleich hinterher: „Mit meiner Frau Ellen renoviere ich seit zwei Jahren ein altes Haus in Niefern, dafür geht jede freie Minute drauf.“

2015 hat Gerd Dörich seine Zelte in Sindelfingen dafür abgebrochen. „Unser Haus liegt mitten in den Weinbergen“, sagt der 49-Jährige, der als Haustechniker bei der Firma Bertrand in Mönsheim arbeitet. Die Kinder Philipp (25 Jahre) und Hannah (22) wohnen dagegen weiter in Sindelfingen.

Mit dem Radsport hat Gerd Dörich nicht mehr viel am Hut. Mit zwei Ausnahmen. Der Schweizer Bruno Risi, früher Konkurrent auf den Sechstagebahnen, ist bis heute der beste Freund des gebürtigen Sindelfingers. „Wir treffen uns regelmäßig, schon allein weil wir im gleichen Motorrad-Klub sind. Da gibt es Jahr für Jahr zwei Ausfahrten. Eine in der Schweiz und eine bei uns“, sagt Gerd Dörich. Auch mit Ex-Teamkollege Carsten Wolf, der mittlerweile auf Mallorca lebt, telefoniert der 49-Jährige regelmäßig. Es gibt ja auch einiges zu erzählen.

Im Winter 2007/2008 saß Dörich das letzte Mal auf der Sechstagetour im Sattel. Es gab sicherlich bekanntere Namen in der Szene, doch keiner kann im Rückblick solch eine Beständigkeit vorweisen wie der gebürtige Sindelfinger. 175 Sechstagerennen hat er bestritten. Gerd Dörich war die Stimmungskanone im Sechstagefeld und fuhr insgesamt drei Mal aufs Podium.

In Berlin wurde er 2003 mit Carsten Wolf Dritter der Gesamtwertung. Das schaffte er auch mit dem Niederländer Robert Slippens ein Jahr später in Gent. Seinen größten Erfolg feierte Dörich aber in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle.

Im Januar 2004 gewann er mit Andreas Beikirch und Andreas Kappes auf seiner Heimbahn. Kontakte zu seinen beiden Teamkollegen von damals: Fehlanzeige. Nur so viel: „Andreas Kappes ist wohl ziemlich abgestürzt. Der war zwischendurch Fensterputzer und Hilfsmechaniker bei der Frauen-Nationalmannschaft.“

Da ist Gerd Dörich schon zufriedener mit seiner Situation. Mitte Januar wird der 49-Jährige wieder mal Sechstageluft schnuppern. Er fährt in Bremen als Pilot vorne mit blinden und behinderten Kindern in die Steilkurve der Radrennbahn. Auf dem hinteren Sitz seines Tandems wird dann gejauchzt, gelacht und gekreischt. „Das ist das Größte“, erklärt Gerd Dörich.

„Es gehört eine große Portion Mut und Überwindung dazu sich einem Tandempiloten anzuvertrauen, den man nicht kennt“, sagt der 49-Jährige. Doch nach einer kurzen Einweisung und ausgerüstet mit Fahrradhelm und Radhandschuhen erleben die Kinder die Fahrt mit viel Freude und nehmen viel Motivation mit – auch für die Bewältigung der Hürden des alltäglichen Lebens.

Seine Hürden nach dem Karriereende hat Gerd Dörich genommen. Und für 2018 hat er sich etwas fest vorgenommen: „Ich möchte wieder mehr Rad fahren.“ 500 Kilometer im Jahr sind für einen ehemaligen Sechstageprofi auch viel zu wenig.

Info

Weitere Informationen zu Gerd Dörichs Aktion Steilkurve bekommt man unter aktion-hfk.de/projekte/aktion-steilkurve im Internet.